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Infiniti Q50 2.0t – das Auto mit der digitalen Lenkung

von Jens Stratmann am 2. Januar 2015
Infiniti Q50 2.0t
Pro
  • direkte Lenkung, komfortabel, Langstreckentauglich, exotisch
Kontra
  • keine Rückmeldung von der Lenkung, unteres Display anfällig für Fingerabdrücke, Tankdeckel sieht aus wie Retro-Bauteil aus den 80er Jahren, er dürfte nicht sehr wertstabil sein

“Mit der revolutionären Steer-by-Wire-Lenkung und der weltweit ersten aktiven Fahrspurüberwachung gehört der Q50 zu den fortschrittlichsten Technologiepaketen auf dem Automobilmarkt.” – das sagt der Hersteller Infiniti und das wollten wir in der Schweiz, besser gesagt im Umland von Zürich mal überprüfen.

Um das Lenksystem vom Infiniti Q50 zu verstehen muss man zunächst auch mal die herkömmliche Lenkung betrachten. Das Lenkrad ist in der Regel über ein Lenkgestänge mit einem Lenkgetriebe verbunden. Lassen wir eine Servo-Unterstützung mal aussen vor, sieht so die Lenkung aus. Man lenkt am Lenkrad, die analogen Signale werden über das Lenkgestänge an das Lenkgetriebe übertragen. Klingt einleuchtend, oder? Bei Infiniti dachte man sich: Lenkgestänge… das kann man doch auch weglassen. Wir bauen einfach mal eine komplett digitale Lenkung. Sprich: Beim Infiniti lenkt man wie bei einem Lenkrad für die PlayStation / Xbox / Whatever. Die digitalen Signale gehen an Stellmotoren und die lenken dann das Fahrzeug in die gewünschte Richtung. So ein System birgt Vor- aber auch Nachteile.

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Wir sind den Infiniti Q50 2.0t AT in der Schweiz gefahren. Mit einem 211 PS starken Boliden in der Schweiz. Das ist ungefähr so wie mit einem Fahrzeug ohne Handbremshebelgriff auf einen verschneiten Parkplatz. In der Schweiz gibt es nicht nur Berge, Seen, Täler und eine PKW-Maut. Nein, dort gibt es auch ein Tempolimit und sollte man ziemlich genau einhalten, denn sonst wird es schnell teuer. Außerhalb der Ortschaften darf man 80 km/h fahren, innerhalb irgendwas zwischen 30 und 50 und auf der Autobahn ist bei 120 km/h Schluss mit lustig. Ich sag mal so, wir hatten bei der ersten Begegnung mit dem Infiniti Q50 durchaus Zeit uns die Lenkung mal etwas genauer anzusehen, bzw. konnten diese etwas ausprobieren.

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Die Lenkkraft selber lässt sich einstellen, also die Kraft die man aufwenden muss um das Fahrzeug zu lenken. Die Lenkung selber ist auch sehr direkt. Das ist eigentlich alles sehr positiv, doch mir fehlt – vermutlich weil ich es seit über 18 Jahren so gewöhnt bin (man bin ich alt) – die Rückmeldung.

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Vor dem System selber braucht man aber keine Angst haben, denn es gibt beim Infiniti Q50 durchaus einen “Plan B” – sollte die digitale Technik mal versagen schließt eine Schnellkupplung und eine herkömmliche Verbindung zwischen Lenkrad und Lenkung ist wieder hergestellt. Das passiert z.B. auch im Stand. Man merkt das auskuppeln der Lenkung beim Motorstart, dann schlägt das Lenkrad einmal kurz hin und her. Wir haben uns das mit der Lenkung auch noch mal in diesem Video hier erklären lassen:

Doch wie fährt sich der Infiniti Q50 und was hat er sonst noch so zu bieten?

Innerhalb von 7,2 Sekunden beschleunigt der Infiniti Q50 von 0 auf 100 km/h. Dafür sorgt der 2,0 Liter große und 211 PS starke Turbo-Motore der aus dem Hause Mercedes-Benz stammt. Das maximale Drehmoment, welches übrigens an der Kurbelwelle gemessen wird, liegt bei 350 Nm. Die Kraftübertragung erfolgte bei unserem Testfahrzeug über ein 7-Gang Automatikgetriebe und daran gab es nichts zu kritisieren. Den NEFZ-Verbrauch von 6,5 Liter auf 100 km konnte ich allerdings weder damals in der Schweiz, noch jetzt aktuell in Deutschland erfahren, ich lag stets 1-2 Liter drüber (mindestens).

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Die Bremsen sind ausreichend groß dimensioniert und verzögern das Fahrzeug ausgesprochen gut. Über den Infiniti-Fahrmodus-Wahlschalter kann man zwischen den vier Fahrprogrammen Normal, Sport, Snow und Individual wählen. Während die Kennlinien im Sport-Programm etwas sportlicher ausgelegt werden, sorgt das Snow-Programm dafür, dass auf Schnee die Hinterräder nicht andauert durchdrehen.

