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Google Nexus 9 Test – HTCs Android 5.0 “Lollipop” Tablet

Das Google Nexus 9 von HTC ist nicht nur der Aufbruch in eine neue Ära für das Betriebssystem Android, sondern auch für seinen Hersteller. Wir haben uns das neue 8,9-Zoll-Tablet und Flaggschiff für Android 5.0
von Roland Quandt am 16. Dezember 2014

Mit dem Nexus 9 hat Google zusammen mit HTC pünktlich zum Launch von Android 5.0 „Lollipop“ das erste Nexus-Tablet mit 8,9-Zoll-Display auf den Markt gebracht, das obendrein auch noch im 4:3-Format daherkommt. Gleichzeitig verabschiedet man sich von der Idee, dass „Google-Tablets“ grundsätzlich auch mit einem niedrigen Preis auf sich aufmerksam machen sollten. Mit einem Einstiegspreis von 399 Euro für die einfachste Version sind die Kosten in Zeiten, in denen Apples günstigstes iPad Air 2 für 489 Euro zu haben ist, vergleichsweise auf einem identischen Niveau angekommen. Man will also im Grunde durchaus Premium-Qualität bieten, was auch durch das für ganze 649 Euro angekündigte Nexus 6 von Motorola unterstrichen wird.

Hardware

Technisch bietet HTC mit dem Nexus 9 deshalb auf den ersten Blick durchaus einiges, denn es kommt erstmals ein 64-Bit-fähiger ARM-Prozessor vom Typ Nvidia Tegra K1 „Denver“ mit zwei bis zu 2,5 Gigahertz schnellen Kernen und einer leistungsstarken Grafikeinheit auf Basis der Nvidia „Kepler“-Architektur mit 192 Kernen zum Einsatz. Hinzu gibt es zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, 16 oder 32 GB Flash-Speicher – wie bei Nexus-Devices üblich ohne Erweiterungsmöglichkeit. Gigabit-WLAN nach dem 802.11ac-Standard, Bluetooth 4.0, NFC und optionales LTE mit bis zu 150 MBit/s sind ebenfalls geboten. Das 8,9-Zoll-Display löst mit 2048×1536 Pixeln ebenfalls hoch auf. Es besitzt eine Abdeckung aus widerstandsfähigem Gorilla Glass 3 von Corning. Hinzu kommt ein Gehäuse mit Metallelementen, wobei sich diese auf den Rahmen beschränken.

Die mit acht Megapixeln angenehm hochauflösende Kamera hat eine F/2,4-Blende und es gibt einen Autofokus sowie einen Blitz. Auf der Front sitzt zusätzlich auch noch eine 1,6-Megapixel-Kamera und es gibt zwei auf die Front gewanderte Lautsprecher, die HTCs BoomSound bieten sollen. Wer den Speicher aufstocken will, muss einen Aufpreis von 90 Euro berappen, was für die Verdopplung um weitere 16 GB doch ein stolzer Preis ist, auch wenn das Nexus 9 von HTC damit immer noch 10 Euro unter dem günstigsten 9,7-Zoll-Modell des Tablet-Marktführers Apple bleibt. Soll es auch noch LTE-Unterstützung sein, muss man sogar auf 559 Euro aufstocken, denn den schnellen mobilen Datenfunk gibt es nur bei der 32-GB-Variante als Option.

Insgesamt sind also eigentlich alle Voraussetzungen für ein ideales Tablet mit reinem Android gegeben… wenn der Preis doch bloss etwas niedriger wäre. Doch mit „billig, billig“ ist es bei den Nexus-Smartphones und -Tablets wohl vorerst vorbei.

 

Design & Verarbeitung

Das Nexus 9 sieht aus wie ein Stealth-Bomber – zumindest in der von mir getesteten grau-blauen Version, denn diese erinnert mit ihrer leicht geschwungenen Rückseite, der dennoch kantigen Form und dem dunklen Metallrahmen irgendwie schon ein bisschen an das berühmte US-amerikanische Flugzeug. Der Metallrahmen wirkt hochwertig, hätte aber wohl ohne Lack wie bei den anderen Farbvarianten „Weiß“ und „Sand“ noch ein bisschen besser ausgesehen. Der Rand ist aber auch das einzige Metallelement am ganzen Gerät, denn die Rückseite besteht aus recht dünnem Polycarbonat.

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Die Plastikabdeckung der Rückseite fühlt sich durchaus gut an, denn der weiche Kunststoff hat eine angenehme Oberfläche, die guten Grip bietet. Obwohl die Oberfläche matt ist, ist man beim Nexus 9 keineswegs gegen Fingerabdrücke auf dem Rücken gefeit – schnell haben sich die ersten Fettspuren festgesetzt, doch gerade wegen des Materials lassen sich diese auch schnell wieder mit dem Textil der Wahl abrubbeln – was auch zuverlässig klappt. Kratzer hat das Gerät während unseres Tests nicht abbekommen, die Rückseite scheint also zumindest in dieser Hinsicht recht widerstandsfähig zu sein.

