Elgato 4K60 S+ Capture Card

Elgato 4K60 S+ im Test – Die beste externe Capture Card mit HDR10

Im Test haben wir die Elgato 4K60 S+. Die aktuell bei weitem beste externe Capture Card auf dem Markt. Warum das so ist, erzähle ich im Testbericht.

von Ümit Memisoglu am 5. November 2020
Elgato 4K60 S+
Pro
  • HDMI Passthrough in 4K 60 FPS mit HDR10
  • Videoaufnahme in 4K 60 FPS mit HDR10
  • Echtzeit-Encoding
  • Sehr hohe Aufnahmequalität und extrem genaue Farben
  • Mit Stream-Link wird es zum Produktionsstudio
  • Gute Software und einfache Einrichtung
  • Klein, portabel, schönes Design
  • Aufnehmen auf der SD-Karte
Kontra
  • Kein direkter Zugriff auf SD-Karte via USB
  • Einige Einstellungen via txt-Datei
  • Minimale Latenz beim Livestream (was korrigiert werden kann)

Elgato 4K60 S+ – Einleitung

Ich nutze bereits seit einer Weile die Elgato 4K60 S+. Es handelt sich dabei um eine externe Capture Card. Oder genauer: Die beste externe Capture Card, die es aktuell auf dem Markt gibt.

Wofür eignet sich eine solche Capture Card? Zum Aufnehmen von Videomaterial von Spielekonsolen, vom PC, von der Kamera und praktisch allem, was über HDMI ein Signal an einen Fernseher, Monitor etc. ausgeben kann. Ebenso gut kann es für das Streaming des über HDMI abgefangenen Signals verwendet werden. So lässt sich etwa die professionelle Kamera ganz einfach zu einer professionellen Webcam umfunktionieren, was sicher nicht nur im Twitch-Stream, sondern auch bei der nächsten Videokonferenz gut ankommen dürfte.

Elgato 4K60 S+ Capture Card

Das alles funktioniert sogar, ohne spezielle Hardware im PC selbst eingebaut zu haben oder zu sehr an dessen eigener Rechenpower zu zehren. Es geht sogar portabel ohne PC in bestmöglicher Qualität mit bis zu 4K 60 FPS und HDR10 Unterstützung (soweit ich weiß die Einzige externe Capture Card, die das kann). Damit hat man ein mobiles Produktionsstudio in der Größe eines Taschenbuchs, was komplett den zweiten teuren Streaming-PC ersetzt.

Im Folgenden versuche ich alles geordnet und möglichst verständlich zu erklären.

Elgato 4K60 S+ – Lieferumfang und Design

Im Paket befindet sich neben der Elgato 4k60 S+ noch zwei USB-C zu USB-A Kabel, ein modulares Netzteil mit vier unterschiedlichen Aufsätzen, von denen nur eines für uns in Deutschland interessant ist. Dazu kommt noch ein HDMI Anschluss.

Wenn wir uns die Elgato 4k60 S+ einmal anschauen fällt direkt der schöne Metallbody auf, der mit den bei Elgato üblichen Mustern verziert ist, was ich recht cool finde. Unterhalb befinden sich dazu noch Gummifüße die ein Abrutschen verhindern und Oberflächen vor Kratzern schützen.

