HTC U11 im Test: Der neue Kamera-König? [Status: Hands-on]

Mit dem HTC U11 stellen die Taiwaner ein neues Smartphone vor, das sich mit beeindruckenden 90 Punkten an die Spitze der aktuellen Smartphone-Kamera Rankings katapultiert. Mit einer neuartigen "Squeeze" Funktion und einem leistungsstarken Snapdragon 835 Prozessor kann das Gerät auch in anderen Bereichen überzeugen.

Update: Wir haben unser erstes Hands-On-Video vom U11 eingefügt ↑.

HTC hat soeben mit dem neuen HTC U11 das aktuelle Smartphone-Flagschiff vorgestellt. Mit dem Device wollen die Taiwaner nicht nur das Vertrauen der Kunden in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zurückgewinnen, man will auch wieder ganz oben mitmischen.

Wir waren beim Launch in Taipei und hatten bereits vorab die Gelegenheit, uns das HTC U11 genauer anzuschauen. Auch wenn es bereits vor dem Launch den ein oder anderen Leak gab, hat HTC viele Details geheim halten können. Bis zum Schluss war unklar, wie die bereits im Vorfeld mehrfach angeteaserte Squeeze / Edge Sense Technologie funktionieren wird.

An dieser Stelle arbeiten wir nun nach und nach am Test. Aktuell haben wir ein paar erste Eindrücke direkt aus Taiwan und ein erstes Hands-On-Video für euch.

HTC U11 – Technische Daten

Beginnen wir erst einmal mit einem ganz sachlichen Blick auf die technischen Daten des Smartphones.

ProzessorQualcomm Snapdragon 835, 64-bit Octa-Core, bis zu 2.45GHz
Arbeitsspeicher4GB RAM oder 6 GB RAM
Speicherkapazität64GB oder 128GB interner Speicher, erweiterbar um bis zu 2TB per microSD-Speicherkarte
Display5.5″, QuadHD (2.560 x 1.440 Pixel) SuperLCD 5, Corning Gorilla Glass 5
Kamera (hinten)12 Megapixel, 1.4µm, f/1.7 Blende, Dual-LED-Blitz, BSI-Sensor, optische Bildstabilisierung OIS, Gesichtserkennug, RAW-Unterstützung, 32s Belichtung, Slow-Motion Video mit 1080p bei 120fps, 4K Video, Acoustic Focus
Kamera (vorne)16 Megapixel, BSI-Sensor, 1080p Videoaufzeichnung, 10s Selbstauslöser
Konnektivität (Nano-SIM)2G/2.5G GSM/GPRS/EDGE (850/900/1800/1900 MHz)
3G UMTS (850/900/1900/2100 MHz, HSDPA 42, HSUPA 5.76)
4G LTE (FDD: Bands 1, 3, 4, 5, 7, 8, 12, 17, 20, 28, 32 / TDD: Bands 38, 39, 40, 41 mit 2CA, 3CA, und 4CA / Support Cat 16 LTE: Downloads bis zu 1Gbps, Uploads bis zu 75Mbps / VoLTE und WiFi Calling / jeweils abhängig von der Verfügbarkeit beim Mobilfunknetbetreibers)
AnschlüsseUSB 3.1 Gen1, Type-C / Display-Port / Bluetooth 4.2 / Wi-Fi: 802.11 a/b/g/n/ac (2.4GHz und 5GHz) / NFC / HTC Connect / kompatibel mit AirPlay, Chromecast, DLNA und Miracast
Akku3000mAh, Quick Charge 3.0
SensorenEdge Sensor, Umgebungslichtsensor, Annäherungssensor, Motion G-Sensor, Kompass-Sensor, Gyro-Sensor, Magnet-Sensor, Fingerabdruck-Sensor, Sensor Hub, GPS + AGPS, GLONASS
AudioHTC USonic mit Active Noise Cancellation, HTC Boomsound, 3D-Aufnahmen mit 4 Mikrofonen, Hi-RES Audio zertifiziert
Abmessungen153,9 x 75,9 x 7,9 Millimeter
Gewichtcirca 169 Gramm
BetriebssystemAndroid 7.1 mit HTC Sense
BesonderheitenGoogle Assistant, Amazon Alexa, wasser- und staubdicht (IP67)

Wie man sieht, muss sich das HTC U11 von den reinen Spezifikationen her ganz sicher nicht verstecken. Besonders gefreut hat mich, dass man es bei HTC geschafft hat, den Qualcomm Snapdragon 835 im Gerät zu verbauen. Damit ist den taiwanern etwas gelungen, was andere Hersteller mit ihren diesjährigen Flaggschiffen nicht geschafft haben ((Ja, LG, euch meine ich auch!)

