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Rolls-Royce Dawn Black Badge – der perfekte Daycruiser

geschrieben von Mark Kreuzer

Wir haben die Gelegenheit bekommen, das Cabrio Rolls-Royce Dawn Black Badge Ende des Sommers fünf Tage lange Probe zu fahren. Nachdem wir Anfang des Jahres mit dem Rolls-Royce Ghost die Limousine des englischen Autoherstellers testeten und das Resumé zogen, dass der Ghost kein Auto, sondern vielmehr eine Zeitmaschine ist, waren wir natürlich sehr gespannt, wie sich das Fahren in einem Rolls-Royce Dawn anfühlt.

Die Überschrift zu dem Artikel verrät ja bereits, dass wir auch bei dem Dawn der Meinung sind, dass es sich primär um etwas anderes als ein Auto handelt.

Technische Daten – Rolls-Royce Dawn Black Badge

Allein die Proportionen des Dawns sind schon ehrfurchteinflößend. Mit seinen Abmessungen von 5,3 x 1,95 x 1,5 m (L/B/H) ist er nur 10 cm kürzer als sein Limousinen Bruder Ghost. Tatsächlich bringt er mit einem Leergewicht von 2.560 kg ein wenig mehr auf die Wage als die Limousine. Dies ist aber für Cabrios durchaus typisch, da die Stabilität des fehlenden festen Daches ausgeglichen werden muss.

Der von uns getestete Rolls-Royce Dawn war ein Black Badge, was unter anderem bedeutet, dass er ein klein wenig mehr auf „Sportlichkeit“ getrimmt wurde als ein normaler Dawn. Der Rolls-Royce Dawn Black Badge gehört mit seinem 6,6 Liter großen V12 jetzt im Club der über 600 PS Autos. Das Drehmoment wurde von 820 Nm auf 900 Nm gesteigert.

Solche Leistungswerte wären bei anderen Autos wahrscheinlich das Hauptthema eines Testartikels, bei dem Rolls-Royce Dawn sind sie eigentlich mehr eine Fußnote, wie ich später noch im Fahrbericht erklären werde.

Design Rolls-Royce Dawn Black Badge

Normalerweise sind viersitzige Cabrios immer eher ein Kompromiss. Für den Wegfall des Daches wird in der Regel auf Platz im Bereich der Rücksitze verzichtet. Dies ist beim Rolls-Royce Dawn definitiv nicht passiert und wird auch sicherlich auf den Gründer von Rolls-Royce Sir Heny Royce zurückzu-führen sein, der einst sagte:

[mg_blockquote cite=“Sir Henry Royce“]Strebe in allem nach Perfektion. Nimm das Beste, was es gibt, und mache es besser. Wenn es nicht existiert, erfinde es. Akzeptiere nichts, was „fast richtig“ oder „gut genug“ ist.[/mg_blockquote]

Auswirkungen dieses Slogans findet man meiner Meinung nach an vielen Stellen im Dawn. Die Black Badge Wagen von Rolls-Royce sind meines Erachtens nicht auf Sportlichkeit getrimmt, sondern eher als Alternative zu dem Bespoke Service von Rolls-Royce zu sehen, denn die mögliche Einflussnahme des Kunden auf die Außen- sowie Innenfarbe, die verwendeten Materialien und nahezu alle anderen Details im Auto ist nahezu unbegrenzt. Die Black Badge Modelle sind also bereits vorkonfigurierte Modelle, bei denen sich der Rolls-Royce Kunde nicht mehr lange mit diesen Fragen beschäftigen muss, aber natürlich kann, wenn er es denn möchte.

Der von uns getestete Rolls-Royce Dawn Black Badge hatte die Außenfarbe „Dark Emerald“ – dunkler Smaragd – und im Innenraum die Primärfarbe „Mandarin“ – was einem Orange entspricht bei dem einen unweigerlich die französische Luxusmarke Hermès in den Sinn kommt, die eine sehr ähnliche Farbe verwendet.

Rolls-Royce Dawn Black Badge – Karbon aus einer anderen Welt

Um das sportlichere Wesen des Black Badges zu unterstreichen, wird im Innenraum des von uns getesteten Wagens kein Holz verwendet, sondern Karbon.