Die Wahl des Gehäusematerials auf der Rückseite hat somit ihre Vor- und Nachteile, doch ein kleines Problem gibt es: zwar finden sich auf der Innenseite laut diversen Teardowns entsprechende Stege, die für Stabilität sorgen sollen, doch reicht dies scheinbar nicht aus. Je nach Gerät lässt sich die Rückseite nämlich dennoch mehr oder weniger stark eindrücken. Sie ist so dünn, dass sie schon bei leichtem Druck nachgibt, was man von einem Gerät dieser Preisklasse nicht unbedingt erwarten würde. Man sollte allerdings die Kirche im Dorf lassen, denn beim zweiten mir vorliegenden Gerät gibt das Cover wie beim ersten Modell ebenfalls nur einen, maximal zwei Millimeter nach, so dass dies wirklich nur auffällt, wenn man explizit versucht, Druck auf die Rückseite auszuüben und dies beobachtet. Das neue Nexus-Tablet ist trotz des Metallrahmens nicht sonderlich verwindungssteif, denn es lässt sich recht leicht quer bieten. Dies hat auch Auswirkungen auf das Display, doch dazu später mehr in diesem Testbericht.

Die Kamera mit ihrem Metallrahmen, deren Aussehen schon stark an das Nexus 5 erinnert, steht wegen ihrer Position am Rand des Geräts leicht aus dem Gehäuse heraus, weil das Nexus 9 an den Rändern dünner wird. Allerdings gibt es kein Wackeln beim Ablegen des Geräts, denn sie ragt nicht über die Gesamtdicke des eigentlichen Gehäuses hinaus.

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Die seitlich am Übergang zwischen Metallrahmen und Rückseite platzierten Tasten für Lautstärke und Power sind kein Highlight, denn soweit ich dies nachvollziehen kann, sind sie nicht aus Metall gefertigt und außerdem auch noch etwas wacklig angebracht.

Gerade der Ein- und Ausschalter ist schwer zu finden, weil die Tasten allesamt nicht gerade weit aus dem Gehäuse herausstehen. Hinzu kommt, dass der Power-Button praktisch frei von einem klaren Druckpunkt ist, so dass man beim Drücken sozusagen undefiniert am Gehäuse herumwurstelt, bis irgendwann das Display angeht. Es gibt allerdings einen entscheidenen Punkt beim Nexus 9, der dafür sorgt, dass man den Power-Button eigentlich nur im Notfall drücken muss – es gibt hier die Unterstützung für Double-Tap-to-Wake, also die Möglichkeit, das Tablet durch zweifaches Tippen auf das Display aus dem Standby zu holen. Allein weil dieses Feature vorhanden ist, ist es mir eigentlich egal, wie lasch der Power-Button ist, ich brauche ihn schlichtweg nur höchstselten – was irgendwie auch für die Lautstärkewippe gilt, denn meist regele sich die Lautstärke bei Tablets ohnehin per Schieberegler auf dem Display.

Dank einer entsprechenden Beschichtung des Gorilla Glass wird die Anfälligkeit für Fingerabdrücke etwas reduziert. Interessant sind die schmalen Auslässe für die beiden Frontlautsprecher, die sich leider recht zügig mit allerhand Staub füllen können, weil es hier keinen Grill oder eine anderweitige Abdeckung gibt. Wischt man etwas von all dem Staub, der sich natürlich gern auf der vollkommen schwarzen Front ohne etwaiges Herstellerlogo ansammelt, an der falsche Stelle Richtung Rand, landet er zügig in den Lautsprecherauslässen.

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Dies mag jetzt vielleicht etwas neurotisch klingen, doch letztlich sind es solche Details, auf die es bei einem guten Design ankommt. Die Platzierung der Lautsprecher auf der Front ist natürlich genial, denn so bekommt man beim Medienkonsum immer direkt den Sound ab und es gibt keine Probleme durch eventuelles Verdecken der Speaker beim Ablegen des Tablets. Probleme mit einem möglicheen Verdecken der Lautsprecher mit dem Handballen beim Halten im Querformat hatte ich persönlich nicht, denn normalerweise greift der Daumen in einem solchen Fall ohnehin über die Speaker hinweg.

