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Nuraphone – Kopfhörer mit personalisiertem Sound im Test

Bei wenigen Dingen scheiden sich die Meinungen so sehr wie im Bereich Audio. Die Diskussionen beginnen schon früh - nämlich bei der Wahl der richtigen Stecker und aus was für einem Material sie sein müssen -, gehen über die Wahl der richtigen Komprimierung für Musik und enden dann beim Klangbild. Die Nuraphone Kopfhörer möchten hier einen neuen Weg gehen.

von Jan Gruber am 20. Februar 2019
Nuraphone
Pro
  • einfache, schnelle Personalisierung
  • gutes Noise Cancelling
  • fast perfekter Sound
Kontra
  • sehr von der Außenwelt abgeschottet
  • Gummi-Ohrpolster neigen zu Verunreinigung

Nuraphone – Kopfhörer mit personalisiertem Sound

Bevor ich auf die Kopfhörer selbst eingehen möchte, möchte ich bei dem „neuen“ Ansatz der Nuraphone beginnen. Die Kopfhörer bieten die Möglichkeit, das Klangbild an euch anzupassen. Dabei müsst ihr die Einstellungen jedoch nicht selbst vornehmen, viel mehr nimmt euch eine Art Hörtest dieses Setup ab.

Ganz neu ist die Idee freilich nicht, so bieten bereits einige Firmen derartige Klangverbesserungen. Viele ANC-Kopfhörer haben diese Funktionsweise schon automatisch integriert, verbessern damit in der Regel aber nur den Schallschutz. Beyerdynamic geht mit den Avento Wireless hier einen Schritt weiter und bietet einen Hörtest in einer eigenen App an. Insofern war bei den Nuraphone für mich nur eines neu: die Art des Tests. Dieser läuft völlig selbstständig ab und benötigt kein Eingreifen meinerseits.

Für die kleine australische Firma begann die Reise 2016 auf Kickstarter, mittlerweile werden die Kopfhörer ausgeliefert.

Nuraphone – das eigenwillige Design

Mit den Nuraphone bekommen wir auf den ersten Blick klassische Over-Ear-Kopfhörer geboten. Der Bügel ist gepolstert und aus schönem schwarzen Aluminium gefertigt, das gilt auch für die Außenseite der Hörmuschel. Auf den zweiten Blick fallen dann aber schnell die Ohrpolster auf. Sie bestehen aus Gummi – und im Inneren finden wir eine Art In-Ear-Konstruktion. So werden die Kopfhörer nicht nur klassisch aufgesetzt, sondern mit dem In-Ear-Teil tatsächlich auch ins Ohr gesteckt. Die Aufsätze können getauscht werden, drei unterschiedliche Größen befinden sich im Lieferumfang.

Durch die ungewöhnliche Baumform und den Materialmix fühlen sich die Kopfhörer bei der ersten Anprobe etwas gewöhnungsbedürftig an, das Gummi ist allerdings weich und angenehm. Generell ist der Halt auf dem Kopf überraschend gut, bereits im ausgeschalteten Zustand wird klar, dass diese Kopfhörer alleine schon durch die Bauform stark von der Außenwelt abschirmen.

Nuraphone – die Personalisierung

Der Klang des Kopfhörers kann nur nach der Personalisierung wirklich bewertet werden, dementsprechend starten wir mit dem Test. Dieser wird über die Android- oder iOS-App aufgerufen, der Nutzer muss sich dazu in einem ruhigen Raum befinden. Die Anwendung führt den Nutzer durch den Test und überprüft, ob der Kopfhörer auch richtig sitzt.

Der Kopfhörer spielt eine Reihe von Tönen ab und misst diese offenbar an der Innenseite des Ohres wieder. Der Test inklusive Messvorgang dauert etwas über eine Minute, danach wird das persönliche Klangprofil in Form einer bunten Grafik angezeigt und kann so abgespeichert werden. Es können unterschiedliche Klangprofile für den Kopfhörer angelegt werden – aufgrund der Bauform bezweifle ich aber, dass der Kopfhörer in der Praxis von mehreren Personen genutzt wird, selbst wenn die Gummistöpsel getauscht werden können.

Nach der Personalisierung, bei der die Kopfhörer den richtigen Frequenzgang bestimmen, kann nur noch die Immersion angepasst werden. Eine Art Equalizer gibt es nicht.

Immersion und Noise Cancelling

Bei der Immersion handelt es sich um eine, mir so bisher, nicht bekannte Funktion. Neben den In-Ear-Treibern befindet sich in jedem Ohrstück auch noch ein 40-mm-Treiber in der Ohrmuschel, diese dienen zur Anregung des Außenohrs. Damit wird für einen zusätzlichen Reiz für tiefe Frequenzen direkt auf der Haut gesorgt. Der tatsächlich gespürte Bassanteil kann hier je nach Geschmack geregelt werden, der Hersteller vergleicht dies wie mit dem Abstand zu einer Bühne. Je höher die Immersion eingestellt ist, umso näher wäre der Träger, umgelegt auf das Beispiel, an der Bühne.

