Huawei P9 im Test – Ein Monat mit dem China Flaggschiff

In unserem Huawei P9 Testbericht erklären wir, ob sich die Partnerschaft mit Leica für das neue Android Flaggschiff auszahlt oder nicht. 4 Wochen mit dem Huawei P9 liegen hinter uns und wir können nun ausführlich auf die Vor- und Nachteile dieses Smartphones eingehen.
Pro
  • Atemberaubendes Design
  • Fantastische Verarbeitung
  • Tolle Monochrom Kamera
  • gute Akkulaufzeit
  • Beste Kamera App auf dem Markt
  • Günstiger als die Konkurrenz
Kontra
  • Kirin 955 SoC GPU Performance
  • fehlender optischer Bildstabilisator

Das Huawei P9 ist da! Huawei hat ziemlich genau das präsentiert, was wir dank der Leaks erwarten durften: ein sehr schönes Smartphone im Aluminium-Unibody mit 5,2 Zoll großem FullHD-Display, dem starken Kirin 955 Octa-Core-SoC, 3 GB RAM und 32 GB erweiterbarem Speicherplatz.

Besonders punkten möchte man mit einer rückseitigen Dual-Kamera und hat sich dazu bekanntlich Leica ins Boot geholt.

Ab Mitte April 2016 wird das Huawei P9 in den Farben Titanium Grey und Mystic Silver erhältlich sein.  Der Einführungspreis wird bei 569 Euro liegen.

Alternativ könnt ihr auf das Huawei P9 Plus warten, welches ab Mitte Mai in der Farbe Quartz Grey für 699 Euro zu haben sein soll und neben größerem Speicher und größerem Akku auch ein 5,5 Zoll großes Display bietet.

Inzwischen haben wir das Huawei P9 gut 4 Wochen getestet und können nun unseren ausführlichen Bericht abschliessen. Dieses Smartphone ist ohne wenn und aber das bisher fortschrittlichste, welches der chinesische Hersteller in der 5-inch Kategorie auf den Markt gebracht hat und es bietet einige Features, die man bei der Konkurrenz bisher vergeblich sucht.

Ja, ich habe das P9 über diesen Monat wirklich lieben und schätzen gelernt, aber wo so viel Licht ist, da gibt es auch einigen Schatten und über den müssen wir uns auch unterhalten.

Das Huawei P9 wurde im Oktober 2016 in unsere China Handy-Bestenliste aufgenommen.

Huawei P9 Technische Daten

Display5,2 Zoll großes 2.5D-Glas-Display mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln
ProzessorHiSilicon Kirin 955 Octa-Core-SoC  mit 4 x 2,5 GHz und 4 x 1,8 GHz
Arbeitsspeicher3 GB RAM
Interner Speicher32 GB, erweiterbar per microSD-Karte um bis zu 128 GB
Kamera hinten12 MP Leica Dual-Kamera, Summarit-H 27 mm f/2.2 ASPH, BSI CMOS, 2-farbiger LED-Blitz
Kamera vorne8 MP, f/2.4
OSAndroid 6.0 mit EMUI 4.1
Akku3000 mAh, nicht auswechselbar
KonnektivitätWiFi: 2,4 G/5 G a/b/g/n/ac mit WiFi-Direkt-Unterstützung Bluetooth®: 4.2, unterstützt BLE, NFC
NetzwerkLTE Cat.6
AnschlussUSB Typ-C
Maße145 x 70,9 x 6,95 mm
Gewicht144 Gramm

Huawei P9 - Maße

Huawei P9 Design und Verarbeitung

Schon die Vorgänger waren äußerst schöne Handschmeichler und es war nicht zu erwarten, dass sich Huawei von diesen hohen Ansprüchen an die Qualität verabschiedet. Somit bekommt ihr also auch mit dem Huawei P9 ein äußerst gut verarbeitetes und elegantes Handset, welches gerade einmal 6,95 mm dünn ist. Bei der Designsprache hat man sich nicht sehr weit vom Vorgänger entfernt, wenngleich die Rückseite durch die auffällige Kamera-Partie um die Dual-Kamera von Leica und den Fingerabdrucksensor stark verändert daher kommt.