Aber machen wir uns nichts vor: Technische Daten sind zwar wichtig, aber nicht mehr ausschließlich ausschlaggebend für den Kauf eines Geräts. Viele Kunden entscheiden nach anderen kriterien, dazu gehört sicherlich das Design.

Design und Verarbeitung

  • Formfaktor ähnlich der Vorgänger
  • Liquid Surface Design überzeugt und liegt angenehm in der Hand
  • Echter Eye-Catcher sind die neuen Farben

Die Form des U11 ist sicherlich nicht revolutionär, man erkennt erneut deutlich die Nähe zu früheren Geräte-Generationen der Taiwaner. Beim Design setzt man bei HTC auf das sogenannte Liquid Surface – und ich kann jetzt schon sagen, dass ich ein Fan dieses Designs bin. Das Glas auf der Vorder- und Rückseite wird durch Erhitzen und Verformung unter hohem Druck gebogen und in seine endgültige Form gebracht. Dadurch hat das Gerät keinerlei scharfe Kanten und liegt dennoch immer gut in der Hand. Die angenehme Form wird durch die gute Verarbeitung des Smartphones ergänzt.

Aber nicht die Form ist der eigentliche Eyecatcher des Geräts, sondern vielmehr die Farbe. Auf der Rückseite hat man durch hochreflektierende Materialien einen Effekt geschaffen, der die Farbe des Gerätes changieren lässt. Je nach Blickwinkel und Lichtsituation ändert sich die Farbe ein wenig. Dabei hat man aber nicht das Gefühl, man schaue auf eine Diskokugel, die Farbänderungen sind vielmehr ein wenig subtiler.

Unser Hands-on Device hatte die Farbe Amazing Silver und auch wenn ich mir normalerweise ein Schmunzeln ob der kreativen Namensgebung von Herstellern nicht verkneifen kann, muss ich diesmal festhalten, dass die Farbe des U11 wirklich etwas besonderes ist. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Anfälligkeit für Fingerabdrücke, doch dieses Schicksal teilt das U11 mit den meisten Flaggschiff-Smartphones unserer Zeit.

Hardware

Der Blick auf die technischen Daten hatte uns ja bereits verraten, dass das U11 eine sehr gute Ausstattung besitzt. Die Variante mit 6GB Arbeitsspeicher und 128GB internem Speicher bleibt zwar vorerst Käufern im asiatischen Raum vorbehalten, aber im Vergleich zur „schwächer“ dimensionierten Variante sollte das eigentlich eher eine Randnotiz sein.

4GB Arbeitsspeicher und 64GB interner Speicher fühlen sich zu keinem Zeitpunkt langsam an und dank erweiterbarem Speicherplatz per microSD-Karte werden auch die Nutzer mit größerem Speicherbedarf zufriedengestellt. Besonders erwähnenswert ist der Einsatz der Hybrid Dual SIM. Falls Ihr also nicht den Speicher per microSD-Karte erweitern sondern lieber eine zweite SIM Karte einsetzen wollt, könnt ihr das mit dem U11 machen. Ich persönlich finde diese Auswahlmöglichkeit gut.

Edge Sense: Smartphone zum Drücken

Eine weitere Besonderheit ist die Edge Sense Technik. Man hat im unteren Bereich des Gehäuserahmens Sensoren untergebracht die registrieren, ob und wie stark ihr das Gerät an den Rändern drückt.

Diese Squeeze-Funktion kann frei konfiguriert werden und ist tatsächlich etwas wirklich Neues. Besonders bei der Kamerabedienung und insbesondere bei Selfies macht das „Squeezen“ wirklich Sinn. Smartphone aus Tasche ziehen, halten und kurz drücken – fertig. Gerade wenn man das Handy weit von sich weg hält gibt es kaum etwas Nervigeres, als mit dem Daumen den Auslöser zu drücken.

Momentan kann das U11 zwischen kurzem Drücken und langem Drücken mit Halten unterscheiden. Das Ausführen ist zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber man hat den Bogen relativ schnell raus. Wie hoch der Alltagsnutzen tatsächlich ist, lässt sich wahrscheinlich erst nach einem etwas längerem Test einschätzen.

USB Type-C und bewusster Verzicht auf 3,5mm-Anschluss

  • Ermöglicht Noise-Cancelling im mitgelieferten Kopfhörer
  • Adapter auf 3,5mm wird mitgeliefert

Auch bei HTC ist man mittlerweile im Zeitalter von USB Type-C angekommen. Normalerweise würde ich an dieser Stelle meine üblichen Bedenken äußern hinsichtlich passender Kabel auf reisen äußern. USB-C ist – ob es uns gefällt oder nicht – mittlerweile eben der neue Standard.