Optisch ist das Nexus 9 eigentlich schon attraktiv und passt mit seinen klaren Formen, wenig Schnörkeln und dem modernen Look ohne jegliche auffällige Merkmale wohl sehr gut in Googles Konzept, das man mit dem neuen Material-Design einführt. Manchem Nutzer mag die Optik vielleicht etwas zu reduziert sein, doch letztlich geht es bei diesem Gerät nicht um die an sich durchaus interessante Hardware, sondern viel mehr um das Betriebssystem, welches es zur Schau stellen soll. Statt Bling-Bling à la Apple und Samsung, wird hier also auf maximales Understatement gesetzt – zumindest bei der grauen Version.

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Das Nexus 9 lässt sich mit seinen schmalen Rändern links und rechts vom Display gut in der Hand halten, wenn man denn genug Spannweite hat. Die Form der Kanten sorgt dafür, dass das Gerät sicher in der Hand liegt, was auch noch von der griffigen Rückenabdeckung verstärkt wird. Insgesamt wirkt das Gerät recht kompakt wobei natürlich immer Spielraum für eine noch schmalere Bauweise vorhanden ist. Das Gewicht fällt mit 425 Gramm jetzt nicht unbedingt gering aus, aber auch nicht aus dem Rahmen. Sonderlich leicht wirkt das Gerät freilich nicht, was aber auch seinen Teil zum hohen Qualitätseindruck beiträgt.

Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut, denn Spaltmaße oder Unebenheiten ließen sich im Test nicht feststellen – wenn man vom leicht Nachgeben der Rückseite absieht. Auch auf der Front gibt es keine erkennbaren Schwachstellen in Sachen Qualität, denn das Cover-Glass liegt überall gleichmäßig auf. Man merkt also durchaus, dass die Fertigung bei HTC erfolgt – wobei es hier wohl keine Auslagerung zu einem chinesischen Vertragsfertiger gibt, sondern eine Produktion in den taiwanischen HTC-Werken oder einem Standort eines dort ansässigen Partners erfolgen dürfte, wie auch die entsprechenden Zahlen des Barcodes der verschiedenen Nexus 9-Varianten nahelegen.

 

Performance

Der Nvidia Tegra K1 „Denver“ ist die 64-Bit-Version des K1 aus der Chipschmiede von Jen-Hsun Huang und Co, die mit zwei ARMv8-kompatiblen Kernen aufwartet. Ja, es sind tatsächlich nur zwei Kerne, doch dennoch erzielt der Chip enorme Leistungswerte, zumindest in den meisten Benchmarks. Aktuell bewegt sich das Nexus 9 zum Beispiel an der Spitze der Charts bei AnTutu und lässt damit Chips wie den Qualcomm Snapdragon 805 hinter sich. Im Vergleich zum Apple A8X, bei dem es sich ebenfalls um einen 64-Bit-fähigen Dualcore-SoC handelt, zieht der K1 aktuell noch den kürzeren, denn ausgerechnet bei der Grafikleistung hat er in den meisten Tests das Nachsehen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Nvidia-SoC in irgendeiner Hinsicht schwächelt, denn Leistung hat der Chip wirklich fast „ohne Ende“.

Interessanterweise wird im Nexus 9 das Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft, denn der Maximaltakt des Tegra K1 „Denver“ wird mit immerhin 2,5 Gigahertz angegeben. Im Nexus 9 läuft er aber „nur“ mit maximal 2,3 Gigahertz, wobei die Gründe für diese leichte Absenkung der Höchstfrequenz offen sind. Denkbar wäre, dass Nvidia und HTC damit versuchen, die optimale Balance zwischen Laufzeit und Leistung aufrecht zu halten. Vielleicht hat es aber auch etwas damit zu tun, dass der Prozessor teilweise sehr warm werden kann – ein Problem, das bei anderen Nvidia-SoCs schon früher auftrat. Im Bereich unterhalb der Kamera gelangt die Abwärme des Prozessors an die Oberfläche, so dass die Rückseite teilweise überraschend warm werden kann. Generell scheint es aber keine Probleme mit Überhitzung zu geben, denn auch nach vielen Tests und langer Belastung blieben die Benchmark-Ergebnisse weitestgehend konstant.

Performance Im Alltag

Im Alltag äußert sich die Leistungsstärke des Nvidia-Prozessors unter anderem in einem flüssigen Betrieb. Natürlich trägt auch hier die neue Android-Oberfläche ihren Teil bei, doch generell gab es nur höchst selten Punkte, an denen der K1 scheinbar an seine Grenzen stieß. Im Browser blieb trotz mehrerer Tabs und einiger im Hintergrund geöffneter Anwendungen alles reibungslos, wobei natürlich zu bedenken ist, dass Chrome viele Inhalte erst nachlädt, wenn sie angezeigt werden sollen – beim Scrollen kommt es also durch den Browser vielleicht zu kleinsten Rucklern, doch diese fallen eigentlich nicht auf. Auch in Spielen gab es wegen der reinen Leistung der CPU und ihrer integrierten „Kepler“-Grafik keine Probleme, so dass alle von mir getesteten Titel einwandfrei ihren Dienst taten – und dies auch bei maximalen Grafikeinstellungen.