Bei der Platzierung der Buttons hat sich nichts getan, Power als auch Lautstärkeregelung befinden sich also wieder auf der rechten Seite. Neu hingegen ist der USB Type-C-Anschluss, den ihr an der Unterseite vorfindet.

Huawei P9 15

Besonders Lob gebührt Huawei dann noch dafür, dass die Kamera komplett bündig abschließt, es also nicht so einen unerfreulichen Kamera-„Hubbel“ gibt. Für mich ein ganz klares Plus, wenn man das P9 auf den Tisch legt. Da wippelt und wackelt dann einfach gar nichts mehr, egal an welcher Stelle und Ecke ihr das Huawei Handset runterdrückt. Wir können uns durchaus streiten ob der schwarz abgesetzte Rand da oben so sein muss, mich stört es nicht. Ja irgendwie lockert es das Design auf.

Huawei P9 9

Wer das P9 zum ersten mal in die Hand nimmt, der will es kaum noch als selbiger geben. Die neueste Generation des Huawei Flaggschiffes ist nicht nur erstklassig verarbeitet, im Gegensatz zum P8 wirkt und ist es viel runder und harmonischer. Ergonomie muss kein Fremdwort sein und genau das beweist man mit dem P9. Warm und natürlich „fasst“ es sich an und genau das muss für jeden Designer eines Smartphones das A und O sein. Wir nehmen diese Handsets nun einmal täglich ein paar hundert mal in die Hand (nomen est omen) und dann muss es einfach passen.

Genau dieses Gefühl schafft das Huawei P9 innerhalb von Sekunden hervorzurufen. Mehr als jedes andere Android Smartphone und sogar noch intensiver als die Apple iPhones der 6er Serie.

Man kann den Produktdesignern der Chinesen nur gratulieren und genau deshalb vergeben wir hier auch die volle Punktzahl in der Kategorie Design, die auch Verarbeitung und verwendete Materialien beinhaltet. Das P9 hat alle Design-Merkmale eines Flaggschiffes und wird auch in 2 Jahren noch zu beindrucken wissen.

Huawei P9 11

Übrigens habe ich dies auch vor 3 Jahren beim Huawei P6 gesagt, welches ganz klar für den Hersteller einen Wendepunkt bedeutete. Das P6 zeigte den Weg in die Zukunft von Huawei auf. Eigene, moderne und zeitlose Designs. Premium-Materialien und ein „Look & Feel“, welches genau dieses Gefühl in mir hervorrufen konnte. Ich will dieses Handset in die Hand nehmen, in Ruhe anschauen und ausprobieren.

Das ist beim P9 nicht anders.

Huawei P9 Hardware

Huawei P9 seitlichDie Chinesen sind in der glücklichen Situation, selbst äußerst kraftvolle Prozessoren herstellen zu können und mit dem HiSilicon Kirin 955 Octa-Core-SoC hat man dann auch direkt mal die Speerspitze der eigenen Produktion im Huawei P9 untergebracht. Zusammen mit den 3 GB RAM sollte dieses Handset in Sachen Performance den meisten Ansprüchen genügen. Wem der Arbeitsspeicher zu knapp bemessen ist, der kann alternativ zum Plus-Modell greifen, wo dann 4 GB RAM zur Verfügung stehen.

Der interne Speicher beträgt 32 GB und auch mit Blick auf die anderen Flaggschiffe dieses Jahres ist die Message klar: 16 GB sind gestorben – ein Spitzen-Smartphone hat wenigstens 32 GB Speicher vorzuweisen, gut so! Diesen Speicher könnt ihr noch mittels microSD-Karte aufstocken und wenn wir schon bei den Karten sind: Bei der SIM-Karte setzt Huawei erneut aufs Nano-Format. Die Kombination aus 5,2 Zoll großem Display mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln und 3000 mAh Akku schließlich sollte dafür sorgen, dass ihr ganz geschmeidig mit einer Akkuladung über den Tag kommt.

