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Vergleich Jaguar I-Pace VS F-Type SVR ( Elektro VS Benzin)

von Mark Kreuzer am 16. Dezember 2019

Gegensätze ziehen sich an. Wenn man sich den Jaguar I-Pace und den F-Type SVR anschaut, dann sind das sicherlich die beiden gegensätzlichsten Autos, welche Jaguar zurzeit im Angebot hat.

Es war nicht geplant, beide Autos gleichzeitig im Test zu haben. Natürlich waren wir begeistert,
als sich die Möglichkeit ergab, diese auf den ersten Blick scheinbar so grundverschiedenen Autos miteinander zu vergleichen.

Ohne dem Ergebnis vorweggreifen zu wollen, waren wir erstaunt, wie viele Parallelen zwischen den beiden Autos wir gefunden haben.

Sport Pur: Jaguar F-Type SVR

Wir hatten ja bereits vor einiger Zeit den Jaguar F-Type 400 Sport im Test: Dessen klassisches Sportwagen-Design mit einem 400 PS starken V6 Motor und einem großartigen Klang ist uns bleibend in Erinnerung geblieben.

Für Kunden, die einen noch größeren Wert auf Sportlichkeit legen, gibt es bei Jaguar die Special Vehicle Operations (SVO) Abteilung. Die Fahrzeuge, welche dort weiterentwickelt werden, verkörpern nach eigener Aussage den Inbegriff eines Jaguars: atemberaubende Performance, außergewöhnlicher Luxus und modernste Technologien.

Der F-Type SVR ist daher auch das leistungsstärkste Modell der Reihe. Der 5.0 Liter große V8 Motor kommt mit Kompressor auf eine Leistung von 575 PS. Damit beschleunigt er in 3,7 Sekunden von
0-100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 322 km/h.

Wir hatten den F-Type SVR als Cabrio, was einem bei geöffnetem Dach ein noch direkteres Fahrgefühl vermittelt. Außerdem passte er so sehr gut zu den früher im Jahr getesteten Cabrios Porsche 911, AMG GT C und BMW M850.

SVR steht übrigens für Special Vehicle Racing und damit ist bereits auch klar, dass Sportlichkeit mit
an erster Stelle steht. Im Vergleich zu anderen F-Type Modellen wurde die Aerodynamik für bessere Haftung verbessert und auch der Allrandantrieb wurde überarbeitet. Wie es sich für einen Sportwagen gehört, wurde natürlich auch auf das Gewicht geachtet.

Die Sport-Abgasanlage mit Klappensteuerung ist aus Titan und Inconel (eine Nickelbasislegierung) gefertigt und spart 16 kg Gewicht.

Die geschmiedeten Leichtmetallfelgen reduzieren das Gewicht um weitere 14 kg. Wenn man sich dann noch für die Karbon-Keramik Bremsanlage entscheidet, können noch weitere 21 kg an Gewicht gespart werden.
Selbst die hinteren Achsschenkel wurden überarbeitet, um nochmal weitere 0,6 kg einzusparen.

All dieses eingesparte Gewicht in Verbindung mit der starken Maschine sorgt für eine bessere Beschleunigung und ein agileres Handling.

Futuristisches Elektro-Design – Jaguar I-Pace

Der I-Pace ist natürlich kein Sportwagen, das wird bereits auf den ersten Blick klar. Trotzdem finde ich, fällt die Einordnung des I-Pace nicht ganz so einfach. Anders als bei so vielen anderen Herstellern hat man bei Jaguar der Versuchung widerstanden, ein bereits bestehendes Fahrzeugdesign zu recyclen und zu elektrifizieren. Damit sticht der I-Pace auch angenehm aus dem eher einfallslosen Einerlei-SUV-Design auf dem Markt heraus.

Hauptgrund hierfür dürfte vorallem das „Cab-Forward-Design“ sein. Dieses zeichnet sich durch die eingekürzte Schnauze und der nach vorne verschobenen Fahrgastzelle aus. Gerade das geht bei einem Elektroauto besonders gut, da man keinen Verbrennungsmotor unterbringen muss. Ganz nebenbei führt dies auch zu einem längeren Radstand, der sich positiv auf die Fahreigenschaften
sowie auf das Platzangebot im Innenraum auswirkt.

