Kommentare
Rødecaster Pro

Rødecaster Pro – das All-in-One Podcaststudio im Test

Podcasts erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, neben Firmen träumen auch immer mehr Privatpersonen von ihrem eigenen Podcast. Dabei erscheint aller Anfang oft schwer - die ersten Probleme tauchen schon beim Hardwarekauf auf. Hier möchte Røde mit dem Rødecaster Pro eine neue All-in-One Lösung bieten.

von Jan Gruber am 13. Februar 2019
Rodecaster Pro
Pro
  • All-in-One Ansatz
  • Integriertes Soundboard
  • Bluetooth Zuspieler
  • Vier Kopfhörerausgänge, alle individuell schaltbar
Kontra
  • Soundboardtasten nicht als OSC-Controller nutzbar
  • Multitrack-Aufnahmen erst nach Update im Februar

Mut zur Nische – nach vielen Jahren in der Szene bin ich der Meinung, dass es kaum ein derartig diverses Medium gibt wie Podcasts. Von Nachrichten über Sport, von Politik bis Religion, von Sex bis zu Ernährung, von Gesellschaft bis hin zu Innovation – der Bereich, in dem wir unseren Podcast Fernweh positionieren wollen. Für alle gibt es einen Platz.

Nach einigen Jahren kann ich sagen: Der Weg zum eigenen Podcast ist eigentlich einfach, doch das sagt sich nach vielen Jahren des Probierens durch unterschiedliche Hardware leicht. Die Idee hinter dem Rødecaster Pro sprach mich von Anfang an sehr an – ein Gerät für alles. Und mit diesem Test möchte ich euch auch auf eine kleine Reise durch die „Anforderungen an und von Podcastern“ mitnehmen.

Verarbeitung und Lieferumfang

Mit einem Gewicht von fast zwei Kilogramm und Abmessungen von 350 x 275 x 82 mm kommt das Rødecaster Pro überraschend kompakt daher, zumindest im Hinblick auf die gebotenen Funktionen. Dabei kann sich die Verarbeitungsqualität, wie von Røde gewohnt, durchaus sehen lassen. Alle Teile sind stabil und hochwertig, das gilt auch für die Regler. Diese haben ein klares Einrastverhalten und geben keine störenden (und für Audio-Anwendungen inakzeptablen) Töne von sich. Alle Tasten haben einen klaren Druckpunkt und sind, sofern sie beleuchtet sind, klar und vollständig ausgeleuchtet.

Zugegeben – für Einsteiger mögen die vielen Regler etwas abschreckend wirken, am Ende wird jedoch viel Bedienung und vor allem das Setup über den integrierten Touchscreen vorgenommen. Dieser leistete sich im Test keine Patzer, er reagiert flink auf Eingaben und erkennt alle Befehle ohne Probleme. Dabei sind die Tasten auf dem Bildschirm selbst ausreichend groß, sodass wir uns auf keine nervigen Fingerübungen einlassen müssen.

 

 

 

Rødecaster Pro – die Grundfunktionen

Das Rødecaster Pro versteht sich als eigenständiges und komplettes Podcastingstudio, das auch gehobenen Ansprüchen dienen soll. Beginnen wir bei den klassischen Disziplinen – den Eingangskanälen.

Via XLR könnt ihr vier Mikrofone anschließen, sie werden mit 48 V Phantomspeisung versorgt. Dazu kommen ein 3,5-mm-Klinke-Anschluss für diverse andere Zuspieler und weitere Besonderheiten, auf die ich allerdings später eingehen möchte.

 

 

Alle Kanäle können separat über die Regler eingestellt und gepegelt werden, ebenso können jedem Kanal mit dem Touchscreen eigene Effekte direkt über das Interface zugewiesen werden. So können wir Equalizer direkt auf dem Mischpult auswählen und die Spuren auch schon mit Effekten und Optimierungen versehen. Als Preset stehen diverse Settings für bekannte (und noch kommende) Røde-Mikrofone zur Verfügung, diese passen aber auch gut auf die Mikrofone anderer Hersteller. Für guten Klang sorgt, neben dem Mikrofon selbst, der Class-A-Vorverstärker.