Abermals ein dickes Lob an die Entscheider bei Huawei, denn die haben schliesslich dem P9 „nur“ ein 1080p Display verpasst. Das ist auch für die nächsten 2 Jahre noch die richtige Entscheidung, denn schliesslich hat das Handset immer noch eine Pixeldichte von 423 ppi! Man braucht nicht mehr, vertraut mir da mal. Ich kann da keine Pixel erkennen und wenn ich dies mal mit dem ersten Retina Display iPhone vergleiche, also dem 4er, dann liegen da mal fast 100 ppi zwischen den beiden Phones. Das iPhone 4 hatte eine ppi von 330 basierend auf einem 3.5-inch Screen mit einer Auflösung von 640 x 960.

Schön, dass Huawei den 1440p-Wahn (noch) nicht mitmacht und von daher auch keine Probleme mit der Akkulaufzeit des P9 hat.

Huawei P9 Performance

Damit wir uns hier gleich richtig verstehen… das Huawei P9 ist schnell, sehr schnell sogar! Aber es leider immer noch nicht auf dem gleichen Level wie aktuelle Modelle mit Snapdragon 820 oder Exynos 8890. Zwar konnte man im Vergleich zum hauseigenen Kirin 950 noch einmal eine kleine Performance-Schüppe draufpacken, aber offensichtlich macht hier die Kombination aus dem 16nm FinFET Fertigungsprozess und der Quadcore Mali-T880 MP4 einfach einen Strich durch die Rechnung. Ja, die hauseigenen HiSilicon SoCs sind konkurrenzfähig, aber dem ARM-Referenzdesign bei der GPU geht im Vergleich zur Konkurrenz ganz klar die Luft aus. Die Adreno 530 des Snapdragons und die T880MP12 des Exynos sind hier einfach überlegen.

Woran das liegt? Die Mali-T880 gibt es praktisch in 16 verschiedenen Varianten vom Singlecore bis zu einer Version mit 16 Kernen. In der Produktion sind aber zur Zeit nur drei: die MP2, die MP4 und die MP12. Auch diese unterschieden sich durch die Taktfrequenz der einzelnen Kerne. Während die Dualcore Version mit 700Mhz taktet, schiesst der Takt bei der MP4 bereits auf 900Mhz, um dann bei der im S7 verbauten MP12 wieder auf 650Mhz zu sinken. Dennoch sieht die im P9 verbaute MP4 kein Land gegenüber der Version im Exynos 8890, was vor allen Dingen die Benchmark-Resultate bei den GPU-lastigen Tests offenbaren.

Wir können uns lange drüber unterhalten, ja vielleicht auch über die Ergebnisse von synthetischen Benchmarks streiten.

Huawei P9 Akkulaufzeit

Freunde, wir müssen reden. Ja, ihr kommt ohne Probleme mit dem Huawei P9 durch den gesamten Tag, aber ich fand die Laufzeiten während ausgiebiger Web Browsing Sessions alles andere als berauschend! Das liegt übrigens nicht daran, dass man hier auf dem gleichen Level wie S7 edge oder LG G5 liegt, sondern vor allen Dingen an der Tatsache, dass man im Vergleich zum Vorgänger abgebaut hat. Ich mache hier ganz klar den Kirin 955 für verantwortlich und das liegt am Gegencheck im Video-Benchmark. Hier liegt das LG G5 trotz 1440p Display und um 200 mAh kleinerern Akku noch 90 Minuten vor dem Huawei P9, was ich abermals auf die Mali-T880 MP4 schiebe. Aber Achtung, das dürfte eher an den Treibern für die Hardware-Beschleunigung bei der Video-Wiedergabe liegen. Hier kann und muss Huawei nachbessern.