Neben dem Design lassen sich aber auch die Leistungswerte des I-Pace sehen. Dank zwei Elektromotoren hat der I-Pace eine Leistung von 400 PS mit einem sofort nutzbaren Drehmoment von 696 Nm. Damit sprintet der I-Pace in 4,8 s von 0-100 km/h. Damit muss er sich zwar dem auf maximale Sportlichkeit getrimmten F-Type SVR geschlagen geben, ist aber schneller als alle anderen F-Type Modelle, was eine nicht unerhebliche Leistung ist.

Mit seiner 90 kWh-Batterie hat er nach WLTP-Fahrzyklustest eine elektrische Reichweite von 470 km. Dieser Wert ist im Alltag eher schwer erreichbar, aber dies gilt für alle Elektroautos. Deshalb kann man ihn auf jeden Fall als guten Vergleichswert heranziehen.

Vergleich I-Pace mit F-Type SVR wie Äpfel / Birnen?

Autohersteller reden oft von einer DNA, wenn sie von Dingen wie Design oder Fahrgefühl sprechen. Tatsächlich konnte ich erstaunlich viele verwandte Merkmale bei den beiden Wagen erkennen.

 

Das fängt schon beim Einsteigen an, wie ihr in dem kurzen Video sehen könnt.
Einfahrbare Türgriffe sind jetzt keine Revolution, aber immer noch eine Besonderheit.

Sowohl beim Sportwagen wie auch beim Elektrowagen haben sie neben dem Design auch noch die Funktion, den Luftwiderstand zu verkleinern.

Aerodynamik ist überhaupt ein Punkt, der sich gut für einen Vergleich anbietet.

Für ein Elektroauto hat der I-Pace eine Vielzahl an aerodynamischen Besonderheiten, die auch einem Sportwagen gut zu Gesicht stehen würden. Im Frontbereich hat der Wagen einen Luftdurchlass, welcher einerseits der Kühlung dient, aber auch den Luftstrom so Richtung Heckspoiler leitet, dass man keinen Heckscheibenwischer benötigt.

Abgesehen von diesem nützlichen Detail finde ich die Spoiler und Diffusor am I-Pace einfach sehr gelungen. Sie unterstreichen das futuristische Design, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Vielleicht ist das ein Zeichen für das oftmals zitierte britische Understatement.

 

Um es vorweg zu nehmen, Understatement ist nicht unbedingt eine Tugend des F-Type SVR. Gerade der verstellbare Heckspoiler macht auf den ersten Blick klar, dass er sich um einen Sportwagen handelt.
Der ausfahrbare Heckspoiler verringert in der oberen Stellung zusammen mit anderen aerodynamischen Maßnahmen eine Senkung des Cw- sowie des Auftriebswertes um 2,5 beziehungsweise 15 Prozent gegenüber einem F-TYPE R. In der unteren Stellung sind die Vorteile mit 7,5 respektive 45 Prozent noch eklatanter.

Der Heckspoiler ist – wie es sich für einen Sportwagen gehört – natürlich aus Carbon, um damit auch letzte Zweifel an der angestrebten Sportlichkeit auszuräumen.

Ein Blick auf die Räder des I-Pace zeigen, dass man den Werkstoff Carbon auch bei dem I-Pace einsetzt. Auch dieses Mal spielt Gewichtsersparnis die größere Rolle, da sich hieraus eine höhere Reichweite ergibt. Durch die Carbon-Einsätze werden außerdem auch Luftverwirbelungen im Bereich der Räder reduziert.
Der Umstand, dass die Räder das Gesamtdesign des I-Pace aufwerten, wird natürlich als angenehmer Nebeneffekt gerne angenommen. Es spricht ja auch wirklich nichts dagegen, dass ein Elektroauto auch sportlich aussehen darf.

