Wie China unser Internet verändern wird
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Wie China unser Internet verändern wird

von Bernd Rubel
6. Oktober 2016

700 Millionen Internetnutzer gibt es China - ein Markt, der sich fundamental von unserem Internet unterscheidet. Hinter der Great Firewall aus Filtern und Blockierregeln wacht der Staat de facto über ein riesiges Intranet, in dem Google, Facebook & Co. völlig unbekannt sind. Stattdessen entstanden im Laufe der zurückliegenden Jahre Kopien erfolgreicher Angebote, z.B. Baidu oder Weibo.

Doch mittlerweile gibt es eine entgegengesetzte Entwicklung. Einige Apps, die bisher ausschliesslich in China vertreten sind, gelten mittlerweile als ultimative Vorlage für die zukünftigen Entwicklungen westlicher Anbieter. Das Paradebeispiel ist Wechat, das unter seiner Oberfläche für ganz verschiedene Lebensbereiche der Benutzer Lösungen anbietet.

In den vergangenen Jahren haben Google, Facebook u.a. Anbieter einzelne Anwendungsbereiche aus ihren Apps ausgelagert. Facebook den Messenger, Google die Photos, um nur zwei Beispiele zu nennen. Das sorgt bei einer erheblichen Zahl von Nutzern für Verwirrungen und unnötige Hürden im Alltag, denen man nun wieder entgegensteuern will. Wenn Facebook also ankündigt, einen "Marketplace" zu eröffnen, dann ist das (auch) eine Folge der Beobachtungen, die man in China macht.

Der Artikel in der New York Times geht löblicherweise auf ein ganz elementares Problem ein, dass sich damit ergibt: jede einzelne Aktivität eines Benutzers ist ein Puzzleteil zu einem möglichst umfangreich angelegten Profil. In der Hand eines Staates - oder eines einzelnen Unternehmens - ist das für Datenschützer selbstverständlich ein Super-Gau.

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