Ansonsten sehe ich hier ein sehr ausgeglichenes Ergebnis, welches sich mit denen der Top Smartphones messen kann. Sehr gut, aber noch optimierbar!

Huawei P9 Kamera

Huawei P9 Kamera Aufbau

Huawei ließ beim Launch-Event keinen Zweifel daran, dass die Kamera das Herzstück des P9 darstellt, so hatte man eigens Weltklasse-Fotografen eingeflogen und im Vorfeld bereits die Kooperation mit Leica verkündet. Dank dieser Zusammenarbeit sollen die Bilder nach eigener Aussage mit mehr Licht, besseren Details und Kontrast sowie in brillanten Farben und herausragendem Schwarzweiß geschossen werden.

Wir glauben daran, dass die Kultur der Technologie heutzutage durch die Neugier der Menschen sowie deren Wunsch nach Kreativität und danach, die Welt um sich herum auf andere Art und Weise erleben zu können, entsteht. Mit dem HUAWEI P9 haben wir zusammen mit Leica die aktuelle Linsentechnologie herausgefordert – wegweisend in der Smartphone-Fotografie. Richard Yu, CEO der HUAWEI Consumer Business Group

Funktionieren soll das dank der Dual-Kamera, die aus einer RGB-Kamera und einer Monochrom-Kamera besteht. Erste soll für die Farb-Brillanz sorgen, die Monochrom-Cam ist für Details und Kontrast zuständig. Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen soll das für nochmals bessere Resultate sorgen und wer die Qualität der Vorgänger kennt, weiß, dass diese Messlatte ziemlich hoch liegt. Wir sind jetzt schon schwer auf die Test-Bilder gespannt. Übrigens hat man die Pixelgröße auf nunmehr 1,25 Mikrometer verbessert, was nicht nur deutlich mehr ist als beim Huawei P8, die Pixel sind somit auch größer als beim aktuellen iPhone 6s.

Huawei P9 Kamera-Software

Egal, ob ihr nur gelegentlich Schnappschüsse macht oder einen höheren Anspruch an die Kamera habt: Jeder bekommt das, was er sich von einer Smartphone-Cam wünscht. Das heißt, dass ihr sehr schnell und unkompliziert „draufhalten“ könnt, wenn ihr nur schnell ein Foto für Facebook braucht. Foto-Freunde können aber auch sehr granular manuelle Einstellungen vornehmen und von Hand ISO, Verschlusszeit, Weißabgleich etc bestimmen und auch manuell fokussieren.

Beim Fokussieren stehen dem Besitzer des Huawei P9 übrigens mit Laser, Tiefenkalkulation und Kontrast drei verschiedene Verfahren zur Verfügung, von denen automatisch die vielversprechendste ausgewählt wird. Bemerkenswert ist bei dem kompletten Kamera-Modul übrigens, dass das Gerät diese Top-Cam in ein lediglich 6,95 mm schlankes Gerät einbaut und die Kamera dennoch keinen Millimeter hervorsteht.

Wir haben bereits direkt am ersten Tag einen Vergleich mit LG G5 und Samsung Galaxy S7 edge veröffentlicht, wobei ihr euch in dieser Gallerie noch einmal die Huawei P9 Fotos anschauen könnt:

sdr

Und dann einige Eindrücke vom ersten Abend mit dem P9 und während unseres Dinners, auf dem ich u.a. auch die Möglichkeit hatte, mit einem der Leica-Entwickler zu sprechen.

Erste Schwarz/Weiss Versuche

Die Schwarz/Weiss-Kamera des Huawei P9 hat es durchaus in sich, ist aber nicht unbedingt für Schnappschüsse geeignet. Die oben eingebundenen Fotos habe ich alle im Pro-Modus geschossen und dennoch bin ich eigentlich nur mit dem mittleren Foto der Best Boyz wirklich happy. Auf dem Display sahen alle 3 Fotos klasse aus, aber gerade das in der Seitenstrasse ist eher unscharf geworden und das obwohl ich hier wirklich noch einmal den Fokus gesetzt habe. Hier vermisse ich schmerzlich einen optischen Bildstabilisator.

