Audi RS Q e-tron – endlich wieder Vorsprung durch Technik?

von Mark Kreuzer am 25. Juli 2021

Mit dem Audi RS Q e-tron könnten in Zukunft viele Skeptiker der Elektromobilität zum verstummen gebracht werden. Es gibt sie, die Skeptiker, die sich in Extremsituationen immer wieder auf die vermeintliche Überlegenheit und Alternativlosigkeit des Verbrennungsmotors berufen, sei es bei einem Rundenrennen, in einem Katastrophenfall oder ähnlichen im Alltag eher seltenen auftretenden Situationen.

Mit der Teilnahme des Audi RS Q e-tron im Januar 2022 an  der Rally Dakar werden die Skeptiker in Zukunft ein vermeintliches Argument weniger im Köcher haben. Die Rally Dakar gilt als die härteste Rally der Welt und bis auf wenige Ausnahmen ist hier bisher noch nicht an Elektroautos zu denken gewesen.

Weil es in der Wüste keine Ladesäulen gibt, hat Audi hier ein spannendes Konzept gewählt. Der Audi RS Q e-tron ist im Prinzip ein Elektroauto mit einem eingebauten Range Extender.

An Vorder- und Hinterachse sitzt je ein Elektromotor. Diese wurden direkt aus der Formel E genommen und mussten nur minimal für den neuen Einsatz angepasst werden. Zusammen haben Sie eine Leistung von 500 kW (680 PS).

„Als Ingenieure sehen wir prinzipiell in jeder Komponenten Entwicklungspotenzial. Aber beim Antrieb haben wir in der Formel E bereits eine Systemeffizienz von über 97 Prozent erreicht. Da gibt es nicht mehr viel Spielraum. Ganz anders sieht es bei der Batterie und dem Energiemanagement aus. Dort liegt in der Elektromobilität generell das größte Entwicklungspotenzial. Was wir bei dem überaus herausfordernden Dakar-Projekt lernen, wird in zukünftige Serienmodelle einfließen. Wie immer arbeiten wir auch bei diesem Projekt eng mit unseren Kollegen aus der Serienentwicklung zusammen.“ Stefen Dreyer - Entwicklungschef von Audi Sport

Die Batterie hat eine Kapazität von 50 kWh und wiegt ungefähr 370 Kilogramm. Man muss kein Elektroauto Experte sein, um zu bemerken, dass man mit dieser Batterie sehr viele Ladestopps einlegen müsste, um Tagesetappen von teilweise über 800 km zu bewältigen.

Aus diesem Grund wird in dem Audi RS Q e-tron ein Verbrennungsmotor aus der DTM verbaut, der über einen dritten Elektromotor die Hochvoltbatterie während der Fahrt laden kann. Anders als die anderen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor die an der Rally Dakar teilnehmen, wird dieser immer im optimalen Drehzahlbereich zwischen 4.500 – 6.000 Umdrehungen pro Minute laufen.

Dadurch lieget der Verbrauch deutlich unter 0,2 l/kWh. Während andere Fahrzeuge daher die Rally mit über 500 Liter großen Treibstofftanks auf die Etappen fahren, reicht für den Audi ein deutlich kleinerer Tank.

Audi beschreibt weiterhin, dass die Verwendung eines Elektromotors viele Vorteile auch für den Rally Betrieb bieten würde:

Die Elektromotoren lassen sich extrem präzise ansteuern und sorgen so für eine gute Fahrbarkeit. Zudem lässt sich Bremsenergie zurückgewinnen. Der Audi RS Q e-tron kommt mit einem Vorwärtsgang aus. Vorder- und Hinterachse sind wie auch bei Elektrofahrzeugen üblich nicht mechanisch miteinander verbunden. Die von Audi entwickelte Software übernimmt die Drehmomentverteilung zwischen den Achsen und erzeugt somit ein virtuelles, frei konfigurierbares Mitteldifferential – mit dem positiven Nebeneffekt, das Gewicht und den Platzbedarf von Karadanwellen und einem mechanischen Differential einsparen zu können.

Audi RS Q e-tron endlich mal wieder Vorsprung durch Technik?

Während ich persönlich von dem Audi e-tron GT bisher aus der Ferne ein wenig enttäuscht war, da er für mich eher ein Porsche Taycan in einem Audi Kleid ist, der dem Markenclaim Vorsprung durch Technik nicht gerecht wird sondern eher unter einem anderen Slogan stand: Audi e-tron GT – Vorsprung durch Solidität und Preis (mobilegeeks.de)

So scheint der Audi RS Q e-tron endlich mal wieder ein Fahrzeug von Audi zu sein, dass einen mutigen Weg wählt um sich einen möglichen Vorsprung durch Technik zu erarbeiten.

„Audi hat im Rennsport schon immer neue, mutige Wege gewählt, aber ich glaube, das ist eines der komplexesten Autos, das ich je gesehen habe. Durch den E-Antrieb müssen sehr viele unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren. Neben der Zuverlässigkeit, die bei der Rallye Dakar an erster Stelle steht, ist das in den nächsten Monaten unsere größte Herausforderung.“ Teamchef Sven Quand

Bei Audi ist man sich bewusst, dass es sich um ein sehr schwieriges Unterfangen hält und ein Erfolg bei der Rally ist keinesfalls garantiert.

Ich für meinen Teil werden den RS Q e-tron ganz genau im Auge halten. Ich bin mir zwar sicher, dass die eingangs erwähnten Skeptiker sich wieder vermeintlich mit Freude darauf stürzten werden, dass der Audi RS Q e-tron ja doch einen Verbrennungsmotor hat, aber dabei verkennen sie, dass dies nur eine Frage der Batterietechnologie ist. Den ich bin mir sicher, sobald Batterien zur Verfügung stehen, die die passenden Kapazität haben, fliegt auch der Verbrennungsmotor raus.