Insgesamt gibt es in Sachen Leistung hier rein gar nichts zu meckern, denn der Nvidia-Chip zeigt einmal mehr, dass seine Entwickler dem eigenen Anspruch, die schnellsten ARM-Prozessoren durchaus gerecht werden können. Die in den ersten Reviews aus den USA beschriebenen Probleme mit einer hohen aber irgendwie schwankenden Performance konnte ich nicht nachvollziehen. Dazu ist aber anzumerken, dass seit der Veröffentlichung dieser offenbar mit einer nicht finalen Software durchgeführten Tests bereits ein großes und ein kleines Update für Android 5.0 „Lollipop“ veröffentlicht wurden. Diese scheinen also die früheren Probleme aus der Welt geschafft zu haben, denn während in diesen frühen Tests teilweise von längeren Ladezeiten die Rede war, war ich hocherfreut, wie schnell zum Beispiel 3DMark auf dem Nexus 9 geladen wird.

Display

Das 8,9-Zoll-Display des Google Nexus 9 ist ein insgesamt durchaus gutes IPS-LCD, welches in dem bei Android-Tablets noch etwas ungewöhnlichen 4:3-Format gehalten ist. Das Panel bietet bei einer Auflösung von 2048×1536 Pixeln eine Pixeldichte von recht ordentlichen 264 PPI, auch wenn es natürlich Geräte mit höherer Pixeldichte gibt. Die Inhalte auf dem Bildschirm wirken stehts angenehm scharf und es sind nur bei genauer Betrachtung kleine Treppchen bei Schriften zu erkennen. Das Dispay kann vor unter anderem mit seiner hohen Leuchtkraft punkten. Die Hintergrundbeleuchtung sorgt dafür, dass das Display mit rund 460 Candela heller sein kann als die meisten anderen aktuellen Flaggschiff-Tablets. Im Freien lässt sich das Panel daher auch bei Sonnenlicht gut ablesen. Die Reflexionen halten sich in Grenzen und der recht hohe Kontrastwert trägt mit zur guten Ablesbarkeit im Freien bei.

Die Blickwinkelabhängigkeit ist beim Nexus 9 angenehm gering, so dass die Bildschirminhalte aus jeder Richtung auch von der Seite gut ablesbar sind. Einen Farbschleier, der sich bei geneigtem Display über das Display legt, gibt es bei diesem Gerät nicht. Die Farbtemperatur ist relativ nah an der Realität, während die Farbwiedergabe ebenfalls weitestgehend korrekt erfolgt. Die Farben wirken insgesamt zwar satt, aber nicht übertrieben, so dass man sich in den meisten Fällen darauf verlassen kann, dass bei Fotos die gezeigten Farben auch der Realität entsprechen.

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Leider ist aber beim Nexus 9 eben nicht alles Gold, was glänzt. So handelt es sich bei der verwendeten Kombination aus Display und Touch-Panel nicht um ein Glass-on-Glass-Design. Es gibt also einen kleinen Luftspalt zwischen Display und Display-Abdeckung, so dass die Reflexionen nicht so gering ausfallen, wie es eigentlich möglich wäre. Dies lässt sich jedoch gut verschmerzen, schließlich ist der Lufteinschluss vergleichsweise gering und hat nur geringen Einfluss.

Lichthöfe dämpfen die Freude etwas

Viel störender ist ein anderer Aspekt, den wir hier bei MobileGeeks.de auch schon relativ ausführlich besprochen haben. Das Display des Nexus 9 weist in vielen Fällen Lichthöfe auf. Dies bedeutet, dass bei dunklen Hintergründen das LED-Backlight an den Rändern des Displays stellenweise unterschiedlich stark durchleuchtet. Diese hellen Flecken können störend wirken. Wenn man sich auf dem 4:3-Display einen Film im 16:9-Format ansieht, denn sollten die Ränder eigentlich möglichst schwarz sein – durch das Durchscheinen der Hintergrundbeleuchtung ist dies aber nicht immer der Fall. Viele Tablets – auch die von Apple – weisen den gleichen Effekt auf, doch eigentlich würde man bei einem Gerät dieser Preisklasse davon ausgehen, dass der Hersteller die zu verbauenden Displays bewusster wählt oder zumindest bei der Qualitätskontrolle Gegenmaßnahmen ergreift.