Elektrische Sportlichkeit für den Alltag – I-Pace

Der I-Pace sieht nicht nur sportlich aus, sondern kann auch deutlich sportlicher bewegt werden, als man einem 2,2 Tonnen schweren Auto zutrauen würde. Das vergleichbar hohe Gewicht ist vor allem der aus 36 Li-Io Modulen mit Pouch Zelle bestehenden Batterie geschuldet. Der Nachteil des hohen Gewichts wird aber durch die Positionierung und den elektrischen Motoren wieder ein wenig ausgeglichen. Der I-Pace hat durch die im Unterboden verbaute schwere Batterie einen sehr niedrigen Schwerpunkt.

Auch die Leistung des I-Pace dank der zwei Elektromotoren 400 PS kann sich sehen lassen. Das liegt vor allem daran, dass Elektromotoren jederzeit das volle Drehmoment verzögerungsfrei abrufen können. Ein beherzter Tritt auf das „Gaspedal“ und man bekommt die Beschleunigung mit einer Vehemenz zu spüren die man nur verstehen kann, wenn man mal selbst ein stark motorisiertes Elektroauto gefahren ist.

Natürlich ist der I-Pace kein Sportwagen. Welcher SUV ist das schon, bzw. sollte es überhaupt sein? Im normalen Verkehr macht der I-Pace eine gute Figur. Als Fahrer schätzt man schon nach kurzer Zeit die Ruhe, die das Fahren in einem Elektroauto mit sich bringt. Trotzdem hat man immer ein Ass im Ärmel, denn mit der unvermittelten Kraftentfaltung kann man sich und nichts ahnenden Passagieren immer wieder Laute der Überraschung und Verzückung entlocken.

Offensichtliche Sportlichkeit – Jaguar F-Type SVR

Dem F-Type SVR lässt sich nun die Unvermitteltheit seines elektrischen Bruders nicht nachsagen. Bereits beim Start macht der V8 klar, dass er erwacht ist und sich nicht mit lautlosem Anpirschen aufhält.

Der F-Type SVR ist der Wagen mit dem prägnantesten Klang, welchen ich je gefahren bin.

Als Material für den Abgasstrang wurden Titan und Inconel gewählt, weil diese besonders gut auch hohe Temperaturen vertragen. Ein Blick auf die von der Hitze verfärbten Endrohre zeigt auch auf den ersten Blick, dass dort durchaus hohe Temperaturen herrschen können.

Schon bei normaler Fahrt vernimmt man immer wieder ein kurzes Knurren der Raubkatze. Aber anders als bei so vielen Berichten, die ich im Vorfeld über den F-Type SVR gelesen habe, konnte ich nicht feststellen, dass der F-Type SVR zu übermäßig dramatischen Auftritten neigt.

Dies gilt natürlich bei normaler Fahrt. Denn wenn man als Fahrer möchte, kann man den Wagen in den Dynamic Modus schalten, die aktiven Klappen des Auspuffs öffnen, und aus dem eben beschriebenen Knurren wird ein Fauchen, wie ich es bis jetzt in noch keinem anderen straßenzugelassen Auto erlebt habe.

Die Kraftentfaltung des V8 Motors ist – wie man es bei 575 PS und den 700 Nm Drehmoment erwartet – brachial. Dank dem Allrad-Antrieb bekommt der F-Type SVR diese Kraft aber immer zuverlässig auf die Straße.
Wir hatten dieses Jahr schon einmal einen großen Cabrio Vergleich zwischen Porsche 911 4S, AMG GT C Roadster und BMW M850 xi. Die getesteten Wagen passen gut für einen Vergleich. Damals hatte ich jedem Wagen ein Attribut zugeteilt:

  • – Porsche 911 4S – Skalpell
  • – AMG – Kettensäge
  • – BMW M850 xi – Multitool

Eigentlich möchte ich nicht bei dieser Werkzeug Metaphorik bleiben, denn wenn ich versuche, den
F-Type SVR einzuordnen, fallen mir viele Attribute ein. Für mich ist er die Essenz eines klassischen Sportwagens. Das fängt mit der langen Motorhaube an, geht über den wie einen Handschuh passenden Innenraum bis hin zu der Auspuffanlage, welche einen Sound hat, der fast schon an
einen Rennwagen erinnert.

