Mercedes C-Klasse – eine Mini S-Klasse? (Erste Testfahrt)

Die C-Klasse ist das über die Jahre meistverkaufte Modell von Mercedes. Dementsprechend wichtig ist jedes neue Modell. Die neue C-Klasse erinnert beim ersten Einsteigen stark an den großen Bruder die S-Klasse. Wir konnten die C-Klasse bereits fahren und berichten von unseren Eindrücken.

von Mark Kreuzer am 22. Juni 2021

Beim ersten Einsteigen in die C-Klasse kommt es sofort zu einem Déjà-vu Erlebnis, hat man sich vertan und ist ausversehen in eine S-Klasse gestiegen? Das gesamte Cockpit sieht 1:1 nach S-Klasse aus, nur mit etwas weniger Platz im Innenraum versteht sich.

Auf Einladung von Mercedes hatte ich an zwei Tagen Zeit die C-Klasse über mehrere 100 km zu auf Straßen im Schwarzwald zu testen, außerdem konnte ich in auf und um dem Mercedes Testgelände in Immendingen die Hybird Version der C-Klasse testen und mich mit deren Entwicklern unterhalten.

In diesem Artikel möchte ich mich vor allem auf die technischen Besonderheiten der C-Klasse im Allgemeinen und meinen Eindruck zu dem C300 e Hybrid im speziellen konzentrieren.

Technische Besonderheiten C-Klasse

In der Pressemitteilung zu der C-Klasse stellt Mercedes unter anderem folgende Punkte als größte Besonderheiten in den Fokus:

  • die C-Klasse im vergangenen Jahrzehnt das volumenstärkste Modell von Mercedes-Benz war? Seit der Einführung der noch aktuellen Generation 2014 wurden über 2,5 Millionen Einheiten der Limousine und des T Modells verkauft. Insgesamt gelangten seit dem Jahr 1982 über 10,5 Millionen Mercedes-Benz dieser Klasse in Kundenhand.
  • die C-Klasse im Innenraum in puncto Digitalität und Hochwertigkeit wieder einen großen Schritt macht? Das Interieur übernimmt Highlights aus der neuen S-Klasse wie das Anzeige- und Bedienkonzept und interpretiert sie sportlich. Dazu trägt die Fahrerorientierung bei: Instrumententafel samt Zentral-Display sind leicht um sechs Grad zu diesem hin geneigt.
  • sich Haustechnik und Haushaltsgeräte mit dem Sprachassistenten „Hey Mercedes“ von MBUX steuern lassen? Dank Smart Home-Funktion können sie mit dem Fahrzeug vernetzt und aus der Ferne bedient werden.
  • das Licht in jedem DIGITAL LIGHT Scheinwerfer mit Hilfe von 1,3 Millionen Mikrospiegeln gebrochen und gerichtet wird? Pro Fahrzeug beträgt die Auflösung also über 2,6 Millionen Pixel. Auf Wunsch ist DIGITAL LIGHT mit Projektionsfunktion erhältlich. Dieses System projiziert Führungslinien, Symbole und Animationen auf die Straße und kann das Fahren sicherer machen.
  • sich der Wendekreis mit Hinterachslenkung um mehr als 40 Zentimeter auf unter elf Meter verringert? Der Lenkwinkel an der Hinterachse beträgt bei dieser Sonderausstattung 2,5 Grad.

C-Klasse Cockpit

MBUX 2.0 in der C-Klasse – Sommer Update mit an Bord

Das optional größere Display mit 11,9‘‘ erinnert auf den ersten Blick sehr stark an das der S-Klasse. Die leichte Neigung zum Fahrer hin mit 6° nimmt man nur bei genauer Betrachtung bewusst wahr. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist, dass es sich nicht um ein OLED Display handelt, was bei dem Preisunterschied zwischen C und S-Klasse sicher niemand wundern dürfte.

Die Funktionsweise des MBUX 2.0 ist gleich zu dem bekannten System in der S-Klasse. In unserem Testbericht zu der S-Klasse könnt ihr noch mal nachlesen was uns daran damals besonders gut gefallen hat:
Besonders ist das die C-Klasse direkt vom Start hin weg den neusten Software Stand mit an Bord hat. Damit wird nun neben Tidal, Spotify, Amazon Music auch Apple Music direkt mit unterstützt.

Des weiteren hat der Sprachassistent im MBUX ein kleine wenig mehr Persönlichkeit bekommen und spricht den Fahrer auch gelegentlich mit dem Vornahmen an. Auch sollen jetzt kleinere „Easter-Eggs“ im System mit integriert sein, die man falls man keinen Sinn für Humor (typisch Deutsch) auch wieder ausschalten kann.
Ähnlich wie man es bei Mercedes gewohnt ist, lässt sich das Erscheinungsbild der Bildschirme mit drei Anzeigestilen (klassisch, sportlich, dezent) und drei Modi (Navigation, Assistenz, Service) individualisieren.