Elgato 4K60 S+ – Die Vorderseite und Features

Auf der Vorderseite kommt die Elgato 4k60 S+ mit einem SD-Kartenslot. Dieser ist für euch nur relevant, wenn Ihr ohne PC aufnehmen wollt bzw. die Dateien einfach auslagern möchtet. Hier empfiehlt Elgato eine UHS class 3 / V30 SD-Karte. Eine solche habt Ihr im besten Fall sowieso, wenn Ihr etwa eine 4K Kamera zuhause habt. Da hier eine Standardformatierung genutzt wird, solltet Ihr zwischen beiden hin- und herwechseln können ohne die Karte nochmal zu formatieren. Ansonsten kosten etwa die 128 GB von SanDisk rund 35 Euro bzw. 256 GB rund 70 Euro, wenn nicht gerade im Angebot.  Damit kommt man auf 3,5 Stunden bzw. 7 Stunden wenn man in voller Qualität mit 4K 60 FPS und mit HDR aufnimmt. Das wird natürlich deutlich mehr, wenn man HDR ausschaltet, die Auflösung oder die FPS verringert. Das ist sehr viel Material was man auch sofort bearbeiten kann, da im Elgato 4k60 S+ ein eigener Encoding-Chip eingebaut ist, wodurch das HDMI-Signal direkt als MP4 mit H.264 oder H.265 ausgibt. Denn normalerweise müsste man dies mit den RAW-Dateien selbst übernehmen, was den eigenen Arbeitsprozess stark entschleunigen würde. Hier passiert alles in Echtzeit. Das ist echt top.

Elgato 4K60 S+ Capture Card

Dazu kommt die “REC”-Taste, mit der sich die Aufnahme starten lässt, bzw. an dessen rotem Licht man erkennt, dass die Aufnahme läuft und weiter links befindet sich der Line-In. Dieser hat je nach Anwendungsfall unterschiedliche Funktionen. Verbunden via USB mit dem PC, kann man den Line-In für Live-Kommentare mit einem Mikrofon oder Headset nutzen. Dabei wird der Aufnahme zusätzlich zum Spielesound eine weitere Tonspur hinzugefügt, die man später separat bearbeiten oder ausschalten kann. Neben Anwendungen wie für Let´s Plays etc. ist es etwa auch für Spielejournalisten interessant, da sie hier direkt den Ton von der Spielesession abnehmen können, wenn etwa der Entwickler etwas erzählt, ohne es später in das eigentliche Video mitzunehmen, was aber dann das erstellen des Beitrages erleichtert etc. Nur mal so als ein Beispiel aus meinem Leben. Wer eine Playstation 4 oder Playstation 5 besitzt, kann man sogar, wenn man ein Chat Link Kabel von Elgato Besitzt, neben dem Spielesound den die eigene und die Stimmen der Teamkollegen aufnehmen. Ohne Komplizierte Hardware. Was nicht funktioniert ist Audio über ein Interface via USB zu übertragen, aber ich habe z.B. über mein Rodecaster Mixer und Interface ein 3,5 mm Klinkenkabel angeschlossen anstatt USB und es funktioniert.

Eine kleine Besonderheit ist, dass man einige Aufnahme-Einstellungen für die portable Aufnahme im Standalone-Modus ohne PC nur über eine Text-Datei anpassen kann, die beim ersten Einsetzen in die Karte geschrieben wird. Wenn Ihr SD-Karten wechselt, müsst Ihr diese TXT-Datei natürlich auf alle SD-Karten überschreiben. Was man in dieser settings.txt genau einstellen kann und wie könnt Ihr auf dieser Seite von Elgato sehen.

Elgato 4K60 S+ Capture Card

Elgato 4K60 S+ – Rückseite und Features

Auf der Rückseite befinden sich weiter Anschlüsse. Was man wie wann anschließt hängt davon ab, was man damit vorhat. In den HDMI-In kommt die Hardware, die man aufnehmen möchte. Das kann eine Playstation, eine XBox, eine Nintendo Switch, ein PC, ein Receiver, eine Kamera und wirklich alles mögliche sein, was ein Signal via HDMI sendet. Alles was hier reingeht, kann auch direkt wieder raus über den HDMI-Out. Da die Elgato 4K60 S+ HDMI-Pass Through unterstützt, kann man das Signal direkt und ohne Verzögerung, also praktisch so, als würde man das Kabel verlängern, auf den Fernseher, Monitor etc. leiten. Das Pass Through geschieht in bis zu 4K 60 FPS, sogar mit HDR10.