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Übrigens habe ich mein Gerät zwischenzeitlich umgetauscht und mir dabei von den Idioten bei Media Markt am Berliner Alexanderplatz reichlich Frust und eine generelle Kundenunfreundlichkeit geben lassen. Einer der „Kollegen“ klagte sogar darüber, dass er dringend einen anderen Job brauche. Dem kann ich mich nur anschließen. Allerdings kann ich nachvollziehen, dass die Umtäusche lästig sind, denn es waren nicht weniger als drei Stationen, ein fünfseitiger Stapel Papier und eine runde halbe Stunde nötig, bis ich endlich ein Ersatzgerät in der Hand hatte – bei dem die Lichthöfe weiterhin aber an anderer Stelle vorhanden sind.

Natürlich ist es von diversen Faktoren abhängig, ob der Nutzer von den Lichthöfen etwas merkt, denn im Regelbetrieb sind sie nicht sichtbar, bildschirmfüllende Inhalte natürlich vorausgesetzt. Außerdem fällt das Problem nur dann deutlich auf, wenn die Hintergrundbeleuchtung nicht automatisch geregelt wird. Doch gerade dies ist beim Nexus 9 ebenfalls nicht ideal gelöst. Zumindest mit der bei unserem Gerät verwendeten aktuellen Android-Build LR21X regelt die Automatik sehr nervös und sorgte bei mir schnell dafür, dass ich das Panel dann doch lieber von Hand heller oder dunkler einstellen wollte. Auch dieses Problem haben viele Geräte, aber mich nervt es einfach nur noch extrem.

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Trotz meiner augenscheinlichen Kritik am Display des HTC Nexus 9 muss klar sein, dass es sich um einen guten Bildschirm handelt, der immer noch deutlich besser ist, als manches andere Tablet-Panel. Ausreichende Schärfe, ordentliche Helligkeit, guter Kontrast, angenehme Farbtemperatur und geringe Blickwinkelabhängigkeit sind allesamt deutlich überwiegend positiv, so dass die Probleme mit dem Light-Bleed da bleiben, wo sie herkommen – im Hintergrund. Habe ich schon erwähnt, dass das Nexus 9 durch Doppeltippen auf das Display aufgeweckt werden kann? Ja, aber ich weise trotzdem nochmal darauf hin, denn diese Funktion sollten bitteschön alle Hersteller einführen. Wenn sich das Gerät dann auch noch durch erneutes Doppeltippen wieder schlafen legen würde, wäre dies ideal, doch soweit ist man beim neuen Nexus-Tablet eben noch nicht.

 

Speicher (ein kleiner Rant)

Der Speicher, das alte Leid der Nexus-Reihe. Warum Google und HTC das Nexus 9 nur in Varianten mit 16 oder 32 Gigabyte Speicher anbieten, wird wohl ewig ihr Geheimnis bleiben. Natürlich wird der interne Speicher für viele ausreichend sein, doch es kommt ganz auf die Art der Nutzung an. Wer mit dem Nexus 9 nur YouTube-Videos schauen, im Web surfen, Social-Media-Quellen nutzen und vielleicht einfache Spiele nutzen will, kommt auch mit der 16-Gigabyte-Version aus. Auch die Verwendung als eine Art Schreibmaschine für Blogger & Co geht sicherlich in Ordnung, auch wenn wir dies mangels Verfügbarkeit des Keyboard-Folios bisher noch nicht ausprobieren konnten.

Geht es allerdings darum, das HTC Nexus 9 Tablet wirklich universal einzusetzen, also neben den eben genannten Aufgaben auch noch Filme für eine lange Reise darauf zu speichern, eine kleine Musikbibliothek abzulegen oder auch eine Ladung Spiele mit sich zu führen, die über reines Casual-Gaming à la Candy Crush hinausgehen, dann wird mindestens die 32-GB-Version fällig. Damit steigt allerdings auch der Preis kräftig an, denn HTC und Google verlangen in diesem Fall stattliche 90 Euo Aufpreis nur für die Verdopplung des Speichers – 16 Gigabyte mehr Flash-Speicher waren selten so teuer. Naja, das gab es schon öfter, doch gerade in der Android-Welt würde man meinen, dass sich die Hersteller – vor allem bei einem Nexus – von diesem, mit Verlaub, Schwachsinn verabschiedet hätten. Aber nein, auch im Jahr 2014 versucht man es hier mit einer Preisgestaltung, die vor fünf Jahren vielleicht noch akzeptiert worden wäre (oder bei Apple) – eine absolute Frechheit.