Nachträglich Anpassung des Fokus

Huawei P9 Camera 5

2 Kamera-Module, das bedeutet auch, dass ihr die Tiefenschärfe später noch justieren könnt. Dies muss dann auch explizit in der App ausgewählt werden und erlaubt einige schöne Effekte. Etwas vergleichbares gab es bereits mit den HTC One M8 und ist jetzt nicht wirklich neu. Aber auch wenn eine Demo dieser Funktion immer für ein grosses Hallo sorgte, so muss ich doch ehrlich sagen, dass ich diese nie grossartig genutzt habe. Weder auf dem M8, noch auf dem P9.

Food Pics

Für all die passionierten Foodblogger und Instagram-Künstler da draussen… was soll ich da gross zu sagen? Sieht lecker aus, Details sind völlig ok. Ich erwarte einfach von einem Flaggschiff, dass es hier ordentliche Erlebnisse abliefert. Das macht das P9.

Farbe <> Schwarz/Weiss im Vergleich

Und genau jetzt wird es langsam spannend, denn mit der 2. Kamera, die nur Monochrom aufnahmen macht (und bei diese dann mit der ersten Kamera mixt, wenn ihr Farbfotos schiesst), erzeugt man eine andere, zum Teil viel dramatischere Atmosphäre. Von der habe ich mich dann in den nächsten Tagen und Wochen ein wenig anstecken lassen und vor allen Dingen dann auch ein wenig die „Leica-Methode“ verinnerlicht. Ihr müsst nicht andauernd durch den Sucher schauen. Bilder, Horizonte müssen nicht immer schnurgerade sein… experimentiert und probiert euch aus. Well, well… das habe ich dann gemacht:

Schwarz/Weiss im „Leica-Modus“

Alle folgenden Fotos sind durch die Bank weg aus „der Hüfte“ geschossen. Point & Shooter Galore und ohne irgendeine Frickelei an den Einstellungen. Und genau deshalb sind sie auch so gut geworden!

Die Lichtverhältnisse waren extrem schwierig. Nachts, Bar, nur leichte Beleuchtung und die auch noch aus verschiedensten Quellen.

Die Ergebnisse können sich in meinen Augen absolut sehen lassen und zeigen das Potenzial der P9 Kamera auf. Aber auch nur, wenn ihr euch mit dieser Art der Fotografie anfreunden könnt und hier und da auch mal mit Unschärfen klar kommt. Dann macht das P9 verdammt viel Spass und liefert Aufnahmen ab, die ihr mit den Plattformen der Konkurrenz nur schwerlich hinbekommt.

Huawei P9 Cam Monochrome 5

Dennoch muss man auch festhalten, dass das P9 im Vergleich zu Galaxy S7 Edge und LG G5 nicht die Detailtreue und Farbgenauigkeit abliefert. Ich musste auch immer wieder Rauschen feststellen und gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen, machtet sich die fehlende optische Bildstabilisierung bemerkbar und das das alles andere als positiv.

Beauty-Mode der Front-Cam

p9 beauty mode

Video-Qualität der Front- und Back-Cam

Die 12. Ausgabe der 1&1 Techweek habe ich komplett mit dem Huawei P9 gedreht und ja, ich muss sagen dass ich schon ein wenig von der Video-Performance enttäuscht war. Es wackelt, als hätte ich 3 Tage nicht geschlafen und einen Parkinsonschen-Anfall. Bitte verzeiht mir diese harten und direkten Worte, aber genau das ist nicht das Ergebnis, welches ich von einem Flaggschiff im Jahre 2016 erwarten. Hab ich schon gesagt dass ich OIS vermisse. Das war ein fulminanter Designfehler von Huawei und lässt darauf schliessen, dass sie noch nicht in der Lage sind, dieses Feature in ein derartig dünnes Gehaeuse einzubauen. Schade!

