So geht Flagship-Smartphone!
HTC U12+: 4 Cams, Edge Sense 2 – und keine Notch [Hands on]

Mit dem HTC U12+ haben die Taiwaner heute ihr neues Flaggschiff-Smartphone vorgestellt. Wieder soll eine besonders starke Kamera für Furore sorgen. Hier sind alle wichtigen Infos und unser Hands on:

HTC ist bei weitem nicht allein auf weiter Flur, wenn es darum geht, dass schon vor einer Präsentation Daten zu einem Smartphone durchsickern. Im Gegenteil sogar, denn das passiert auch Apple, Samsung und anderen. Aber irgendwie ist bei dem Unternehmen aus Taiwan oft alles noch ein bisschen dramatischer, so wie jetzt beim HTC U12+, wo man versehentlich direkt mal selbst die Produktseiten online stellte, zumindest kurzzeitig.

So sehr viel war also nicht mehr geheim, was die technischen Daten und auch das Design anging. Sei es drum: Jetzt ist es offiziell und wir konnten bereits Hand anlegen. So viel vorab: Es ist ein stark bestücktes Smartphone mit einigen interessanten Features, optisch hängt es jedoch ein klein wenig hinterher unserer Meinung nach. Hier erst mal die wichtigsten Fakten zur Hardware:

HTC U12+ Hardware

Snapdragon 845, 6 GB RAM, dazu 64 bzw. 128 GB interner und erweiterbarer Speicher. Was Performance und Speicherplatz angeht, wird schnell klar, dass HTC sich nicht vor der starken Konkurrenz verstecken möchte und muss. Hier sind die Specs im Überblick:

Display
  • 6 Zoll großes Super LCD 6-Panel im 18:9-Format mit einer Auflösung von 2.880 x 1.440 Pixeln und einer Pixeldichte von 537 ppi
  • Geschützt durch Gorilla Glass, HDR 10-Unterstützung, keine Notch
Prozessor
Grafikchip
  • Qualcomm Snapdragon 845 (4×2.8 GHz Kryo 385 Gold & 4×1.7 GHz Kryo 385 Silver)
  • Adreno 630 GPU
Arbeitsspeicher
  • 6 GB RAM
Interner Speicher
  • 64/128 GB Speicher (UFS 2.1), erweiterbar per microSD um bis zu 2 TB
Kamera hinten
  • Dual-Cam: 12 MP Ultrapixel 4 Cam (1.4µm Pixelgröße, f/1.75) + 16 MP Telephoto Cam (1.0µm Pixelgröße, f/2.6)
  • UltraSpeed Autofocus 2 (Phase Detection + Laser Autofokus)
  • Dual LED Blitz
  • Zweifach-Zoom
  • Optical Image Stabilization (OIS) + Electronic Image Stabilization (EIS)
Kamera vorne
  • Dual-Cam: 2 x 8 MP (1.12 µm Pixelgröße, f/2.0-Blende)
  • 84 Grad Weitwinkel
Betriebssystem
  • Android 8.0 mit HTC Sense
  • HTC Edge Sense 2
Akku
  • 3500 mAh
  • unterstützt Quick Charge 3.0
Sound
  • HTC USonic with Active Noise Cancellation
  • HTC BoomSound Hi-Fi edition
  • Hi-Res Audio
  • Qualcomm aptX™ HD, LDAC up to 32-bit high resolution wireless audio via Bluetooth
Konnektivität
  • Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, Dual Band
  • Bluetooth 5.0
  • GPS: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
  • NFC
  • USB Typ-C (3.1)
Sensoren
  • Edge Sensor
  • Ambient light sensor
  • Proximity sensor
  • Motion G-sensor
  • Compass sensor
  • Gyro sensor
  • Magnetic sensor
  • Fingerprint sensor
  • Sensor Hub for activity tracking
Maße
  • 156,6 x 73,9 x 8,7-9,7 mm
Gewicht
  • 188 Gramm
Weitere Details
  • Always-on voice commands
  • Notification LED
  • Motion Launch
  • Quiet ring on pick-up
  • Pocket mode
  • Flip to mute
  • IP68 zertifiziert
  • Unterstützung für Google Assistant und Amazon Alexa

 

Beim sechs Zoll großen Display setzt HTC wieder auf LCD-Technologie und bietet uns diese im zeitgemäßen 18:9-Format. Nicht ganz zeitgemäß sind dabei allerdings die Ränder, die für unseren Geschmack oben und unten zu fett ausfallen. Mit einer 1440p-Auflösung und einer Pixeldichte von 537 ppi bekommen wir es davon abgesehen aber mit einem feinen Display zu tun, die zudem auch ohne die mittlerweile fast überall integrierte Notch auskommt.