Normalerweise bin ich kein großer Fan dieses Materials, selbst in teureren Autos wirkt es häufig eher billig. Dies gilt jedoch nicht für das Karbon, welches im Black Badge verwendet wird. Die 0,014 mm dünnen Karbonfaser werden im Webmuster zusammen mit Alufasern verwoben. Im Anschluss wird dieses Gewebe mit sechs Schichten Klarlack versiegelt, welcher drei Tage lang trocknen muss, bevor er dann von Hand auf Hochglanz poliert wird.

Ich habe noch kein Auto mit besser aussehenden Carbon-Elementen gesehen und mir ist klar, dass bei der Verwendung dieses Materials nicht die Gewichtsersparnis im Fokus stand, sondern das Aussehen.

Rolls-Royce Dawn Black Badge – Carbon Hybrid Felgen

Vier Jahre lang haben eine Handvoll Ingenieure bei Rolls-Royce an der Entwicklung der Felgen gearbeitet, bis man es geschafft hat, die 21-Zoll Räder der Rolls Royce Black Badge Modelle in der gewünschten Form zu fertigen.

In diesem Zusammenhang schockt mich nicht die lange Entwicklungszeit der Räder/Felgen, sondern die Tatsache, dass man die technische Besonderheit fast gar nicht sehen kann. Die Räder sind ein Hybrid aus geschmiedetem Aluminium und 22 gefalteten Carbonschichten, die mit Titanverschlüssen verbunden sind.

Durch die schwarze Farbgebung der Felge sieht man den Aufwand nur, wenn man wirklich direkt davorsteht und ganz genau hinschaut.

Rolls-Royce Dawn Black Badge – Black Emily

Die Kühlerfigur eines Rolls-Royce ist wohl das markanteste und bekannteste Merkmal dieser Autos und gehört zu den Ikonen der Automobilindustrie. Im Volksmund wird sie „Emily“ genannt; die offizielle Bezeichnung lautet „Spirit of Ecstasy“, was sich mit „Geist der Verzückung“ übersetzen lässt.

Wie scheinbar fast alles bei Rolls-Royce ist auch die Herstellung der Emily ein aufwändiges Verfahren; acht Handwerker sind mit einer einzelnen Figur etwa 14 Tage lang beschäftigt.

Für die Black Badge Modelle wird die Kühlerfigur noch zusätzlich schwarz eloxiert und ist damit auch wieder ein klein wenig aufwändiger als die anderen Modelle.

 

Rolls-Royce Dawn Aero Cowling – don’t call it Windschott

Als ich den Testwagen in Köln abholte, war ich zuerst erschrocken: Der Rolls-Royce Dawn, welcher eigentlich ein Viersitzer ist, hatte eine Art Verdeck über der Rücksitzbank, wie ich es bisher noch nie in einem Cabrio gesehen habe. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich es als Windschott bezeichnet, weil dies in meinen Augen offensichtlich die Funktion dieser Abdeckung zu sein schien.

Ein Hinweis von Rolls-Royce ergab allerdings, dass die richtige Bezeichnung „Aero Cowling – The Tonneau Cover“ lautet.

 

Tja, das ist mal eine Bezeichnung. Da ich vermute, dass ihr an dieser Stelle ähnlich ratlos wie ich seid, lasst uns doch gemeinsam diese Wissenslücke schließen.

Aero ist in diesem Fall ein Präfix, das im Zusammenhang zu dem Wort Cowling für Luft steht. So weit, so offensichtlich. Cowling ist ein englisches Wort und wird normalerweise für die Verkleidung des Flugmotors verwendet. Es stammt vom lateinischen cuculla ab, was Haube bedeutet. Interessanterweise hat die Cowling bei Flugzeugen unter anderem auch die Funktion, den Luftwiderstand zu verringern und gleichzeitig auch als Zierelement zu fungieren.

