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BMW Connected – das Auto als Smart Device

Bereits seit März in den USA und ab diesem Monat auch in Deutschland: BMW Connected soll der persönliche Mobilitätsassistent sein und das Auto zum Smart Device macht.

von Carsten Dobschat am 1. August 2016

Selbstverständlich sitzen die Autohersteller nicht in Ruhe rum und schauen sich an, wie Apple und Google daran arbeiten, Autos an ihre eigenen Systeme zu hängen und sie zu Smart Devices zu machen. Sie entwickeln hier auch eigene Lösungen und im Fall von BMW nennt sich diese BMW Connected. Hier sind auch die Funktionen des bereits längere verfügbaren ConnectedDrive enthalten.

Im März startete BMW Connected in den USA und jetzt im August kommt das Angebot auch in ausgewählte Märkte in Europa. BMW Connected startet im August in diesen Ländern:

  • Deutschland
  • Österreich
  • Schweiz
  • Italien
  • Spanien
  • UK
  • Frankreich
  • Belgien

Und außerdem in: Dänemark, Niederlande, Tschechien, Norwegen, Polen, Portugal, Schweden, Finnland, Irland und Luxemburg.

In der Buzzword-lastigen Ankündigung wird deutlich gemacht, dass BMW Connected mehr ist als “Auto per Smartphone öffnen”. BMW Connected soll die Plattform der Zukunft für die Vernetzung der Autos aus Bayern mit dem restlichen digitalen Leben ihrer Fahrer sein:

Mit dem Launch von BMW Connected im August in ausgewählten Märkten in Europa, stellt BMW nun ein ganzheitliches digitales Konzept vor, das die individuelle Mobilität nahtlos unterstützt. Auf Basis einer flexiblen Plattform, der Open Mobility Cloud, bindet BMW Connected das Fahrzeug über mehrere Touchpoints wie iPhone und Apple Watch nahtlos in das digitale Leben des Nutzers ein. In der ersten Version von BMW Connected steht vor allem das Journey Management rund um das Fahrzeug im Fokus – digitale Angebote und Dienste, welche die tägliche Planung von Fahrstrecken und Terminen vereinfachen: mit BMW Connected kommt der Nutzer pünktlich und stressfrei an.

Das Handy am Steuer?

Vorerst nur für iOS

Bereits diesem Teil der Ankündigung ist zu entnehmen, dass es die Lösung „vorerst“ nur für Apples Smartphones gibt, hier auch mit Apple Watch Anbindung. Wann genau es auch eine Version für Android-Benutzer geben soll, wird nicht verraten.

Da BMW Connected aber bereits seit einigen Monaten in den USA ohne Android-Version zu haben ist, kann man wohl davon ausgehen, dass BMW die Priorität derzeit auf die Funktionalität der Plattform legt und nicht auf die Ausweitung auf weitere Endgeräte.

Funktionen von BMW Connected

Zusammenarbeit mit anderen Apps: Die BMW Connected-App holt sich aus dem Kalender automatisch alle relevanten Informationen zu Terminen und Adressen und verknüpft diese dann mit Echtzeit-Daten zur Verkehrslage und erinnert so passend zur pünktlichen Ankunft daran, sich auf den Weg zu machen. Auch „Points of Interest“ aus anderen Apps lassen sich in die Reiseplanung mit einbeziehen.

Spezialfunktionen für Hybrid und i-Modell: Bei Hybrid-Fahrzeugen und i-Modellen von BMW werden Akkustand und Reichweite mit in die Planung aufgenommen.

Navigation nach dem Aussteigen: Wenn das Auto dann parkt, navigiert die App auf dem iPhone dann auch die letzten Meter zum Zielort – schließlich sind Parkplätze nicht immer direkt vor der Tür. Wo das Auto abgestellt wurde, merkt sich die App natürlich auch.

“Personal Learned Destinations”: Das System sammelt Daten zu regelmäßig angefahrenen Zielen und füttert damit automatisch die Favoriten des Navigationssystems. Sich wiederholende Fahrten – zum Beispiel morgens zur Arbeit und abends zurück – werden auch erkannt.

Nicht mehr zu spät kommen: Durch die ständige Beobachtung der aktuellen Verkehrssituation macht die App dann darauf aufmerksam, wenn man früher aufbrechen sollte, um die übliche Ankunftszeit nicht zu verpassen.

ConnectedDrive-Funktionen: Die bekannten ConnectedDrive-Funktionen stehen auch hier zur Verfügung, zum Beispiel die Steuerung der Klimaanlage, Ver- und Entriegeln oder das Betätigen der (Licht-)Hupe.

In den nächsten Jahren wird die Digitalisierung die Nutzung des Fahrzeugs maßgeblich verändern: wir werden digitale Dienste erleben, die uns und unsere Welt vollständig miteinander vernetzen, unterwegs wie zu Hause. Das Fahrzeug wird zum Smart Device; intelligent vernetzt, nahtlos eingebunden und perfekt abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse jedes Nutzers. Diesen Anspruch zeigen wir mit der ersten Version von BMW Connected. Dieter May, Senior Vice President Digital Services und Business Models bei der BMW Group

Offenheit und Datenschutz

Die „Open Mobility Cloud“, die Basis des ganzen System, läuft auf Microsoft Azure. Dort werden die ganzen Daten gesammelt und analysiert. Dies ist die Grundlage für die Personalisierung und die Lieferung von Informationen genau dann und dort, wenn sie gebraucht werden. Und mit Sicherheit werden hier einige Datenschützer ganz schwere Bauchschmerzen bekommen, schließlich entstehen dabei ganz nebenbei ziemlich umfangreiche Profile der Nutzer. Aber das ist selbstverständlich kein spezifisches Problem dieser Plattform.

Lesenswert: BMW und das Bewegungsprofil, das es nicht geben dürfte

Besonders hebt BMW die Offenheit des Systems hervor, natürlich nicht Offenheit im Sinne von offenen Open Source, sondern im Sinne der Anbindung an andere „relevante digitale Ökosysteme“. Ein konkretes Beispiel zur Anbindung von Smart Home Systemen ist Amazon Echo, welches ab September in den USA mit BMW Connected verbunden werden kann. Dann wird es möglich sein, das Auto per Sprachbefehl zu Verriegeln oder den Ladestand des Akkus abzufragen. BMW sieht dadurch die eigene, führende Rolle im Bereich der Digitalisierung bestätigt.

Überraschend kommt das nicht, zumindest nicht in der Art „Huch, wer hätte denn damit gerechnet“. Es war schon länger klar, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen wird. Am Ende wird die Frage bleiben, wie offen die einzelnen Systeme sind. Dass immer mehr Hersteller ihre eigenen Süppchen kochen macht es nicht einfacher. Man muss sich ja heute schon überlegen, auf welches Smart Home System man setzen möchte, schließlich trifft man damit im Zweifel durchaus eine Entscheidung, die einen auf längere Zeit an ein bestimmtes Smartphone-System bindet. Wenn dann auch noch die mindestens ebenso emotional geladene Frage nach der Automarke dran hängen könnte, dann gibt es hier sehr viel Potential für intensive familiäre Auseinandersetzungen.

Fotos: BMW