Möchte man jetzt ohne PC aufnehmen, muss man einfach eines der USB-Kabel zusammen mit dem Originalnetzteil am Power-Port anschließen. Dazu noch die SD-Karte einstecken und die kapazitive REC-Taste betätigen und wenn sie rot pulsiert, läuft alles von selbst angepasst an die Einstellungen von Konsole und Bildschirm.

Möchte man am PC-Aufzeichnen, hat man wieder zwei Möglichkeiten. Schließt man am Port mit der USB-Kennzeichnung ein Kabel an und dessen Ende an den PC. Bedeutet, dass der Strom aus dem USB 3.0Port ausreicht um die Elgato 4K60 S+ mit Strom zu versorgen. Hier wird aber etwas mehr Leistung vom PC gezogen. Schließt man das Ladekabel auch noch an, wird die gesamte Berechnung vom Elgato 4K60 S+ vorgenommen. Entsprechend empfiehlt es sich einfach beides anzuschließen.

Elgato 4K60 S+ Capture Card

Elgato 4K60 S+ – Software

Für das Aufnehmen am PC benötigt Ihr eine Software von Elgato mit dem Namen: 4K Capture Utility. Ist alles verbunden seht Ihr direkt beim Start eine qualitativ schlechtere Vorschau von dem, was per HDMI Out auf dem Monitor oder Bildschirm abgebildet wird bzw. auf der Konsole etc. abgespielt wird. Dieses wird per USB das direkt zur Software am PC geschickt wird. Zum Spielen eignet sich das Bild jedoch nicht (soll es auch nicht), denn wo über HDMI das Signal direkt ohne Verzögerung durchgeht, hat man in der Aufnahmesoftware eine Latenz von bis zu 250 ms (ne nach Auflösung und Qualität).

Diese Latenz hat man beim Streamen auch, was am Echtzeit-Encoding und das übertragen der riesigen Daten via USB 3.0 zutun. Wenn man sein Mikrogon, Interface oder Mixer direkt in den 3,5 mm Line-In der Elgato 4K60 S+ einsteckt, muss man sich da auch nicht so große Sorgen machen da Ton aus dem Mikrofon z.B. und das Bild synchronisiert sind. Macht man das nicht, muss man manuell in OBS, StreamLabs etc. einstellen, dass der Ton des Mikrofons auch diese bis zu 250 ms später gesendet wird. So ist Bild und Ton für die Zuschauer synchron. Ohne Verzögerung geht das Ganze wohl nur mit der Elgato 4K60 Pro. Diese ist aber nicht portabel und wird über PCIe x4 angeschlossen.

Unten zeige ich euch kurz an Death Stranding und Mario Kart Live, wie groß diese Latenz ungefähr ist. Einmal mit Death Stranding in 4K und einmal mit Mario Kart Live in HD. Beide Spiele mit der Elgato 4K60 S+ aufgenommen. Letzteres hat eine deutlich geringere Verzögerung aufgrund der geringeren Qualität. Oben sieht man, wie es auf dem Monitor via HDMI aussieht. Unten wie es mit Verzögerung im Stream aussehen würde. Es ist auf jeden Fall keine große Verzögerung. Wie gesagt: Das kann man leicht korrigieren.

Des Weiteren habt Ihr sehr viele Einstellungsmöglichkeiten in der Software.

Auf der ersten Seite ist eine Funktion Namens Stream Link, was sich noch in der Beta-Phase befindet. Damit Ihr nicht herausfinden müsst, was das ist, erkläre ich es euch: Aktiviert Ihr Streamlink, könnt Ihr in 4K 60 HDR Spielen, gleichzeitig unkomprimiert in 4K 60 HDR aufnehmen für die volle Qualität für ein späteres Video UND gleichzeitig noch in 1080p 60 SDR in OBS (weil gleichzeitig aufgenommen wird) streamen. Wie gesagt: Die Elgato 4K60 S+ ist praktisch ein Produktionsstudio.