Ein Tonneau ist ein offener Passagieraufbau auf einem Automobil aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und im weiteren Sinne auch eine Automobilbauart, die solch einen Aufbau trägt. Typisch sind die tonnenförmigen Abrundungen der hinteren Sitzlehnen, deren Form das französische Wort für Fass oder Behälter beschreibt.

Sehr frei übersetzt bedeutet „Aero Cowling – The Tonneau Cover“ also so viel wie „Luft Haube – Die Fass Abdeckung“.

Tatsächlich kann ich nach meiner Testfahrt mit dem Rolls-Royce Dawn auch sagen, dass das Aero Cowling deutlich mehr als ein Windschott ist. Es verändert auf einen Schlag das komplette Wesen des Dawns. Von einem viersitzigen Reisecabrio zu einem zweisitzigen GT-Cabrio.

Das liegt vor allem daran, dass diese Abdeckung ein so massives Einzelteil ist, dass es aufgrund der sperrigen Abmessung nur von zwei Leuten an- und abmontiert werden kann. Dank dem großzügigen Einsatz von Carbon ist es zum Glück in Relation zur Größe relativ leicht.

Der wesensverändernde Charakter ist meinen Augen vor allem der Bauform geschuldet. Wenn man mit dem Rolls-Royce Dawn unterwegs ist, kann man nicht mal eben das Cover abnehmen und im Kofferraum verstauen. Mann muss sich also schon im Vorhinein darüber im Klaren sein, ob man den Wagen als Zwei- oder Viersitzer bewegen und nutzen möchte.

Rolls Royce hat dem Aero Cowling eine eigene Webseite gewidmet, auf welcher ihr noch mehr Impressionen zu der Abdeckung sammeln könnt, falls ihr wollt.

Bedienelemente und Konnektivität Rolls Royce Dawn

In unserem Test zu dem Rolls-Royce Ghost habe ich bereits ausführlich zu diesem Thema geschrieben. Der Dawn ist in diesen Belangen baugleich zu dem Ghost. Auch hier wird versucht, unwesentliche Informationen von Fahrer und Passagieren fernzuhalten, weswegen ich mir erlaube, im Folgenden einige Passagen aus dem Testartikel von dem Ghost zu übernehmen.

Es gibt keinen Drehzahlmesser im Rolls-Royce. Stattdessen bekommt man an dieser Stelle angezeigt, über wie viel Leistungsreserve der Motor noch verfügt; aber auch diese Information ist für den Fahrer nicht wirklich relevant. Es ist vielmehr die Kenntnisnahme, dass fast immer mehr als genug Leistung verfügbar ist. So sind auf der Autobahn immer noch 80-90 % der Leistung verfügbar.

Genau so wenig, wie man also die aktuell anliegende Drehzahl kennt, weiß man, in welchem Gang sich die ZF-Acht-Gang-Automatik gerade befindet. Wenn man ehrlich ist, interessiert es einen als Fahrer eigentlich auch gar nicht, denn das Automatikgetriebe kümmert sich in allen Lagen um das richtige Sortieren der Gänge. Dies tut es dank GPS-Unterstützung auch so gut, dass es fast schon an Magie grenzt. Es kennt immer die Position des Fahrzeuges und damit auch verbunden den Streckenverlauf und sorgt so es vorausschauend dafür, dass der passende Gang eingelegt oder noch etwas länger gehalten wird.

Bei dem Infotainment-System merkt man die Zugehörigkeit zum BMW-Konzern. Das Infotainment-System ist ein rebrandetes System der BMW-Navigation. Das Design mit der neuen Farb- und Tongebung passt dabei sehr gut zu dem Rolls-Royce. Aber hier wird es höchste Zeit für ein Update, denn bei BMW gibt es mittlerweile zwei neuere Generationen.

Auf längeren Fahrten oder bei bekannten Strecken habe ich zum Beispiel auch immer wieder das Hauptdisplay in der Mitte per Knopfdruck hinter einer Abdeckung verschwinden lassen. Der gelungene Mix von 50-50 Analog-Digital hat mir in der Praxis so gut gefallen, dass ich einfach nicht noch mehr Displays sehen wollte. Ein für mich einmaliger Fall, denn normalerweise kann ich gar nicht genug Displays in einem Auto haben.
Ähnlich wie im Ghost habe ich auch bei dem Dawn das Head-Up-Display konsequent ausgeschaltet, um beim Fahren einen ungestörten Blick auf die „Spirit of Ectasy“ zu haben.