Neben den integrierten Aphex-Effekten „Aural Exciter“ und „Big Bottom“ sind auch wesentlich grundlegendere Funktionen wie ein Kompressor, ein De-Esser, ein Noise Gate und Ducking direkt enthalten und über den Touchscreen konfigurierbar.

 

 

Um das Ergebnis auch live abhören zu können, gibt es gleich vier separate Kopfhörerausgänge, die ebenfalls separat geschaltet werden können. Für jede Audiospur gibt es außerdem eine „Räusper-Taste“, das bedeutet, die Spur kann per Knopfdruck komplett von der Aufnahme ausgeschlossen werden.

Stichwort Aufnahme – diese erfolgt auf eine eingelegte, nicht im Lieferumfang befindliche, SD-Karte. Natürlich kann das Interface auch via USB mit einem Computer verbunden werden, dann kann die Aufnahme auch dort erfolgen – mit einigen Einschränkungen, auf die wir noch zu sprechen kommen.

Rødecaster Pro – die innovativen Funktionen

Die Produktdesigner von Røde haben sich offensichtlich einige Gedanken gemacht – und so einige Usecases von modernem Podcasting direkt integriert. Häufig müssen für Podcasts Interviewpartner zugeschaltet werden, da beginnen schnell die ersten Probleme – welches Equipment steht vor Ort zur Verfügung und wie können die Partner zugeschaltet werden? Røde geht hier einen interessanten Weg und integriert Bluetooth in das Mischpult. So können Interviewpartner direkt als Anrufer, egal ob über die Telefonleitung, Skype oder eine andere VoIP-Lösung, in die Aufnahme (für alle Teilnehmer!) integriert werden. Während es für mich als Podcaster wenig Aufwand macht, Anrufer in den Podcast einzubinden, ist es vor allem für die Gegenseite häufig ein Problem, sich passend einzubinden. Da ist es deutlich einfacher, den Partner „einfach anrufen“ zu lassen.

Auf der rechten Seite des Mischpults fallen uns schnell acht große, bunte Knöpfe auf – diese können nach Wunsch mit kleinen Audioschnipseln belegt werden. Sei es ein Intro, Outro, oder das Einspielen von Effekten – per Knopfdruck werden die so definierten Audiodateien direkt in den Podcast und in die Audioaufnahme eingespielt. Die Belegung kann per Anwendung für macOS oder Windows einfach geändert werden.

 

 

Zu dem Test eines Audio-Interfaces gehören natürlich Audioaufnahmen – und was würde sich eher anbieten, als mit dem Rødecaster auch einen Podcast aufzunehmen? Dementsprechend haben wir eine große Auswahl an Aufnahmen für euch – die Podcasts von Mobilegeeks Fernweh der ersten beiden Januar-Wochen wurden mit diesem Interface aufgenommen.

Testaufnahmen mit dem Rødecaster Pro

Abgesehen von dem echten Anwendungstest möchte ich auch hier noch einige Testaufnahmen beisteuern.

Die erste Aufnahme wurde direkt auf die Speicherkarte angefertigt – mit aktivierten Effekten auf dem Interface.

Die zweite Aufnahme wurde direkt auf die Speicherkarte angefertigt – diesmal aber ohne Effekte.

Bei der dritten Aufnahme erfolgte die Aufzeichnung direkt auf einem Rechner in die passende Software – ohne weitere Bearbeitung.

Bei der vierten Aufnahme erfolgte die Aufzeichnung direkt auf einem Rechner in die passende Software – mit meiner üblichen Nachbearbeitung und Verbesserung.

Hier noch eine Aufnahme von einem Telefonanruf, er wurde via iPhone und Bluetooth eingespeist.