Der Akku besitzt eine Kapazität von 3.500 mAh und kann dank Quick Charge 3.0 in nur 35 Minuten bis zu 50 Prozent aufgeladen werden. Geladen wird natürlich via USB Typ-C-Anschluss, der allerdings an der Unterseite des Smartphones ziemlich einsam ist — einen 3,5 mm Klinkenanschluss fürs Headset findet ihr nämlich dort nicht.

Edge Sense 2

Letztes Jahr überraschte HTC ja beim U11 mit seinem „Squeeze“-Rahmen mit Edge-Sense-Technologie. Mittels sanftem Druck auf den Rahmen konnten Aktionen ausgelöst werden und dieses Feature, welches durchaus als Alleinstellungsmerkmal betrachtet werden kann, haben die Taiwaner dieses Jahr noch ausgebaut.

Je nachdem, ob ihr nur kurz den Rahmen drückt, einen langen Druck ausübt oder die Seite antippt, könnt ihr verschiedene, frei konfigurierbare Aktionen ausführen. Ihr könnt so beispielsweise den Google Assistant bzw. Amazon Alexa auf diese Weise aufrufen, das Einhand-Menü aktivieren und vieles mehr.

Ihr könnt dabei nicht nur entscheiden, welche Aktion welche Funktion starten soll, sondern könnt auch die Empfindlichkeit justieren, so dass ihr das U12+ diesbezüglich bestens auf eure Bedürfnisse anpassen könnt. Eine wirkliche starke Funktion, die uns sehr gut gefällt. Dennoch stellen wir uns die Frage, ob eine solche Funktion ausreicht, um die Käufer davon zu überzeugen, zu einem HTC-Smartphone zu greifen anstelle eines Konkurrenten.

HTC U12+ Design

Wenn wir also schon darüber reden, welche Anschlüsse es gibt und welche nicht, können wir uns auch kurz dem Design generell zuwenden. Für mein persönliches Empfinden hat es HTC immer sehr gut verstanden, optisch äußerst ansprechende Devices zu produzieren. Nicht selten hat man da die versammelte Android-Konkurrenz hinter sich gelassen.

Auch dieses neue Modell setzt wie sein Vorgänger auf ein „Liquid Surface“-Design, welches klasse ausschaut, super in der Hand liegt, leider aber auch ziemlich anfällig für Kratzer und Fingerabdrücke ist. Zur Verfügung stehen dieses mal die Farben Translucent Blue, Ceramic Black und Flame Red. Gerade das Smartphone in Flame Red sieht sehr interessant aus, denn je nachdem, wie man es ins Licht hält, zeigt sich ein Goldschimmer. Dazu gibt es auch wieder eine durchscheinende und damit recht spektakuläre Variante, wie ihr unten im Bild sehen könnt:

Ich fand schon damals zu Competition Pro-Joystick- und Nintendo Game Boy-Zeiten solche durchsichtigen Modelle spannend, die ein wenig Einblick ins Geräte-Innere offenbarten und so glaube ich auch, dass HTC mit so einer Variante sein Nerd-Publikum finden wird.

Ansonsten bleibt bezüglich des Designs festzuhalten, dass man sich gegenüber dem U11 nicht deutlich weiter entwickelt hat. Es bleibt also beim Glas vorne wie hinten und dem Metallrahmen, dummerweise bleibt es aber auch bei den recht opulenten Rändern oben wie unten. Das wirkt leider nicht mehr ganz zeitgemäß, hier sollte sich HTC schleunigst was Neues überlegen, wenn man gegen die bärenstarke und optisch auch toll aufgestellte Konkurrenz bestehen möchte.

HTC U12+ Kamera

Im letzten Jahr konnte sich HTC — für viele überraschend — zwischenzeitlich die Kamera-Krone sichern, zumindest nach den DxOMark-Werten. Was es mit diesen Werten auf sich hat und ob sie der perfekte Indikator für Kameraqualität sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Mittlerweile hat sich Huawei mit seinem P20 Pro diese Kamera-Krone erobert, was HTC natürlich nicht auf sich sitzen lassen möchte.