Auf Seite zwei kann man Aufnahmegerät und Audioquelle wählen. Ebenso den HDMI Farbraum, wo man auf Seite drei weiter eingreifen kann und man kann alles rund um EDID bestimmen. Ich würde es im besten Fall nicht verändern, da die Elgato 4K60 S+ wirklich extrem Farbgenau aufnimmt. Zudem lässt sich hier auch HDR für die Aufnahme aktivieren. Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn Ihr das Video später auch speziell bearbeiten möchtet und dazu noch einen HDR-Monitor oder Fernseher habt. Dadurch habt Ihr im Video deutlich besseren Dynamikumfang.

Auf Seite drei könnt Ihr dann Bitrate etc. für die Aufnahme verändern. Wichtiges Feature hier ist Flashback-Aufnahme. Fall aktiviert zeichnet die Elgato 4K60 S+ proaktiv für die festgelegte Zeit während des Spielens mit. Wenn Ihr was richtig cooles erlebt habt, aber nicht aktiv aufnehmt, seid Ihr auf der sicheren Seite, da Ihr einfach die letzten 2 Stunden z.B. nachträglich abspeichern könnt. Alles vor der festgelegten Zeit wird gelöscht. Auf der letzten Seite könnt Ihr dann euren Audioeingang einstellen.

Zurück auf dem Startbildschirm mit der Vorschau, könnt Ihr die Vorschau leiser stellen, stummschalten und mehr. Ihr könnt hier auch die Aufnahme aktiv starten, ein Screenshot aufnehmen etc. Alles was aufgenommen wird, wird nicht von der Vorschau, sondern in Originalqualität aufgenommen.

Außerdem habt Ihr hier Zugriff auf die intelligente Mediathek. Intelligent deshalb, da es sich mit dem minimalsten Aufwand selbst nach unterschiedlichen kriterien Sortiert. Spiel, Qualität, Datum etc. Aber auch manuelle Ordner könnt Ihr anlegen und organisieren. Die Videos könnt Ihr direkt in der Mediathek ansehen und löschen anstatt das alles im Explorer zu machen.

Elgato 4K60 S+ – Preis und Verfügbarkeit

Wenn nicht gerade ausverkauft, ist die Elgato 4K60 S+ bereits verfügbar und kostet rund 380 Euro. Klingt vielleicht nach einem heftigen Preis, aber das Teil kann das, wofür Leute meist mindestens einen weiteren teuren PC im Raum stehen haben. Dazu ist es meines Wissens nach, die einzige Capture Card, die 4K 60 in HDR10 verzögerungsfrei via HDMI senden und dazu noch aufnehmen kann. Das ist für Leute, die damit professioneller arbeiten, fast geschenkt.

Elgato 4K60 S+ Capture Card

Bewertung
Design / 9.5
Software / 9.5
Preis / 9.5
Editor's Choice / 10
Hardware / 9.5
Bildqualität / 10
Elgato 4K60 S+

Mit der Elgato 4K60 S+ bekommt Ihr ein vollwertiges Produktionsstudio oder den teuren Streaming-PC im Taschenbuchformat, was für einen Vergleichsweise kleinen Preis unheimlich viel leistet. Es gibt keine externe Capture Card, die in so fantastischer Qualität und Farbgenauigkeit aufnimmt wie die Elgato 4K60 S+. Von HDR10 ganz zu schweigen. Und wenn man den Speicher dafür hat, sogar mit einer Bitrate von bis zu 200 Mbps. Dabei wird diese riesige Datei, die normalerweise entsteht und nochmal encodiert werden muss in Echtzeit direkt vom Elgato 4K60 S+ encodiert. Also: Wer Videos in hoher Qualität aufnehmen will, oder in bestmöglicher Qualität streamen will, wird das mit der

9.7
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