 

Fahrbericht Rolls Royce Dawn Black Badge

Die Black Badge Modelle werden oft als getunte Rolls-Royce bezeichnet; ich finde diese Bezeichnung jedoch wenig passend.

Bei meinem Testbericht zum Rolls-Royce Ghost habe ich die Fahreigenschaften der Limousine wie folgt beschrieben:

Die Leichtigkeit, mit welcher der Rolls-Royce sich in allen Situationen bewegt, bleibt einem nachhaltig in Erinnerung. Die Beschleunigung lässt einen manchmal daran zweifeln, ob für diesen Wagen die Gesetze der Physik gelten. Nie vermutet man, dass etwas so Großes so schnell sein könnte. Aber die meiste Zeit genießt man das entspannte Dahinfahren und das Wissen, dass man könnte — wenn man wollte.

Das gleiche gilt auch für den Dawn Black Badge. Mit den Black Badge Modellen will man bei Rolls-Royce eine jüngere Klientel erreichen. Neben dem bereits im Artikel beschriebenen stimmigen Designkonzept gehört zu den Black Badge Modellen die direktere und kraftvollere Leistungs-entfaltung.

Anders als bei einem normalen Rolls-Royce hört man unter Volllast den Black Badge deutlich. Interessanterweise ist der Klang des V12 anders als alles, was ich bis jetzt in einem Auto erlebt habe: Er klingt mehr, als würde ein Quartett von Trompeten aus voller Lunge daher tröten. Ich finde leider keine bessere Beschreibung, und wenn ich den Klang auch anfangs ein wenig befremdlich fand, so ist er mir nach kurzer Zeit doch sehr lieb geworden.

Mit jedem kräftigen Tritt auf das Gaspedal sprintet der Dawn los und wird von einer Soundkulisse begleitet, welche das Fahren gebührend unterstreicht. In Anbetracht seiner Masse, die man trotzdem weiterhin spürt, haben diese Momente fast schon etwas Epochales.

Epochale Momente hat man in einem Rolls Royce nahezu immer. Als kleines Beispiel soll der kurze YouTube Clip dienen, welcher auf der dem Weg zu einer Cabrio Tour durch die Eifel entstanden ist.

Der Dawn Black Badge will kein Rennwagen sein, trotz seiner 600 PS. Seine Stärken sind das komfortable Reisen und das Dahingleiten. Dank des guten Wetters in diesem Spätsommer bin ich den Wagen fast ausschließlich offen gefahren.

Das Dahingleiten mit offenem Dach durch die Landschaft ruft bei mir Erinnerungen an meine Kindheit wach, in welcher ich mit einer Boesch oft auf dem Lago Maggiore gefahren bin. Aber anders als bei einem Motorboot ist man mit einem Rolls-Royce nicht an einen See oder Fluss gefesselt, sondern hat mit dem Straßennetz nahezu unendlich viele Möglichkeiten, einen Ausflug zu unternehmen, bei dem der Weg das Ziel ist.

Beim Schreiben der letzten Zeilen fällt mir auf, dass ich in diesem Artikel noch nichts zu dem Preis geschrieben habe. In mir tobt auch ein kleiner Sturm gerade, weil ich denke, dass für die meisten Käufer eines Rolls-Royce der tatsächliche Preis eher eine untergeordnete Rolle spielt. Zum anderen wäre der Artikel nicht vollständig, wenn der Preis nicht zumindest erwähnt wird. Der Basispreis des Rolls-Royce Dawn Black Badge liegt bei 327.200 € (netto) und mit seinen Extras kam der von uns getestete auf einen UVP von 375.350 € (netto).

Mir wird der Rolls-Royce Dawn Black Badge lange in Erinnerung bleiben. Zur Zeit denke ich, gibt es kein anderes vergleichbares viersitziges Cabrio auf dem Markt.

Über den Autor

Mark Kreuzer