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In diese Kategorie fällt auch Googles schwachsinnige Meinung, der User von heute könne ja seinen Content aus der Cloud holen oder dort unterbringen und deshalb auf einen MicroSD-Kartenslot verzichten. Was beim Nexus 4 oder 5 vielleicht aufgrund der niedrigen Preise noch zu verschmerzen gewesen wäre, fühlt sich beim Nexus 9 einfach nur wie eine unnötige Gängelung durch den allmächtigen Internetkonzern an, denn schließlich ist der Preisvorteil gegenüber der massenhaft verfügbaren Konkurrenz hier einfach nicht mehr gegeben. USB-OTG wird vom Nexus 9 zwar unterstützt, doch wer fuchtelt schon gern mit einem USB-Stick und am besten auch noch dem nötigen Adapterkabel herum, nur um mit dem schmalen internen Speicher seines Tablets zu haushalten.

Sorry, aber dafür gibt es einfach nur den dicken fetten Fail-Stempel aufgedrückt, denn so etwas kann einfach nicht sein. 16 GB Speicher ohne Möglichkeit zur Erweiterung mögen vielleicht bei einem Smartphone noch zu verschmerzen sein, doch bei einem Produkt wie diesem, das als Tablet definitiv auf Entertainment-Zwecke und den Konsum von Inhalten ausgelegt ist, ist dies, wie erwähnt, einfach nur dreist. Um mal genaue Daten zu nennen – direkt nach der Inbetriebnahme des Nexus 9 stehen dem Nutzer bei der 16-GB-Version genau 11,05 GB verbleibender Speicherplatz zur Verfügung. Bei meinem Modell wurden im Rahmen des Tests einige Benchmark-Apps und Spiele wie Grand Theft Auto 3 installiert und es verbleiben aktuell noch 6,6 Gigabyte. Wenn man nun bedenkt, dass viele Spiele heutzutage gern mal einen oder mehr Gigabyte belegen, wird schnell klar, dass es sehr schnell eng werden dürfte.

So, Rant beendet. Die zwei Gigabyte Arbeitsspeicher sind sicherlich vollkommen ausreichend. Vielleicht hätte man dem Nexus 9 aber ein Alleinstellungsmerkmal geben können, das zu den Fähigkeiten des hier verwendeten 64-Bit-fähigen Prozessors gepasst hätte – wie wär’s mit vier GB RAM ;)

 

Sound

HTC hat dem Nexus 9 zwei BoomSound-Lautsprecher verpasst, die im Grunde aber auch nichts weiter sind als Front-Speaker, die in Richtung des Nutzers abstrahlen. Sie bieten insgesamt einen durchaus guten Sound, wobei anders als bei vielen anderen Tablets mit ähnlichem Design sogar etwas mehr von tiefen Tönen zu hören ist. Ganz nach Musikrichtung kann es aber vorkommen, dass die Lautsprecher dann doch etwas verwaschen klingen. Der Sound ist durchaus brauchbar und klingt warm und meist angenehm. Die Lautstärke ist häufig beeindruckend und gerade bei Filmen können die Speaker durchaus überzeugen.

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Natürlich handelt es sich bei den Lautsprechern des Nexus 9 aber weiterhin um zwei vergleichsweise kleine Quäker, was die Lautstärke und Qualität des Tons aber um so beeindruckender macht. Meiner Meinung nach ist das Gerät eines der am besten klingenden Tablets, die derzeit auf dem Markt sind. Es lässt Konkurrenten wie das iPad Air oder die Modelle der Samsung Galaxy Tab S Serie in dieser Hinsicht alt aussehen, auch wenn die Audioqualität nicht ganz an die des HTC One M8 heranreicht. Wer übrigens befürchtet, die Lautsprecher könnten beim Spielen im Querformat verdeckt werden, braucht sich in dieser Hinsicht wohl keine Sorgen machen. Weil das Tablet im 4:3-Format gehalten ist, greift man das Gerät meistens so, dass genug Abstand nach oben bleibt, wenn man die am unteren Bildschirmrand angeordneten Bedienelemente der Spiele nutzt.

 

Kamera

Auf dem Papier klingt die Kamera des HTC Nexus 9 gut, denn sie sollte mit ihre acht Megapixeln, dem Autofokus und F/2.4-Blende eigentlich in der Lage sein, ordentliche Fotos anzufertigen. Das gelingt ihr im Test auch streckenweise, die bei hellem Tageslicht angefertigten Fotos sehen ordentlich aus und sind gleichmäßig scharf. Natürlich gibt es auch hier wieder das alte Problem, dass die Bildqualität bei abnehmender Ausleuchtung rasch abnimmt, so dass auch manchmal schon bei nicht ganz ausreichender Innenbeleuchtung ein deutliches Rauschen zu erkennen war.