Ein wenig schockiert war ich, weil man nun auch bei HTC auf dem 3,5mm Kopfhöreranschluss verzichtet hat. Anders als bei anderen Herstellern hat man bei HTC jedoch für diesen Entschluss einen guten Grund geliefert (im wahrsten Sinne des Wortes). Im Lieferumfang des U11 befindet sich nämlich ein Noise Cancellation Kopfhörer. Auf den werden wir in unserem Test noch mal ausführlicher eingehen. Da NC-Technik Strom benötigt, haben besonders die In-Ear Varianten sonst oftmals einen hässlichen kleinen Klotz mit im Kabel hängen. Dieser entfällt dank USB-C und so hat man tatsächlich einen Mehrwert durch das Verzichten auf den 3,5mm Kopfhöreranschluss. Falls ihr eure alten Kopfhöhrer weiter nutzen wollt, wird auch ein passender Adapter mitgeliefert.

Display

Das 3D Gorilla Glas Display hat eine Diagonale von 5,5 Zoll und eine QHD Auflösung mit einer Pixeldichte von 539ppi.

Klar – es gibt heute bereits Smartphones mit höherer Auflösung, aber echte Gründe dafür gibt es nicht wirklich. Die Displayhelligkeit ist gut, der Bildschirm lässt sich auch in helleren Umgebungen gut ablesen. Schon beim U10 ist uns aufgefallen, dass die automatische Helligkeitsregelung noch Luft nach oben hat, leider ist das beim U11 immer noch der Fall. Aber dank 3rd-Party Apps wie Lux Lite lässt sich dieses Problem sehr leicht beheben.

Performance? Flott!

Leider müssen wir noch ein wenig warten, bis wir euch einen ausführlichen Perfomance-Test liefern können. Wwir machen uns dank dem 64Bit-fähigen Snapdragon 835 – einem Octa-Core-SoC, dessen Kerne mit bis zu 2,45GHz rechnen – und den 4GB RAM wenig Sorgen über die Leistungsfähigkeit des Smartphones.

Bei unserem ersten Schnelltests hat sich das U11 immer flott angefühlt und ich bin HTC extrem dankbar dafür, dass sie auch weiterhin der Versuchung widerstanden haben, das Gerät mit unnötiger Bloatware zu verlangsamen.

Kamera: HTC U11 neuer Spitzenreiter

Eine der wichtigsten Smartphone-Funktionen heutzutage ist die Kamera. Hier hat HTC ordentlich gearbeitet in den letzten Jahren. Aber es zeichnet sich tatsächlich ab, dass das HTC 11 ein neuer Spitzenreiter in dieser Kategorie werden oder zumindest zu einem der momentanen Marktführer aufschliessen könnte.

Wie wir vorab erfahren konnten, hat man bei Dx0Mark das HTC U11 mit einem Score von 90 bewertet. Das S8 hat „nur“ einen Wert von 88 erreichen können und musste sich damit hinter dem Google Pixel (Score: 89) einordnen. Bei Dx0Mark wird um jeden Punkt hart gekämpft, der Score von 90 ist also wirklich eine Ansage. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir euch leider noch keine Beispielbilder zeigen, da unser Hands-On Modell noch nicht die finale Kamerasoftware aufgespielt hatte.

Was wir wissen ist, dass man weiterhin auf die UltraPixel-Technologie und somit auf besonders große Pixel setzt, die sehr viel Licht aufnehmen können. Hinten, beim 12MP-Shooter sind es 1,4 Mikrometer und auch vorne überzeugt HTC bei der Selfie-Kamera mit 16 Megapixeln. Die Hauptkamera kommt mit einer f/1.7 Blende und einer 4-Achsen Bildstabilsierung. Gerade auf die und die Low Light Möglichkeiten bin ich sehr gespannt.

Wir werden die Beispielbilder schnellstens nachreichen, schon weil der erste Eindruck der Kamera auf uns sehr vielversprechend wirkt.

Audio

Bei HTC war die Audiowiedergabe schon immer ein Highlight. Mit dem BoomSound hat man bereits in der Vergangenheit nahezu jeden Smartphone-Hersteller in die Tasche gesteckt und somit ist auch im U11 der Boom Sound in der Hi-Fi Edition verbaut.

