Volvo XC40 – gut Ding will Weile haben?

Wir hatten die Möglichkeit den vollelektrischen Volvo XC40 rund um „Schwedens südlichste Stadt“ Hamburg zu testen.

von Mark Kreuzer am 13. März 2021

Der Marktstart des XC40 war Anfang 2018 und ich erinnere mich noch gut daran, wie Volvo 2019 dann ein vollelektrisches Modell angekündigt hat, einziger Haken: Das Modell sollte erst Ende 2020 kommen. Jetzt 2021 hatten wir endlich die Möglichkeit auf einer Presse Fahr Veranstaltung den XC40 Recharge P8 AWD zu testen, um zu beurteilen, ob sich das Warten gelohnt hat.

Volvo XC40 Recharge Technische Daten

Schaut man sich die technischen Daten des XC40 Recharge an, dann kommt einem sehr schnell das Modell 2 der Schwestermarke Polestar in den Sinn. Tatsächlich hat man sich bei Batterie und Antriebskomponenten des Polestar 2 für den Volvo XC40 bedient, was auch nicht weiter verwunderlich ist.

Kapazität:78 kWh
ges. Leistung:300 kW (408 PS)
max. Drehmoment:660 Nm
Antriebsart:Allradantrieb (AWD) 2-Motoren
Beschleunigung,
0–100 km/h:
4,9 s
Höchstgeschwindigkeit:180 km/h
Leergewicht:2220 kg
Stromverbrauch
auf 100 km (kombiniert,
WLTP):
25,0 – 23,8 kWh
Reichweite (kombiniert WLTP):418 km
Reichweite (innerorts WLTP):519-539 km

Wie gesagt, was die elektrischen Daten angeht ist wenig Überraschung dabei. Für das Laden zuhause, steht ein 11-kW-Bordladegerät zur Verfügung.

Spannender ist da schon die Tatsache, dass der batterieelektrische Volvo XC40 bei den aktiven Sicherheitssystemen ein neues Zeitalter einläutet. So ist der XC40 Recharge das erste Volvo Modell, dass eine neu Advanced Driver Assistance Systems (ADAS)-Sensorplattform nutzt die die Software des schwedischen Herstellers Zenuity nutzt. Das spannende and der ADAS Plattform hier ist, das diese Skalierbar ist und sich problemlos weiterentwickeln lassen soll und damit die Grundlage für künftig autonome Fahrtechnik bieten soll.

Außerdem ist der XC40 Recharge auch das erste Volvo Modell, dass das neue Android Automotive OS als Betriebssystem für das Infotainment nutzt, auf dass wir später noch mal genauer eingehen werden.

Verzichtet hat man bei Volvo auf einen Start-Stop Taster. Dank des „Convenient Entry & Start System” entriegelt der Volvo das Auto beim annähern und ist sofort nach Einstieg des Fahrers bereit zum losfahren.

Volvo XC40 Recharge Design

Bei dem Design des XC40 hat sich für das neue elektrisches Modell wenig getan. Man muss schon genau hinschauen um zu erkennen, dass es sich um ein BEV Fahrzeug handelt. Die einzigen Merkmale die den Rückschluss auf den Antrieb zulassen ist der verkleidete Kühlergrill in Wagenfarbe und der in der C-Säule eingeprägte „Recharge“ Schriftzug.

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten und daher überlass ich jedem selbst wie er zu der Optik des XC40 steht.

 

Ich persönlich mag das Design des XC40, vor allem die durch alle Modelle durchgehenden Design Details wie die Thors-Hammer Tagfahrlicht und das minimalistische Innenraumdesign.

Volvo XC40 – Android Automotive OS

Ich persönlich bin sehr gespannt wie sich das Android Automotive OS entwickelt. Während meiner Polestar 2 Testfahrt konnte ich ja bereits einige erste Eindrücke sammeln.

Die Idee ein Android Betriebssystem im Auto zu haben gefällt mir im Ansatz sehr gut. Ob Android Automotive OS ein Erfolg wird, hängt in meinen Augen davon ab, wie viele Hersteller sich darauf einlassen werden. Fest steht: Je mehr Fahrzeuge mit Android Automotive OS auf der Straße sind, desto mehr Entwickler werden spannende Apps dafür entwickeln. Ein gutes Beispiel ist Spotify die in Ihrer App jetzt die Möglichkeit bieten, dass andere Nutzer sich per QR-Code in die App auf dem Auto einloggen können und mit Einfluss auf die Wiedergabeliste haben, siehe unsere News: Polestar 2 OTA Update: Spotify mit Gruppen-Session Beta

Da man bei Volvo sich aber komplett an das Design der alten Modelle genutzt hat, steht auch hier nur ein 9‘‘ großes Display zur Verfügung. Dies wirkt leider deutlich aus der Zeit gefallen. Auch das man das an sich bekannte Zeilen Artige Design übernommen hat, halte ich für keine besonders gelungene Adaption, da die „Widgets“ im Homescreen so keinerlei Mehrwert bieten.