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In puncto Sicherheit bietet Infiniti im Q50 serienmäßig eine Rückfahrkamera und eine aktive Spursteuerung, gegen Aufpreis gibt es mehrere Assistenz- und Sicherheitssysteme wie z.B. die Umfänge des optionalen Safety-Shield-Pakets: eine intelligente Geschwindigkeitsregelung mit Abstandsregelung über den gesamten Geschwindigkeitsbereich, einen Spurverlassenswarner mit Spurhalteassistent, ein Toter-Winkel-Warnsystem und Toter-Winkel-Assistent, eine automatische Notbremsung,ein vorausschauendes Auffahrwarnsystem, ein Abstandsregelsystem und eine Heckaufprall-Vermeidung. Volle Hütte Quasi, doch wenn das Fahrzeug selbst Eingriff nimmt auf die Lenkung, dann ist dieser Lenkeingriff ebenfalls sehr direkt was zu Irritationen führen kann. Die Scheinwerfer leuchten die Straße auch bei Dunkelheit gut aus und verfügen über ein aktives Kurvenlicht.

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Der Wendekreis des Infiniti Q50 liegt bei 11,40 m und das bei einer Breite von 1,82 m (mit Außenspiegeln 2,09 m) und einer Länge von 4,80 m. Die Höhe liegt bei 1,45 m und der Radstand beträgt 2,85 m. Damit kommt er den Insassen zu Gute. 4 Personen finden ohne Probleme Platz im Infiniti Q50. Leer wiegt der Infiniti 1678 kg, zuladen darf man 580 kg, der Kofferraum fasst dafür 500 Liter, ist aber etwas verbaut. Die maximale Anhängelast beträgt 1,5 Tonnen.

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Im Innenraum finden sich elektrisch verstellbare und dreistufig beheizbare Sitze, das elektrisch verstellbare Multifunktionslenkrad, eine Zwei-Zonen-Klimaregelung und eine Spracherkennung für die Auswahl von Musiktitel, Reisezielen oder Kontakten aus dem Telefonbuch. Im Bereich Infotainment gibt es im Luxus-Japaner zwei Touchscreens, über die sowohl diverse Apps und soziale Netzwerke als auch die Fahrzeugsysteme wie beispielsweise die Klimaanlage gesteuert werden.

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Dank des Infiniti InTouch-Systems kann man im Q50 auch das Smartphone nutzen und die Kontakte, E-Mails und einige Ihrer Apps auch am Steuer nutzen. Optional bekommt man im Multimedia-Paket ein Navigationssystem und ein Bose-Audiosystem mit 14 Lautsprechern. Wir haben uns das in diesem Video hier mal erklären lassen:

Kommen wir zum Fazit und zum Preis? Den Infiniti Q50 2.0t Premium kann man zu einem Basispreis von 39.260 Euro bekommen, der Infiniti Q50 2.0t Sport startet bei 43.790 Euro. Die Aufpreisliste lässt natürlich noch Luft nach oben und da bleibt die Frage offen, ob man sich in dem Preissegment für ein Fahrzeug entscheidet, dessen Händler man suchen muss wie die Nadel im Heuhaufen? Aktuell gibt es 5 Infiniti Händler in Deutschland, so darf man sich z.B. in Frankfurt, in Dresden, in Hamburg, in Berlin und in Düsseldorf (wie passt Dresden in diese Liste?) über die elitäre Händlerschaft freuen.

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Der Infiniti Q50 fährt sich gut, auch über längere Strecken und das muss ja so eine Limousine. Mit dem Premium-Anspruch kann der Infiniti Q50 punkten, kommt für mich persönlich nicht ganz an die Mitbewerber (C-Klasse, 3er BMW…) ran. Optisch gesehen stören mich etwas die Rückleuchten und vor allem der Tankdeckel. Wie kann man an einem so schönen Fahrzeug nur so ein Kuchenblech einbauen oder soll der Infiniti Q50 damit entfernt an die Nissan Modelle aus den 80er Jahren erinnern? Die hatten ähnliche Tankdeckel verbaut, vermutlich sind es noch die gleichen Werkzeuge die dafür verwendet werden.

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Wer aber ein exotisches Fahrzeug fahren möchte und gerne die Frage beantwortet was Infiniti denn für eine Marke wäre, der wird mit dem Infiniti nichts verkehrt machen. Mir persönlich sieht er schneller aus als er ist, ein Tachovideo und einen kleinen Soundcheck seht ihr hier:

..und wer nun gar nicht genug bekommen kann vom Infintiti Q50, der darf sich unser Ausfahrt.TV Video zu dem Fahrzeug ansehen, da gibt es den Durchgang, inkl. Platzangebot vorne und hinten, dem Ablagen-Check und dem Kofferraum-Check:

Bewertung
Preis / 8.8
Editor's Choice / 8.8
Ausstattung / 9
Effizienz / 7
Alltagsnutzen / 9
Komfort / 9
Fahrspass / 8
Smart Functions / 9.4
Infotainment / 9.1
Infiniti Q50 2.0t
8.0
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