„Project Natick“: Microsofts Unterwasser-Datacenter nimmt Testbetrieb auf

von Bernd Rubel
12. Juni 2018

Mount Everest, oder doch der Marianengraben? Mit „Project Natick“ will Microsoft erkunden, inwieweit u,U. über mehrere Jahre völlig autarke Rechenzentren betrieben werden können. Vor fünf Jahren rief man das Projekt ins Leben, nun haben die Wissenschaftler die Kapsel wieder abtauchen lassen. Der Prototyp von der Größe eines Tanklaster-Aufliegers wurde vor den schottischen Inseln versenkt und soll seine Tauglichkeit nun weitestgehend unter Realbedingungen unter Beweis stellen.

Eine erste Pilotphase vor der US-Pazifikküste konnte Microsoft bereits erfolgreich abschliessen, wobei - Stichwort Wasser - insbesondere der Verzicht auf eine Wasserkühlung des Datacenters erforscht wurde. Zum Vergleich: Normale Rechenzentren benötigten mehr als vier Liter Wasser pro anfallender Kilowattstunde, damit die Kühlung der Systeme gewährleistet werden kann, während der Unterwasser-Zylinder mit nicht reaktivem Stickstoff als Gas gefüllt ist.

Der Zusammenhang ist logisch: Mit einer möglichst effizienten Kühlung kann der Energiebedarf des RZ enorm gesenkt werden. Die Stromversorgung des Rechenzentrums erfolgt über Gezeitenturbinen und Wellenenergiewandler des European Marine Energy Centre sowie mit Wind- und Sonnenenergie an Land - alles regenerativ gespeist. Die nun anstehende zweiten Phase soll zu einem Prototypen führen, der letztendlich zur Blaupause eines Modul führt. Dieses könnte dann zu Rechenzentren in beliebiger Größe kombiniert und bei wachsendem Bedarf erweitert werden.

Im Fokus steht nun auch die wirtschaftliche Machbarkeit. Neben der Herstellung des Zylinders soll u.a. evaluiert werden, ob sich der Betrieb und eine u.U. notwendige Bergung auch aus kommerzieller Sicht lohnen. So autark das Datacenter selbst auch sein mag, die darin enthaltenen Systeme sind nach ein paar Jahren veraltet und müssen bei Bedarf ausgetauscht werden, bevor der Container erneut versenkt werden könnte. Insgesamt kalkuliert man bei Microsoft mit einer zu erwartenden Lebensdauer von immerhin zwanzig Jahren, was angesichts der unwirtlichen Bedingungen schon enorm ist.

Was das alles soll? Mal zu Ende gesponnen wäre es z.B. irgendwann möglich, solche Rechenzentren außerhalb von Landesgrenzen und den berühmten x-Meilen-Zonen zu betreiben. Ansonsten gibt es halt knallharte wirtschaftliche Faktoren wie den bisher enormen Stromverbrauch oder Probleme bei der Wahl eines möglichst idealen, nahen Standorts.

via microsoft.com

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