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Der Autofokus arbeitet für meinen Geschmack ausreichend schnell und insgesamt sehen die Bilder in den meisten Fällen ordentlich aus. Es handelt sich um eine Tablet-Kamera – die keineswegs den Anspruch hat, besondere Leistungen zu vollbringen. In gewisser Weise setzt Google hier die Tradition der etwas enttäuschenden Kameras seiner Nexus-Geräte fort, denn auch schon beim Nexus 4 und 5 waren die Knippsen jeweils keine Meisterleistungen.

Das Nexus 9 bringt aufgrund der Verwendung der Stock-Version von Android 5.0 natürlich die Standard-Kamera-App von Google mit. Diese bietet im Vergleich zu den Cam-Apps der Gerätehersteller einen erheblich geringeren Funktionsumfang. Die Software ist leider auch etwas verschachtelt, so dass manche Einstellungen nur schwer zu finden sind. Erst wenn man sich ein bisschen durch die Oberfläche gearbeitet hat, stößt man auf den Punkt „Erweitert“, hinter dem sich die Möglichkeit zur Aktivierung der Funktion für die manuelle Regelung der Belichtung versteckt.

Insgesamt kann man nur einige wenige Einstellungen verändern. So lässt sich zwar die Auflösung festlegen, es gibt einen Selbstauslöser und natürlich die typischen Foto-Features wie Photo Sphere und Panorama, doch im Grunde war es das auch schon wieder. Die Kamera auf der Rückseite mit ihren genau genommen 8,1 Megapixeln liefert nur im 4:3-Format hochauflösende Bilder, denn erst wenn man die Auflösung auf 2,1 Megapixel reduziert sind Aufnahmen im 16:9-Format möglich. Ein besonders leistungsfähiger Sensor ist hier also definitiv nicht verbaut, auch wenn natürlich Videoaufnahmen mit Full-HD-Auflösung möglich sind.

 

Software

Nexus. Das sagt eigentlich schon alles, wäre da nicht das neue Android 5.0 „Lollipop“. Der Kunde bekommt beim HTC Nexus 9 natürlich Android in absolut unveränderter Reinform, was auch für die hier verwendete neueste Ausgabe von Googles mobilem Betriebssystem gilt. Das Tablet dient natürlich vor allem dazu, die Fähigkeiten und das Design von Android 5.0 in den Mittelpunkt zu rücken. Funktionell gibt es bei der fünften Version diverse Neuerungen, auf die an anderer Stelle einzugehen ist. Das Nexus 9 macht jedenfalls in Sachen Interface eine gue Figur, bringt es doch eine mehr als ausreichende Hardware-Basis mit, die dafür sorgt, dass all die schönen neuen Effekte des „Material-Design“ bestens zur Geltung kommen und vollkommen flüssig dargestellt werden.

Man merkt dem neuen Android 5.0 aber an, dass es sich um die erste Ausgabe einer neuen Major-Version handelt, denn Google hat hier wohl einiges ungeworfen, neu gestaltet, überdacht und anders umgesetzt. Das bedeutet aber auch, dass es hier und da noch Dinge gibt, die unausgereift wirken, denn manchmal flackert die UI etwas und eine Animation läuft nicht ganz so ab wie sie sollte. Dies tritt allerdings höchst selten auf und sollte keineswegs als Grundlage für die Meinungsbildung zu den Fähigkeiten des neuen Betriebssystems dienen. Mit raschen Updates dürfte Google solche Probleme gerade bei diesem Nexus-Device natürlich schnell aus der Welt schaffen können.

Bis die App-Entwickler ihre Produkte entsprechend anpassen, gibt es auch beim Nexus 9 unter Android 5.0 weiterhin viele Fälle, in denen man deutlich merkt, dass die meiste Software für Android noch immer für Smartphones und ihre deutlich kleineren Displays entwickelt wird. Dementsprechend gibt es (noch) viele Apps in denen das Interface „aufgeblasen“ wird, um die bei Tablets zur Verfügung stehende Bildfläche abzudecken. Daraus entsteht häufig freie Fläche, was zwar nicht unbedingt stört, aber doch die fehlende Anpassung offenbar werden lässt. Google hat ja entsprechende Werkzeuge und eine umfangreiche Dokumentation zur Verfügung gestellt, so dass man nun darauf hoffen kann, dass dieses kleineren Problem mit der Zeit verschwindet, wenn die App-Entwickler ihre Software für „Lollipop“ aktualisieren.