An den Ausnahme-Score des P20 Pro reichen die für das HTC U12+ vergebenen 103 Punkte im DxOMark-Test nicht ganz heran, aber immerhin wird der Rest des Feldes inklusive iPhone und Galaxy-Smartphones hinter sich gelassen. Egal, ob normale Fotos bei Tageslicht, Bilder mit Zoom, Blitz oder Bokeh: In allen Kategorien kann die Kamera überzeugen und offenbart nur minimale Schwächen. So könnten die HDR-Aufnahmen etwas dynamischer sein und das Rauschen bei schlechter Beleuchtung könnte noch etwas minimiert werden.

Dennoch: Wer zum HTC 12+ greift, erwirbt ein Smartphone mit einer außergewöhnlich starken Kamera. In diesem Jahr bietet uns HTC vorne wie hinten eine Dual-Cam an, wobei wir hinten mittlerweile bei Ultrapixel 4 angekommen sind. Ein 12 MP-Shooter (1.4µm Pixelgröße, f/1.75) wird mit einer 16 MP Telephoto Cam (1.0µm Pixelgröße, f/2.6) kombiniert. Dazu gibt es wieder einen hybriden Autofokus (Phase Detection + Laser Autofokus), Dual-LED-Blitz, einen optischen 2-fach-Zoom (Digital-Zoom 10-fach) und eine Kombination aus optischer und elektronischer Bildstabilisierung, die wir ebenfalls schon vom U11 kennen.

Vorne setzt man nun also ebenfalls auf eine Dual-Cam, wobei wir es hier mit jeweils 8 Megapixeln zu tun bekommen (1.12 µm Pixelgröße, f/2.0-Blende). Die 84 Grad Weitwinkel sorgen dafür, dass nicht nur ihr selbst, sondern auch eure Nebenleute noch auf den Selfies zu sehen sind. Fotos mit Bokeh-Effekt sind damit natürlich auch möglich, desweiteren wird die Selfie-Cam eingesetzt, um euer Gesicht zu erkennen und somit das Gerät zu entsperren.

Was die Kameras wirklich auf der Pfanne haben und wie sich die Fotos im Vergleich zur Konkurrenz schlagen, wird euch dann unser ausführlicher Test zeigen, in dem wir euch dann auch zahlreiche Beispiel-Fotos nachliefern.

HTC U12+ Preis und Verfügbarkeit

Wer vielleicht ein U12 oder ein U12 Lite vermisst: Diese Geräte wird es nicht geben, HTC bringt ausschließlich das U12+ auf den Markt. Durch das „Plus“ im Namen will man sich also nicht von einem Standard-Modell abheben, sondern schlicht verdeutlichen, dass ihr hier das beste HTC-Smartphone erwerbt, welches das Unternehmen in diesem Jahr zu bieten hat.

Da Qualität bekanntlich ja auch ihren Preis hat, werdet ihr für das HTC U12+ mit 799 Euro zur Kasse gebeten. Dafür erhaltet ihr die Ausführung mit 64 GB Speicher, das größere Modell mit 128 GB ist derzeit nicht für den deutschen Markt vorgesehen. Ein paar Tage müsst ihr euch noch gedulden, ab Mitte Juni soll das optisch wie technisch sehr starke Smartphone in unseren Gefilden zu haben sein.

Wir werden das Smartphone noch ausgiebig testen, aber der erste Eindruck ist schon ein äußerst positiver. Leider hat das U11 seinerzeit nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient hätte. Das Alleinstellungsmerkmal „Edge Sense“, also der drückbare und jetzt auch tippbare Rahmen, wurde nochmal deutlich verbessert und auch die im Vorjahr schon außergewöhnlich starke Kamera wurde weiter optimiert. Zudem gibt es nun auch vorne einen Dual-Shooter.

HTC hat also so ziemlich alles unternommen, um ein gutes Smartphone noch besser zu machen, ist innovativ sowohl bei den Funktionen als auch beim den Farben der Modelle — im Grunde ist also alles getan worden, damit die Leute nun nur noch in die Läden rennen müssen und sich das HTC U12+ schnappen. Für unser Empfinden muss sich dem ersten Eindruck nach das HTC U12+ jedenfalls nicht hinter der Konkurrenz verstecken, auch nicht, wenn sie Huawei, Samsung oder Apple heißt.