Bei all der Wartezeit hätte hier meiner Meinung nach mehr drin sein sollen.

Als kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont möchte ich aber erwähnen, dass die 12,3‘‘ große Instrumentenanzeige mit seinen drei wählbaren Anzeigemodi gut gelungen ist.

Volvo XC40 – Fazit erster Fahreindruck

Reichweite? Wen interessiert schon die Reichweite bei einem Elektroauto?

So, oder so eine ähnliche Frage scheint man sich bei Volvo gestellt zu haben. Steigt man in den Volvo XC40 ein und fährt los, so fällt einem schnell auf, dass man zwar eine Ladestandsanzeige in Prozent gezeigt bekommt, aber nicht wie die aktuelle Reichweite ist.

Ich gebe zu im ersten Moment hat mich dies ein wenig beim Start meiner Testfahrt irritiert, aber um so mehr ich mit dem Wagen gefahren bin um so besser hat es mir gefallen. Ähnlich wie bei Verbrennungsmotoren ist die Reichweite immer sehr stark von dem Fahrstil abhängig. Gerade Elektroautos tendieren dazu bei der Kalkulation von Restreichweite sehr volatil zu sein. Es reichen schon wenige kurze „Strom-Stöße“ um die vermeintliche Rest-Reichweite wegschmelzen zu lassen nur um dann bei weiterer gemäßigten Fahrweise wieder anzusteigen. Dieses Volatile Verhalten ist etwas, dass viele Elektroautoneulinge oftmals sehr abschreckt. Es führt dazu, dass man der Reichweitenanzeige weniger vertraut. Aus diesen Grund finde ich den Weg den Volvo hier mit der Anzeige geht sehr gut. Fährt man eine Langstrecke nutzt man eh das Navigationssystem was einem Ladepunkte und -dauer auf der Strecke anzeigt und auch mit welchem Batteriestand man am Ziel ankommt. Fällt der Ladestand im Alltag unter 20% wird die kalkulierte Restreichweite auch im Display angezeigt.

Was das eigentliche Fahren angeht, gibt sich der Volvo XC40 gewohnt skandinavisch unaufgeregt. Bei meiner Fahrt durch Stadt und Landstraße bin ich mit einem Verbrauch von deutlich unter 20 kW/100 km gekommen, trotz des ein oder anderen Überholmanövers. Mein Eindruck ist, dass der Verbrauch besser sein dürfte, als der Erste Blick auf den WLTP-Wert nahelegt.

Besonders Loben muss ich an dieser Stelle auch die neuen Fahrassistenssysteme mit der neuen ADAS-Sensorplattform. Hier hat der XC40 einen deutlich fühlbaren Fortschritt gemacht. Auch auf der Landstraße hat das Level 2 assistierte Fahren durchgängig gut funktioniert.

Die große Frage ist, hat sich das lange Warten auf den Volvo XC40 Recharge gelohnt?

Ich gebe zu die Frage ist sehr subjektiv. Ich für meinen Teil würde halte den XC40 für ein typisches und unauffälliges Elektroauto. Leider kann er mich nicht begeistern. Ich hätte mir ein progressiveres Design gewünscht und das man das neue Infotainmentsystem im Innenraum mehr nutzt. Dies ist doch beides sehr stark an den üblichen Volvo Modellen angelehnt. Damit richtet sich der Wagen wohl eher an traditionelle Volvo Kunden die elektrisch unterwegs sein wollen als an Elektroautopioniere.

Außerdem lässt sich Volvo das elektrische Fahren sehr gut bezahlen. Mit einem Startpreis ab 60.000 € ist der XC40 Recharge kein Schnäppchen. Der von mir während der Testfahrt getestete XC40 Recharge hatte einen Neupreis von über 70.000 €. Zwar plant Volvo hier in naher Zukunft günstigere Modelle auf dem Markt zu bringen. Ich für meinen Teil hätte mir diesen Volvo deutlich früher auf dem Markt gewünscht. Bei mir bleibt das Gefühl, dass der XC40 vor 1-2 Jahren deutlich höhere Wellen hätte schlagen können.