In Sachen Noise Cancelling müssen sich die Kopfhörer nicht verstecken. Bereits ohne ANC liefern sie aufgrund der Bauweise gute Ergebnisse, sobald die aktive Rauschunterdrückung aktiviert wird, werden auch tiefe Töne gut „in den Hintergrund gedrängt“. Die teure Konkurrenz ist hier allerdings in manchen Situationen etwas besser. Sony, Bose und wie sie alle heißen besitzen mittlerweile anpassbare Profile, die teilweise sogar automatisch aktiviert werden. Die Nuraphone können das nicht bieten, im Zweifel kann ich darauf aber gut verzichten.

Nuraphone – der Klang im Detail

Die Kopfhörer überzeugen hauptsächlich durch ihre enorme Transparenz und Detailausbildung. So werden sowohl die unterschiedlichen Stimmen und Instrumente, aber auch das entsprechende Raumgefühl ideal vermittelt. Auch in Sachen Bass hat der Kopfhörer einiges zu bieten, vor allem die einstellbare Immersion trägt hier ein großes Stück bei.

In meinem Test konnte ich die Immersion maximal auf 50 % einschalten, darüber hinaus war der Bass deutlich zu stark und für mich einfach unangenehm. Dennoch beginnen die Kopfhörer erst am ganz äußeren Ende des Bass- und Lautstärke-Bandes etwas zu krachen – ein Bereich, in dem „der Lärm“ ohnedies schon körperliche Schmerzen bei mir auslöste.

Bedienung und Funktionen

Bei der Bedienung gibt es einige interessante Kniffe, das beginnt schon beim Ein- und Ausschalten. Unüblich für Kopfhörer dieser Klasse: Die Nuraphone aktivieren sich beim Aufsetzen und schalten sich beim Absetzen auch wieder aus. Eine Power-Taste ist nicht notwendig.

Die Steuerung der Funktionen erfolgt über je eine Touchzone auf den Ohrmuscheln. Welche Funktion bei einem Tap oder Doppel-Tap ausgelöst wird, kann der Nutzer selbst in der App festlegen. Die Steuerung funktioniert im Test meistens, bei feuchten Händen steigt sie aber – ähnlich wie bei der Konkurrenz – aus.

So können wir per Tastendruck auch den wichtigen Social-Mode aktivieren, dabei werden Geräuschquellen außerhalb der Kopfhörer via Mikrofon an das Ohr des Trägers durchgestellt. In Realität eine sehr notwendige Funktion – wenn ich angesprochen werde (und es überhaupt bemerke,…), muss ich die Kopfhörer nicht extra abnehmen.

Technische Daten und Lieferumfang

Im Lieferumfang finden wir neben den Kopfhörern ein Ladekabel und eine magnetische, stabile Reisebox. Dazu kommen noch die In-Ear-Gelaufsätze.

Geladen wird mit einem eigenen proprietären Kabel. Die Akkulaufzeit liegt bei knapp 20 Stunden, wahlweise kann auch via 3,5-mm-Klinke-Kabel gehört werden.

Preise und Verfügbarkeit

All die Technik hat natürlich ihren Preis, wobei der Preispunkt der Nuraphone gerade im Premium-Kopfhörer-Segment mehr als konkurrenzfähig ist. So werden die Kopfhörer für 399 Euro angeboten – ein Preis, der selbst ohne die „technischen Feinheiten“ absolut gerechtfertigt und fast schon günstig ist.

Bewertung
Design / 8.5
Sound / 9
Akkulaufzeit / 8
Preis / 8
Hardware / 8
Bequemlichkeit / 8
Ausstattung / 8
Komfort / 8
Funktionsumfang / 8.5
Lieferumfang / 8
Abschirmung / 9
Tragekomfort / 8
Portabilität / 8
Nuraphone

Am Ende sind die Nuraphone für mich die besten Kopfhörer, die ich bisher testen durfte – zumindest was den Klang betrifft. Der Genuss von Musik ist eine wahre Freude, zudem setze ich die Kopfhörer gerne für eigene Audio-Produktionen ein. Die klare und transparente Darstellung des Tons eignet sich auch perfekt für diesen Bereich, dabei suche ich schon lange nach derartig neutralen Kopfhörern.

Im täglichen Einsatz greife ich dennoch ab und an zu anderen Kopfhörern. Die Nuraphone schotten mich als Hörer sehr von meiner Umwelt ab, mehr noch als andere Kopfhörer. Vor allem aufgrund der Bauweise fühle ich mich komplett isoliert – das mag beim Genuss meiner Lieblingsmusik ideal sein, gerade auf dem täglichen Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefällt mir diese Isolierung aber nicht.

8.2
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