Und genau dies gibt dann in der Kombination ein Bild, dass es sich zwar um eine sehr gute Kamera handelt, aber definitiv nicht um eine, die herausragend ist. Schnappschüsse gelingen nicht immer, schlechte Lichtverhältnisse sind ein riesiges Problem und die Videoqualität ist leider nur durchschnittlich. Aber, und dies ist ein dickes und positives aber, die Funktionalität und die Ergebnisse der Monochrom-Cam… das macht Spass und es lädt ein zu experimentieren. Plus, wir müssen auch gleich noch einmal auf das Kamera-Interface eingehen, denn das ist einfach nur sensationell!

Huawei P9 Unboxing 03

Huawei P9 Software und Funktionen

Logisch, dass Huawei seinem neuen Spitzenmodell mit Android 6.0 Marshmallow die aktuellste Version des mobilen Betriebssystems von Google verpasst und ebenso logisch, dass darauf die eigene EMUI aufsetzt, die sich auf dem Huawei P9 in Version 4.1 findet. Darüber hinaus hat Huawei erneut bewiesen, dass sie in der Lage sind, eigene Software-Features im Gerät unterzubringen, die wirklich einen Mehrwert haben und nicht nur kostbaren Speicherplatz klauen, wie z.B. die Nutzung des Fingerabdrucksensors:

Huawei P9 Presse-Event Fingerprint-Reader

Mit Fingerprint 2.0 könnt ihr mittels Fingertipp das Smartphone entsperren, Anrufe annehmen, Fotos in der Galerie durchblättern und vieles mehr. Außerdem sind die ebenfalls bekannten „Knuckle“-Funktionen wieder mit von der Partie und ebenfalls erweitert worden.

In Sachen EMUI zieht Huawei das „wir brauchen keinen App Drawer“-Design knallhart durch. Jetzt muss ich nach wie vor sagen, dass ich davon nicht wirklich ein Freund bin. Android lässt sich so wunderbar anpassen und deshalb möchte ich auch alle Möglichkeiten haben, die es mir zur Verfügung stellt. EMUI schränkt mich hier ein wenig ein und das ist auch der Grund, warum ich auch meinem Mate 7 über ein Jahr lang den Nova Launcher nutzte. Gebt mir doch bitte die Wahl Huawei, denn ansonsten nutze ich einfach einen anderen Launcher.

Wobei, es gibt auch dieses Jahr ein absolutes Highlight und dies betrifft die UI der Kamera-App. Nichts, aber auch wirklich gar nichts kommt auch nur in die Nähe der Benutzerführung der P9 Cam!

Wenn ihr von unten nach oben wischt, dann werden die Pro-Settings eingeblendet. Wobei ihr natürlich noch euer Bild und Objekt auf dem Display bewundern könnt (und wie es sich durch die Settings verändert). Ein Wisch vom linken Rand in die Mitte und ihr könnt die verschiedenen Modi auswählen und last but not least ein Wischer vom rechten Rand in die Mitte und ihr gelangt zu den allgemeinen Einstellungen. Absolut vorbildlich.

Es gibt hier wirklich nur zu bemängeln, dass man kein 4×4 Grid für die Modi gewählt hat. So muss ich leider immer nach unten scrollen um die „Audio Note“ und „Document Scan“ auszuwählen. Aber ansonsten in ich richtig schwer begeistert.

Huawei P9 Preis und Verfügbarkeit

Wie eingangs bereits erwähnt, wird das Huawei P9 bereits ab Mitte April zu kaufen sein. 569 Euro werden fällig für das Gerät, welches in den Farben Titanium Grey und Mystic Silver zu haben sein wird. Damit bewegen wir uns preislich in High-End-Gefilden, was angesichts der Qualität des Huawei P9 auch allemal gerechtfertigt ist. Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass das Smartphone neben Ladegerät und USB-Kabel auch mit Kopfhörern ausgeliefert wird.