Wer aktuell Android 4.4 „KitKat“ oder darunter einsetzt, wird sich wahrscheinlich erst ein wenig an die neue Optik gewöhnen müssen, zumindest war es bei mir so. Gerade Dinge wie der etwas fragwürdige Ansatz, das von oben hereinwischbare Notification-Center bzw. die eigentlich ja zum möglichst schnellen Zugriff gedachten Schnelleinstellungen zweistufig zu gestalten, werden hoffentlich von Fricklern wie dem CyanogenMod-Team recht zügig in Angriff genommen. Ich würde mir da mehr Individualisierungsmöglichkeiten wünschen, denn ich mag den Umstand, dass unter Android 4.x die Quick-Settings und Notifications mit einem einzelnen „Swipe“ eingesehen werden können. Der frische Wind des Material-Designs.

 

Akkulaufzeit

In Sachen Laufzeit gibt es am Nexus 9 absolut gar nichts auszusetzen. Das Gerät hat einen mit 6700mAh „normalgroßen“ Akku an Bord, der dafür sorgt, dass das Tablet beim Test mit dem Battery Tester Tool unserer US-Kollegen vom LaptopMag fast neun Stunden durchhält. Dabei war die Helligkeit auf 70 Prozent eingestellt, so dass der erzielte Wert von jeweils rund 8:50 Stunden sehr ordentlich scheint – denn das Nexus 9 hat ein im Vergleich zu anderen Geräten sehr helles Display. Das heißt, dass auch einiges an Energie für die helle Beleuchtung benötigt wird, so dass sich dies natürlich direkt auf die Laufzeit auswirkt. Dreht man die Helligkeit auf 50 Prozent, was wohl immer noch rund 250 Candela entsprechen dürfte, steigt die Laufzeit beim Websurfen auf über 10 Stunden. Genau dieses Nutzungsszenario liegt dem von uns verwendeten Battery Tester übrigens zugrunde – es werden rund 50 verschiedene Websites automatisiert per WLAN angesurft und zwar so lange, bis sich das Tablet mangels Energie abschaltet (Akkustand 1%).

Im Alltag hält das Nexus 9 angenehm lange durch, so dass man wohl bei einer moderaten Nutzung mit drei bis vier Stunden eingeschaltetem Display über mehrere Tage damit hantieren kann, um im Web zu surfen, Videos zu schauen und Social-Networking-Updates zu empfangen. Geht es daran, das Tablet für Spiele zu verwenden, geht die Laufzeit natürlich erheblich zurück. Der Tegra K1 „Denver“ hat viel Leistung, doch diese hat eben auch ihren Preis, denn es wird auch viel Energie benötigt, um diese Bereitzustellen. Nutzt man also aufwändige Spiele, fällt die Laufzeit auf maximal vier bis fünf Stunden bei einer Helligkeit von rund 70 Prozent, was letztlich dem entspricht, was man von anderen Tablets und Smartphones mit aktuellen High-End-SoCs gewohnt ist. HTC gelingt es beim Nexus 9 also, eine gute Mischung aus langer Laufzeit und maximaler Performance zu bieten.

Fazit

Wie unser Test zeigt, gelingt HTC im Grunde der Wiedereinstieg in den Tablet-Markt durchaus, doch das Fazit unserer Nexus 9 Review fällt eben doch etwas zwiespältig aus. Das attraktiv gestaltete und gut verarbeitete Gehäuse gefällt mir gut, wobei mich die leicht eindrückbare Rückseite nun nicht vom Kauf abgehalten hätte. Anders sieht es dabei beim eigentlich sehr guten Display aus, das zwar sehr hell leuchtet, gute Farbwerte erzielt und eine geringe Blickwinkelabhängigkeit bietet, aber eben so seine Probleme mit der durchscheinenden Hintergrundbeleuchtung hat.

In Sachen Leistung gibt es immerhin absolut nichts zu meckern, bietet das HTC Nexus 9 doch enorme Power in Verbindung mit einer langen Akkulaufzeit, auch wenn der Tegra K1 hier vielleicht ab und an etwas zu warm werden kann – doch dieses Problem haben andere High-End-Modelle auch. Insgesamt ist das Nexus 9 ein hervorragendes Tablet, das leider nicht mehr so günstig ist wie seine Vorgänger, aber dennoch ein preiswertes Angebot darstellt. Android 5.0 „Lollipop“ kann sich darauf sehen lassen und dank der Verwendung in Reinform gibt es keinerlei Probleme mit Bloatware oder einer laggenden Hersteller-UI. Daumen hoch, HTC! Weitermachen, denn das Nexus 9 zeigt, dass die Taiwaner durchaus in der Lage sind, wieder sehr gute Tablets zu bauen.

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Bewertung
Design / 8
Kamera / 7
Sound / 9
Performance / 10
Akkulaufzeit / 9
Software / 9
Preis / 7
Editor's Choice / 9
Hardware / 9
Display / 8
HTC Google Nexus 9
8.5
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