Ich würde ihn zwischen den Porsche und den AMG einordnen. Wobei er im Prinzip das Beste aus den jeweiligen Wagen vereint: die Präzision des Porsche beim Fahren und die gewisse Krawalligkeit des AMG.

Reichweite

Eine gewisse Parallele habe ich auch bei der Reichweite der beiden Autos festgestellt. Gerade bei Elektroautos wird von anderen Medien immer wieder gerne die Reichweitenangst herbeigeredet.

Tatsächlich ist diese aber oftmals unbegründet, da sie im realen Leben keine wirklich große Rolle spielt. Klar sind die 470 km Reichweite nach WLTP ein eher theoretischer Wert. Ich konnte den I-Pace zwei Wochen lang testen. In meinem Alltag, wo ich Mo-Fr hauptsächlich über Landstraße zur Arbeit und zurückpendele, käme ich wahrscheinlich komplett ohne Laden aus. Selbst bei Langstrecken auf der Autobahn liegt die Reichweite des Jaguars bei normaler Fahrweise bei über 300 km.

Und genau hier liegt nun die Parallele der beiden Wagen, denn die Reichweite ist jeweils sehr stark abhängig von der der Fahrweise. Wenn man den I-Pace vorrausschauend und angepasst fährt, verlieren auch längere Strecken ihren Schrecken.

Wenn man mit dem F-Type SVR auf derselben freigegebenen Autobahn nur Vollgas fährt, muss man sich nicht wundern, wenn man schnell auch wieder an die Tankstelle muss.

Hier ist übrigens ein Vorteil des I-Pace zu sehen, denn dieser lädt sich jede Nacht zuhause wieder auf.

Jaguar F-Type SVR an den Mark Kreuzer sich anlehnt und auf den I-Pace schaut

Fazit Vergleich F-Type SVR VS I-Pace

Zugegeben: Die beiden Autos stehen am komplett unterschiedlichen Ende des Modellspektrums bei Jaguar. Wenn es sich nicht durch Zufall ergeben hätte, dass ich beide Autos gleichzeitig würde testen können, wäre ich wahrscheinlich auch nie auf die Idee gekommen, dies zu tun.

Wenn man beide Wagen direkt nebeneinanderstellt und auch fährt, bemerkt man an vielen Stellen die Verwandtschaft und teilweise auch die Ähnlichkeit dieser Autos.

Für mich unterstreicht das nur wieder, was ich auch schon bei meinem ersten Test im Jahr 2018 festgestellt habe. Jaguar gebührt Respekt dafür, dass sie ein Elektroauto auf dem Markt gebracht haben, während andere Hersteller damals nur eher halbherzig an der Entwicklung eines Elektroautos gearbeitet haben.

Jaguar hat diesen Vorsprung in meinen Augen auch gut genutzt. Denn neben dem Engagement in der Formel-E hat man mit der Jaguar I-Pace e Trophy auch eine eigene Rennserie ins Leben gerufen. Dort beweisen die I-Pace, dass sie auch auf der Rennstrecke genutzt werden können.

Das dort gesammelte Knowhow kommt der Entwicklung aber auch den bereits bestehenden Kunden zu Gute. So erhalten alle Jaguar I-Pace die Möglichkeit, sich per Software-Update ein optimiertes Batteriemanagement zu installieren. Dadurch sollen die Wagen im realen Einsatz bis zu 20 km mehr Reichweite bekommen.
Auch beim F-Type bleibt Jaguar nicht untätig. So wurde jetzt im Dezember 2019 die Modellpflege vorgestellt, welche jetzt auch den digitalen Tacho sowie weitere Verbesserungen mit sich bringt.

Ich glaube also, dass der Vergleich durchaus sinnvoll ist. Das Einzige, was bei diesem Test wirklich „unfair“ war, ist, dass es noch keine von Jaguar SVO optimierte Version des I-Pace gibt. Denn dann wären die beiden eigentlich so unterschiedlichen Modelle wahrscheinlich noch besser zu vergleichen gewesen.