  • In „klassisch“ wird der Fahrer von einer bekannten Anzeigewelt empfangen. Die bewährte Anzeige mit zwei Tuben und wechselnden Inhalten dazwischen bietet alle fahrrelevanten Informationen.
  • In „sportlich“ dominiert die Farbe Rot, der zentrale Drehzahlmesser ist dynamisch inszeniert.
  • In „dezent“ ist der Inhalt auf das Wesentliche reduziert. Zusätzlich können beide Screens mit der Ambientebeleuchtung in sieben Farbwelten angezeigt werden. Das sorgt für ein beeindruckendes Farberlebnis im Innenraum.
  • Im neuen „Assistenzmodus“ wird das Verkehrsgeschehen in Echtzeit abgebildet und mit wichtigen Anzeigeinformationen ergänzt.

Hier findet sich auch zum ersten mal eine große bisher noch nicht kommunizierte Änderung im Sommer Update des MBUX System. In der Vergangenheit konnte man in dem Fahrerdisplay die drei Bereiche sehr individuell von der Anzeige her ändern und hatte damit eine Vielzahl von verschiedenen Anzeigemöglichkeiten. Dieses System war für Geeks wie mich sicher cool, ich kann mir aber ohne weiteres vorstellen, dass dies schnell zu Verwirrung und Konfusion bei den meisten Kunden geführt haben könnte. Daher gibt es jetzt pro Ansicht nur noch die Möglichkeit zwischen verschiedenen Standard-Templates zu wechseln.

C-Klasse Hybrid MBUX Bildschirm

Technik Mercedes C-Klasse Hybrid

Alle Modelle der C-Klasse sind Standard mäßig als Mild Hybrid Fahrzeuge mit 48V Boardnetz und Integriertem Starter Generator (ISG), für eine höhere Effizienz. Aber besonders gespannt war ich auf das Hybrid Modell der C-Klasse.

Mit einer rein elektrischen Reichweite von über 100 km nach WLTP und DC-Schnelllademöglichkeit kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die C-Klasse zu einer Art Elektromobilitäts-Einstiegsdroge für Mercedes Kunden werden konnte.

Dank einer Leistung von 129 PS die rein elektrisch bis zu einer Geschwindigkeit von 140 km/h fährt, sollten die meisten Kunden im Alltag die Möglichkeit haben komplett rein elektrisch unterwegs zu sein.

Bei meinem Gespräch mit den Entwicklern in Immendigen war man bei Mercedes besonders stolz darauf, dass man die Leistungselektronik nun direkt mit unter dem Getriebe platzieren konnte. Neben einer höheren Effizienz dank kürzer Leitungen ist damit aber auch der Weg geebnet die Hybrid Technologie leicht in andere Baureihen zu bekommen.

Auch an dieser Stelle ist die Technik in der C-Klasse ein fast direkter Transfer aus der S-Klasse. Lediglich die Batterie ist Aufgrund der kleineren Baugröße auf 25,4 kWh geschrumpt, verwendet aber sonst die gleichen Pouch Zellen wie der große Bruder.

Intressant fand ich, dass bei dem Hybridfahrzeug der DC-Anschluss mit einer Ladeleistung von 55 kW eine Sonderausstattung ist. Ich hätte diese gerne als Standardausführung gesehen. In dem Zusammenhand ist es auch bemerkenswert, dass wenn man wirklich mit 55 kW laden möchte dies explizit eingestellt werden muss. Meiner Meinung nach wird dies in der Praxis aber keine Probleme geben, da der Prozess sehr einfach und transparent im MBUX dargestellt ist.

Erster Fahreindruck Mercedes C-Klasse

In meinem Video oben zu der C-Klasse bekommt ihr ja einen guten Eindruck von meinen Fahrerfahrungen mit der C-Klasse.

Um ehrlich zu sein, hat mich das Fahrerlebnis in der C-Klasse sehr positiv überrascht. Für mich persönlich war es das erste mal in einer C-Klasse. Das aktuelle Modell ist technisch auf einem so hohen Level, dass das Gesamterlebnis sehr gut für mich war. Die Fahrt im Kombi (T-Modell) erschien mir persönlich etwas komfortabler als die Limousine. Dank der verschiedenen Modi im Drive Select Schalter sollte jeder Fahrer einen für sich passenden Modus finden (oder nach persönlicher Präferenz als Individual Modus erstellen).

Die C-Klasse profitiert voll von dem Technologietransfer aus der S-Klasse und mein persönlicher Favorit ist der Hybrid den ich versuchen werde möglichst bald als Testwagen zu bekommen.

Mark Kreuzer fährt C-Klasse