Ich hätte mir jedoch gewuenscht, dass Huawei den Preis unter die 500 Euro Marke drückt, ja vielleicht sogar auf 449 Euro legt. Das P9 hätte von mir dafür eine uneingeschränkte Kaufempfehlung erhalten, denn das Preis/Leistungsverhältnis hätte dadurch 10 von 10 Punkten erhalten!

Nach 4 Wochen Nutzung

Huawei P9 Fazit

Für mich ist Huaweis neues Flaggschiff eines der schönsten und am besten verarbeiteten Smarphones aller Zeiten

Ich habe mir für diesen Test wirklich vorgenommen, euch nicht umgehend mit einem ausfuehrlichen Bericht zu versorgen. Klar, wir hatten unser Unboxing und die ersten Eindruecke sehr schnell online, dann gab es aber nur hier und da mal ein paar kleinere Updates. Wir beide brauchten Zeit… also ich meine das P9 und ich und es hat sich gelohnt.

Für mich ist Huaweis neues Flaggschiff eines der schönsten und am besten verarbeiteten Smarphones aller Zeiten! Ein Handschmeichler par excellence und aus derartig hochwertigen Materialien gezimmert, dass da selbst Apple und Samsung sich noch etwas von abgucken können. Das habt ihr grossartig hinbekommen Huawei und dafür gebührt euch ne dicke Ladung Lob und Anerkennung.

Übrigens auch dafür, dass ihr mit Leica wirklich eine Legende mit ins Boot geholt habt, wenn die euch wohl auch nur beraten und ins UI des Kamera-Designs eingegriffen haben. Ja, die Monochrom Cam macht so sau viel Spass, dass ich am liebsten den halben Tag durch Taipei tigern will und allen diese wunderbare Stadt aus völlig anderen Perspektiven zeigen möchte, aber das werden die wenigsten Smartphone User machen und genau das ist der Haken.

Huawei P9 Farbe

Im direkten Vergleich und über die verschiedensten Benchmarks hinweg, ist die P9 Foto-Performance einfach nicht auf dem Level von LG oder Samsung. Wer auch immer die Entscheidung getroffen hat, den optischen Bildstabi wegzulassen… es war ein Fehler und zwar ein kerniger. Das P9 ist als Kamera-Smartphone konzipiert worden und dann muss man wenigstens auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb sein. Das ist es einfach nicht und wenn man dann noch die Videoqualitäten checkt, dann ist es eher als durchschnittlich zu bewerten. Ein fehlendes Bauteil hätte den Unterschied wettgemacht. Schade!

Dennoch ist das P9 ein toller Allrounder und ich bin mir sicher, dass mit einer zukünftigen Preisanpassung es in einen Bereich kommt, der es sehr sehr attraktiv macht. Ok, optisch ist es das je eh schon… Verdammt, ich wiederhole mich :)

Bewertung
Design / 9.5
Kamera / 7.5
Sound / 7
Performance / 8
Akkulaufzeit / 8
Software / 8
Preis / 8.5
Editor's Choice / 8.5
Hardware / 8.5
Display / 8
Bildqualität / 8
Huawei P9

Mit dem P9 hat Huawei ein tolles Smartphone geschaffen, welches preislich attraktiver als die der Wettbewerber ist. Design, Ergonomie und verwendete Materialien sind zur Zeit ganz klar führend. Hier haben die Produktentwickler nicht nur ihre Hausaufgaben gemacht, sondern einen Benchmark für die Branche gesetzt. Durch die Kooperation mit Leica hat man endlich auch eine richtige Story für die Marketing-Spezialisten geliefert. Eine Ikone der Fotografie setzt seinen Namen auf ein Smartphone aus China und zeigt, dass man mit einer Monochrom-Kamera ganz viel "Leica Feeling" transportieren kann. Leider reicht die Gesamt-Performance der Kamera, besonders bei Video-Aufnahmen, nicht an die der Konkurrenz.
Dennoch, wem das P9 gefällt und mit diesen Abwertungen leben kann, der erhält ein tolles Flaggschiff mit einem zeitlosen Design.

8.1
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