Im Zentrum steht das Rødecaster Pro

Wie bereits dargestellt, will das Rødecaster Pro ein integriertes Podcaststudio in nur einem Gerät sein. In meinem Test funktionierte dieser Einsatz überraschend gut. Das Rødecaster Pro bündelt mein Interface, mein Soundpad, meinen Kopfhörersplitter und diverse andere Hilfsgeräte in nur einer, vergleichsweise kleinen, Box. Der Funktionsumfang ist zwar sehr umfangreich, Einsteiger können aber bereits durch das Kratzen an der Oberfläche gute Ergebnisse erzielen und sich so weiter vorarbeiten.

Am Ende hat das Konzept auch einen Nachteil für all jene, die die Verarbeitung ihrer Medien eher auf einem Rechner vornehmen und das Rødecaster Pro „nur“ als Interface verwenden wollen. Der größte Nachteil – der mich im Test leider davon überzeugte, dass das Rødecaster und ich keine Freunde werden – wurde mittlerweile behoben. Bis Februar zeichnete das Gerät nur eine kombinierte Tonspur auf, die einzelnen Aufnahmen je Kanal wurden weder auf der SD-Karte noch über die USB-Schnittstelle ausgegeben. Im Zweifel mag es Anwendungen geben, bei denen die einzelnen Tonspuren nicht benötigt werden, das Konzept bricht jedoch, wenn mehrere Sprecher im Studio sind und andere – über den Computer – dazu gespielt werden sollen. Hier hört sich der Sprecher über den Computer auch immer selbst noch einmal im Echo, da das Rødecaster nur alle Tonspuren – also auch die eingespielte über USB – zurückgeben konnte. Damit wurde mir schnell eines klar: Das Zentrum dieses Podcast-Universums muss das Rødecaster selbst sein.

All diese Kritik hat sich mittlerweile jedoch erledigt. Røde sah sich sehr häufig mit dieser Kritik konfrontiert und bietet seit Februar ein Update für Multitrack-Aufnahmen (also die Einzelaufnahme je Spur) an. Wie sich das Rødecaster jetzt verhält, kann ich leider nicht sagen – mein Exemplar ging bereits im Januar an den Hersteller zurück, noch bevor das Update angekündigt wurde.

Preise und Verfügbarkeit

Das Rødecaster Pro wird für 649 Euro angeboten, angesichts des Funktionsumfangs ein gutes Angebot. Zugegeben ist der Preis etwas schwer für absolute Einsteiger zu ertragen, nach dem „ersten Interface unter 100 Euro“ und den ersten zehn Folgen (hier werden viele Podcasts schon wieder beendet) sollte das Rødecaster Pro als ernsthafte Alternative bei jedem Neukauf herangezogen werden. Ich habe leider häufig den Fehler gemacht, „zu billig und zu eingeschränkt“ zu kaufen, sodass meine Fähigkeiten und ich der neuen Hardware oft nach wenigen Wochen wieder entwachsen waren.

Bewertung
Design / 9
Sound / 9
Performance / 8.5
Software / 9
Preis / 8
Display / 8.5
Bequemlichkeit / 8.5
Ausstattung / 9
Komfort / 9
Smart Functions / 9
Bedienung / 8.5
Preis-Leistung / 8.5
Portabilität / 8.5
Rodecaster Pro

Vor fünf Jahren, als ich mit dem Podcasten begann, hätte ich mehr als nur einen Arm für dieses Gerät gegeben. Wer meint, ein Podcast „benötigt ja nur ein Mikrofon“, liegt völlig falsch - ich habe mehr Interfaces, Effekt-Pulte und zusätzliches Zubehör hinter mir, als ich je Mikrofone testen könnte. Das Rødecaster Pro wäre hier ein Gerät gewesen, wie ich es mir immer gewünscht hätte - es ist einsteigerfreundlich, bietet aber Qualität und Funktionen, die selbst Profis absolut genügen sollten.

8.7
Du hast dies bewertet