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Apple & Foxconn: Ein Blick auf eine der wichtigsten Tech-Partnerschaften der Welt

Für Apple ist Foxconn mehr als nur ein Zulieferer. Es ist ein Geschäftspartner. Wir blicken auf diese besondere Beziehung.

von Nicole am 10. Oktober 2017

Im Jahr 2000 bekam Foxconn, auch bekannt unter dem Namen Hon Hai, von Apple den Auftrag, iMacs zu produzieren. Die beiden Unternehmen hatten zwar schon zuvor gemeinsam an Produkten gearbeitet, aber dieser Auftrag stellte für Foxconn einen Wendepunkt dar. Apples hohe Qualitätsstandards zwangen den taiwanesischen Zulieferer dazu, die Produktion auf die nächste Stufe zu bringen und die Kapazitäten noch weiter auszubauen.

Als im Jahr 2007 das iPhone auf den Markt kam, schaffte es Foxconn nicht nur, die Produktion zu erfüllen und die engen Zeitpläne einzuhalten, sondern auch eine wichtige Rolle in der Umsetzung von Apples Design-Ästhetik zu spielen. Foxconn war in der Lage, Aluminiumteile mithilfe von Reibungshitze nahtlos miteinander zu verbinden und das Metall zu anodisieren, was damals auf dem Smartphone-Markt eine echte Neuheit war.

Foxconn war also maßgeblich für den Erfolg des ersten iPhones verantwortlich und Foxconns Unternehmenswachstum war fortan an das iPhone gebunden.

Seitdem verwaltet Apple höchstpersönlich und in Echtzeit Foxconns Warenlager für die Kernkomponenten des iPhones. Außerdem befinden sich zu jeder Zeit Apple-Mitarbeiter an den Produktionsstätten von Foxconn. Im Laufe der Zeit setzte Apple immer wieder hohe Wetteinsätze auf die Unternehmensbeziehung mit Foxconn.

Im Gegenzug investierte auch Foxconn in seine Beziehungen mit Apple. Nikkei zufolge hat Foxconn, zusammen mit seinem japanischen Unternehmenszweig Sharp und gemeinsam mit Apple in den $93 Milliarden Dollar schweren Technik-Fonds der SoftBank Group investiert (der mittlerweile geschlossen wurde). Foxconns Vorstandsvorsitzender Terry Gou holte auch für die Übernahme von Toshibas Speicherchip-Business Apple mit ins Boot. Zudem plant Foxconn in den USA Flüssigkristall-Displays herzustellen. Dies könnte Apple CEO Tim Cook dabei helfen, einer Forderung der US-Regierung nachzukommen, laut der das Unternehmen mehr Arbeitsplätze schaffen soll.

WENN MEIN ERFOLG AUCH DEIN ERFOLG IST, DANN SIND MEINE PROBLEME AUCH DEINE PROBLEME

Weltweit bekannt wurde der Name „Foxconn“ erst 2010, nach einer Reihe von Selbstmordfällen in einer Foxconn-Fabrik in China. Kritiker machten daraufhin Apple für die schlechten Arbeitsbedingungen verantwortlich, die dort herrschten.

Damals, als er noch als COO für Apple arbeitete, flog Tim Cook persönlich nach Shenzhen, um dort Gou zu treffen und Apple führte daraufhin eine monatelange Untersuchung durch, um die Lage in den Griff zu bekommen. Apple übernimmt seitdem die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei allen seinen Zulieferern.

Apples „grüne“ Richtlinien, laut denen keine gefährlichen Materialien bei der Herstellung verwendet werden dürfen, hätten nur wenig Bedeutung, wenn Foxconn sie nicht auch umsetzen würde. Und das macht das Unternehmen auch. In China konstruierte Foxconn beispielsweise ein 400 Megawatt Solarprojekt, obwohl Apple ursprünglich nur eine 200 Megawatt Anlage bauen wollte.

ABER APPLE WEISS GENAU, WO ES DIE GRENZEN ZIEHT

Apple konstruiert alle Prototypen in Kalifornien, in der Nähe des Firmensitzes in Cupertino, und möchte die „Geheimzutaten“ für die Entwicklung seiner Produkte nicht mit Foxconn teilen.

Außerdem könnten einige Entscheidungen, die Apple vor kurzem traf, die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen schwächen.

Das iPhone X ist das erste iPhone, auf dem nicht folgender Schriftzug stehen wird:

“Designed by Apple in California. Assembled in China.” Wistron, ein anderer Hersteller aus Taiwan, wird für Apple das iPhone X in einer Fabrik in Bangalore produzieren. Wenn sich Wistron Apple gegenüber in Indien beweisen kann, einem Markt der ebenso groß sein könnte wie der in China, wird Foxconn für Apple möglicherweise an Bedeutung verlieren.

Foxconn versucht dieses Risiko zu minimieren, indem es seinerseits neue Unternehmensbeziehungen zu Oppo und Huawei aufbaut, zwei führenden chinesischen Smartphone-Herstellern. Um sicherzustellen, dass sich Apple hierdurch nicht bedroht fühlt, garantiert Foxconn Apple weiterhin Priorität bei der Produktion. Mit der Zeit wird sich diese Strategie wohl als wenig effektiv herausstellen, denn wenn die Zeitpläne der Auftraggeber immer enger werden, müssen sich die chinesischen Firmen wohl oder übel woanders umsehen, wenn Foxconn nicht Schritt halten kann.

Der Smartphonemarkt ist in den letzten Jahren sehr einheitlich geworden; in dieser Saison sind vor allem abgerundete Ecken und Finishs aus Metall besonders beliebt, als nächstes sind es wohl matte Rückseiten und 2.5D-Glas wird bald aus der Mode kommen.

Diese Vereinheitlichung lässt sich bereits auf den ersten Blick erkennen und Smartphone-Hersteller wie Foxconn bieten mittlerweile für alle ihre Kunden dieselben Features an.

Das stellt ein Problem für Apple dar, denn Smartphones machen für das Unternehmen ganze 60% der Verkäufe aus.

Apple unternimmt deshalb Schritte, um sich von der Masse abzuheben – beispielsweise werden Chips ab sofort von Apple selbst entwickelt und Foxconn möchte aus diesem Grund Toshibas Chip-Business übernehmen, um mithalten zu können. Das Unternehmen hat längst erkannt, dass es wesentlich weniger Aufträge erhalten wird, wenn es sich nicht genauso schnell weiterentwickelt wie Apple.

Für Foxconn ist es nun wichtig, dass es bei Apple nicht in Ungnade fällt. China hat sich hinsichtlich der Produktion von Technologie verändert. China kopiert nicht länger andere Hersteller, man betreibt nun selbst Forschung und Entwicklung. Aber Foxconn tritt weiterhin auf der Stelle und der Technikgigant ist immer noch stark von Apple abhängig. Eine weitere Herausforderung für das Unternehmen wird es sein, einen Nachfolger für den mittlerweile 66 Jahre alten Terry Gou zu finden, welcher die Geschicke Foxconns leitet.

Apples aktuelle Unternehmensstrategie hat es zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. Aber werden die Partnerfirmen, die für diesen Aufstieg mitverantwortlich sind, auf Dauer mithalten können?

Source: Nikkei