Zum Einsatz kommen wieder zwei Lautsprecher. Der erste der Stereolautsprecher – fungierend als Hochtonlautsprecher – befindet sich oberhalb des Displays, während der zweite an der Unterseite sitzt und sich um die Bässe kümmert. Jeder Speaker hat seinen eigenen Verstärker, so dass jeder Kanal für sich klaren Sound liefert und nicht den Sound-Brei, den man bei Geräten mit nur einem Lautsprecher leider oft bekommt.

Wie schon eingangs erwähnt sind wir besonders gespannt auf die neuen In-Ear Kopfhörer mit HTC USonic Sonar-Gehörvermessung und aktiver Geräuschunterdrückung. Wenn die Kopfhöher wirklich das halten was versprochen wird, dann bieten Sie einen echten Mehrwert.

HTC U11 – Software

Nicht viel geändert hat sich bei der Philosophie bezüglich der Software. Hier setzt HTC auf das neuste Android 7.1 und genauso selbstverständlich setzt man darauf die eigene Sense UI auf. Der Nutzer profitiert also sowohl von den neuen Android-Möglichkeiten als auch von den Ideen, die HTC selbst im Gerät unterbringen konnte. Ansonsten ist Sense weitestgehend unverändert im Look and Feel, verglichen mit den Vorgängern. Alles wirkt aufgeräumt und klar, mit einem Wisch nach links oder rechts ruft ihr den BlinkFeed oder die anderen anpassbaren Panels auf.

Weiterhin habt ihr die Möglichkeit, euer Smartphone sehr stark zu personalisieren. Was das Design angeht, habt ihr Zugriff auf die HTC Themes, wo ihr euch unzählige neue Designs downloaden könnt. Unter anderem habt ihr die Möglichkeit, mit dem Journey-„Theme“ mehr Pfiff auf den Screen zu zaubern, wenn zum Beispiel aus dem Chrome-Icon ein Ballon wird, oder aus dem Kamera-Symbol ein Martini-Glas. Diese und weitere Sticker können dann beliebig auf dem Display platziert werden, so dass ihr ein sehr ungewöhnliches Theme erhaltet. Das alles ist nicht wirklich neu und fällt für mich eher in die Kategorie Spielerei, aber für ein oder anderen mag das Interessant sein.

Akku

Was den Akku angeht, so wird ein 3.000mAh Akku verwendet, Quick Charge 3.0 wird unterstützt. Ob wir damit auch wieder an die effektive Nutzbarkeit von 2 Tagen – wie beim Vorgänger HTC 10 – kommen, wird sich erst im Alltagstest zeigen. Grundsätzlich sind wir aber vorsichtig optimistisch, dass diese guten Werte mit dem energieeffizienten Snapdragon 835 auch wieder erreicht werden können.

Preis, Verfügbarkeit und Zwischenfazit

Mit dem U11 geht es um nicht weniger als die Zukunft von HTC. Das Gerät kommt in Deutschland zu einem Preis von 749 EUR auf den Markt. Von der technischen Ausstattung her liegt das HTC U11 auf Augenhöhe mit Samsung, LG und Apple. Gerade aus diesem Grund hätte ich mir persönlich dann doch gewünscht, dass man das Gerät durch einen noch niedrigeren „Kampfpreis“ für die Kunden interessanter gemacht hätte.

Durch den mitgelieferten NC-Kopfhöher bietet man den Kunden allerdings einen echten Mehrwert, den es in dieser Form bei anderen Herstellern nicht gibt. Gute Kopfhörer mit NC liegen schon mal im Bereich von 100€ und mehr, diese Summe müsste man genaugenommen abziehen. Sehr gute NC-Kopfhöher sind sogar deutlich teurer. Es könnte also sein, dass man hierdurch etwas geboten kommt, was den Preis durchaus wieder attraktiv(er) macht bzw. relativiert.

Farblich und vom Design her haben mir alle Varianten sehr gut gefallen. Die Optik und die Haptik machen das Gerät schon zu etwas besonderem. Das Gerät kommt in den Farbvarianten Amazing Silver, Brilliant Black, Saphire Blue und Ice White zum noch nicht definitiv bekannten Starttermin in den Handel. Die unglaublich schöne Farbvariante Solar Red erscheint leider erst zum Sommer.

Weiterlesen:

Sobald wir das HTC U11 etwas ausführlicher testen konnten, werden wir unseren Bericht entsprechend erweitern und Benchmarks und Bilder nachreichen. Im Moment können wir aber schon sagen, dass wir uns darauf freuen das sich HTC mit einem starken Gerät zurückmeldet und wieder Anspruch darauf erhebt ganz vorne mitzuspielen.